Von San Pedro de Atacama über die Lagunen-Route nach Uyuni

San Pedro de Atacama ist eine absolut touristische Kleinstadt voll mit überwiegend jungen Travellern. Es befinden sich hier buchstäblich dutzende Tour Agencies, Restaurants und Souvenirshops nebeneinander. Besonders authentisch ist der Ort sicher nicht mehr. Aber nach etlichen Tagen im infrastrukturlosen Altiplano (Hochland) empfinden wir ihn als ganz angenehm. So sitzen wir zum Beispiel abends an der Plaza und trinken frisch gezapftes Bier. Ich weiß nicht, wie lange wir dieses Vergnügen nicht mehr hatten. Allerdings müssen wir immer mindestens eine Portion Pommes Frites mit bestellen, da alkoholische Getränke nur zu Mahlzeiten ausgegeben werden dürfen.

Straßenbild in San Pedro de Atacama
Straßenbild in San Pedro de Atacama

Leoni hatte auf dem Weg über die Anden nach San Pedro zum Teil kräftig gerußt. Immerhin waren wir da ja bis über 4.800 m hoch. Wie von Allrad Keba empfohlen verstelle ich daher das Diesel-Luft-Gemisch durch eine Vierteldrehung der entsprechenden Gewindestange nach links. Mal sehen, ob sich der Rußausstoß jetzt verringert oder sogar total ausbleibt. Wir werden sehen.
Für die nächsten Tage planen wir einen Besuch der internationalen Sternwarte ALMA. Alma heißt auf Spanisch Seele und steht für Atacama Large Millimeter/submillimeter Array. Ein Feld von 66 Antennen mit in den allermeisten Fällen 12 m Durchmesser wird auf 5.000 m Höhe so zusammengeschaltet, dass eine Antenne von unglaublichen 16 km Durchmesser simuliert werden kann. Der Blick vor allem in die Anfänge unseres Universums kann dadurch enorm geschärft werden. Besuche sind nur am Wochenende möglich, müssen übers Internet angemeldet werden und sind kostenlos. Der anstehende Samstag ist nicht mehr verfügbar, und für den Sonntag bekommen wir nur Plätze auf der Waitlist.

In Wartung befindliche Teleskope der Sternwarte ALMA
In Wartung befindliche Teleskope der Sternwarte ALMA

Wir lassen uns vom Handy um 7.15 Uhr wecken und laufen um 8.30 h zum Parkplatz, wo der Bus sein soll, mit dem wir um 9.00 Uhr hoch zu ALMA fahren wollen. Es ist zum Glück ein großer Bus, denn es sind schon viele wartende Leute da. Wir hoffen, dass wir mitkommen. Die fest gebuchten Leute werden aufgerufen, aber fast keiner ist da. Dann werden die Waitlist-Leute der Reihe der Anmeldung nach aufgerufen, und wieder ist zunächst fast keiner da. Nur die allerletzten Waitlist-Leute auf der Liste sind anwesend und dürfen auch alle in den Bus. Wir auch. Die Erkenntnis: Ein System „Anmeldung ohne Kosten und ohne Risiko“ kann nicht funktionieren.
Wir fahren hoch zum ALMA-Zentrum auf knapp 3.000 m. Zu den 66 Teleskopen aus Europa, USA und Japan auf 5.000 m dürfen wir leider nicht. Das ist den Betreibern wegen der Höhe zu gefährlich. Schade. Wir werden durch die Anlage geführt, sehen auch zwei der Teleskope, die gerade gewartet werden, bekommen einen Film gezeigt, ein Astronom erzählt in Eilzug-Tempo-Spanisch etwas über die aktuellen Arbeiten, aber in Summe bin ich im Gegensatz zu Hildegard etwas enttäuscht. Ich hatte mehr erwartet.

Valle de la Luna bei San Pedro de Atacama
Valle de la Luna bei San Pedro de Atacama

Was unsere Erwartungen dagegen weit übertrifft, ist ein Besuch im nahe gelegenen Valle de la Luna (Mondtal). Davon gibt es in Südamerika etliche, aber das bei San Pedro de Atacama ist überwältigend. Wir kriechen durch eine lange Höhle, die bei Regen sicher zum reißenden Fluss wird, klettern die Duna Grande, die große Düne, hinauf und haben von oben absolut faszinierende Ausblicke über das Valle de la Luna und die gesamte Andenkette mit dem mächtigen und eindrucksvollen Licancabur und vielen anderen Vulkanen. Das Valle de la Luna und die näheren Berge sehen aus, als ob es frisch geschneit hätte. Aber es ist kein Schnee, sondern eine dicke Salzkruste. Der Anblick ist unglaublich.

Bis zu 1.250 m tiefe Kupfermine von Chuquicamata
Bis zu 1.250 m tiefe Kupfermine von Chuquicamata
Gigantische Lastwagen mit 3 m Raddurchmesser
Gigantische Lastwagen mit 3 m Raddurchmesser

Von San Pedro de Atacama aus starten wir zu einer Rundfahrt zur Kupfermine von Chuquicamata und zum Geysirfeld von El Tatio. Den kostenlosen Besuch von Chuquicamata hatte ich rechtzeitig telefonisch angemeldet. Im Besucherzentrum in Calama werden wir mit Schutzhelm versehen und mit einem Bus hoch nach Chuquicamata gebracht. Diese Stadt ist heute eine Geisterstadt. Die Bewohner wurden wegen der großen Umweltprobleme vor ein paar Jahren nach Calama umgesiedelt. Als wir dann ein Stück weiter an dem riesigen bis zu 1.250 m tiefen Loch stehen und die Monster-Trucks mit 3 m hohen Rädern an uns vorbeipreschen, sind wir tief beeindruckt. „Chuqui“ hat zwar vor kurzem den Titel der weltgrößten Kupfermine an eine andere chilenische Mine verloren, aber das ist eher nebensächlich. Erschreckend sind die Auswirkungen auf die Umgebung. Die ungeheuren Umweltprobleme (Staub, Abraumhalden, Grundwasserverseuchung), die von Chuquicamata und den anderen Minen ausgehen, werden Chile in absehbarer Zukunft einholen.

Landschaft im chilenischen Altiplano
Landschaft im chilenischen Altiplano
Brodelnder Geysir in El Tatio
Brodelnder Geysir in El Tatio

Nach einer Zwischenübernachtung irgendwo im Nirgendwo erreichen wir am nächsten Tag El Tatio, auf gut 4.300 m Höhe, und laut Reiseführern und chilenischer Werbung das höchste Geysirfeld der Welt. Nur blöd, dass wir eine Woche später das benachbarte bolivianische Geysirfeld Sol de Mañana kennenlernen, das auf über 4.900 m Höhe liegt. Aber so ist das halt mit Superlativen. Diese Einschränkung soll jedoch die Qualitäten von El Tatio nicht schmälern. Als wir am Nachmittag ankommen, ist kein einziger Tourist im Gelände. Die Touristenbusse mit Tagesausflüglern kommen regelmäßig am frühen Morgen, um den Sonnenaufgang im Tal mitzuerleben, und sind mittags längst wieder auf dem Rückweg nach San Pedro de Atacama. Wir sehen uns in aller Ruhe die Geysire an und gehen dann im großen Thermalbecken schwimmen. Dabei sind wir völlig allein und ungestört. Um uns herum die herrlichste Bergwelt, strahlender Sonnenschein und wunderbar warmes Wasser. Es ist herrlich.

Ganz allein im Thermalbecken in El Tatio
Ganz allein im Thermalbecken in El Tatio
Geysirfeld El Tatio, 4.300 m hoch, in den mittleren Vormittagsstunden
Geysirfeld El Tatio, 4.300 m hoch, in den mittleren Vormittagsstunden

Am nächsten Morgen wollen wir es den aus San Pedro anreisenden Gruppen-Touristen gleichtun und den Sonnenaufgang im Tal miterleben. Um 6 Uhr schellt unser Handy-Wecker. Wir trinken nur eine Tasse Tee und laufen dann runter ins Geysirfeld. Es ist stockdunkel, und wir sind mit Kopflampen unterwegs. Natürlich sind wir die ersten im Tal, die Temperatur beträgt frische -7 Grad. Die Geysire kommen uns genauso schön oder genauso gewöhnlich vor wie am Vortag, nur die Dampfsäulen sind wegen der niedrigeren Temperatur höher und eindrucksvoller. Nach und nach kommen die Touristenbusse, und ganz langsam wird es hell. Nach zwei Stunden sind wir gut durchgefroren zurück in Leoni und frühstücken erst einmal anständig. So ganz der Hit war unsere Frühmorgenveranstaltung nach unserer Einschätzung nicht. Der Nachmittag zuvor war wesentlich besser.
Nach einer weiteren und letzten Nacht in San Pedro de Atacama machen wir uns auf nach Bolivien. Die chilenische Grenzabfertigung am Ortsausgang ist schnell erledigt. Und dann geht es den uns schon bekannten Berg hoch, von 2.440 m auf ca. 4.600 m innerhalb von ca. 40 km. Leoni qualmt nach meiner Einschätzung nicht so schlimm wie früher, jedenfalls nicht mehr schwarz (sondern eher weiß). Offenbar hat meine Maßnahme gewirkt. Aber sie tut sich schwer. Im oberen Teil der Strecke, auf 4.000 m und höher, geht es nur noch im ersten Gang weiter, und das zeitweise mit extremem, meist weißem Qualm. Doch schließlich sind wir auf gut 4.600 m am Abzweig und fahren die noch fehlenden ca. 5 km bis zur Grenze.

Kurz vor der bolivianischen Grenze auf 4.600 m Höhe, links der Vulkan Licancabur
Kurz vor der bolivianischen Grenze auf 4.600 m Höhe, links der Vulkan Licancabur
Bolivianische Grenzstation
Bolivianische Grenzstation

Und diese Grenze wirkt auf uns wie ein abrupter Übergang in die Dritte Welt. Das Grenzgebäude ist buchstäblich eine Bruchbude. Wir bekommen trotz aller Einwände nur 30 Tage Aufenthaltserlaubnis und die schon bekannte Info, dass sich die Aduana für die Abfertigung des Fahrzeugs 80 km weiter im Landesinneren befindet. Einer der beiden Grenzer fragt mich ganz verlegen, ob ich nicht eine Hose für ihn hätte, so eine Fjällräven-Hose, wie ich eine anhabe. Ich verneine, aber er bekommt zum Ausgleich zwei Büchsen Bier von uns. Es sind halt arme Schweine, die hier in der absoluten Einsamkeit Dienst tun. Wir fahren hinunter zur Laguna Blanca, der Weißen Lagune, und zahlen unseren Eintritt zur Reserva Nacional Eduardo Avaroa: 150 Bolivianos pro Person, das sind ziemlich genau 2 x 20 Euro. Wir sind jetzt auf der berühmt-berüchtigten Lagunen-Route.

Laguna Blanca
Laguna Blanca
Laguna Verde vor dem Vulkan Licancabur
Laguna Verde vor dem Vulkan Licancabur

Unser Weg führt nach links an der Laguna Blanca entlang zur Laguna Verde. Zwischen den beiden Seen ist ein Überlauf, durch den die Laguna Verde gefüllt wird. Unklar ist uns, wo das Wasser in dieser trockenen Umgebung herkommt. Wir fahren durch den nicht sehr tiefen Überlauf hindurch und richten uns oberhalb der Laguna Verde mit Blick auf den Vulkan Licancabur für die Nacht ein. Der Licancabur spiegelt sich im intensiv-grünen See. Es ist eine absolut spektakuläre Lage auf ca. 4.350 m.
Im Bett ist es in der Nacht schön warm. Draußen allerdings nicht. Beim Aufstehen beträgt die Innentemperatur in der Kabine noch ganze +0,5 Grad und die Außentemperatur -12 Grad. Am frühen Morgen hatten wir mehrfach die elektrische Beheizung des Boilers angestellt, damit das Wasser nicht einfriert. Das frische Obst und die Tomaten hatten wir sicherheitshalber vom bisherigen Aufbewahrungsort, dem (zu kalten) Boden der Dusche, weggenommen und höher platziert. Das Abwassersystem ist natürlich wieder komplett eingefroren, sogar das Wasser auf dem Schiebeteil in der Toilette ist zu Eis geworden. Kaputt gegangen ist aber zum Glück offenbar nichts.
Schon um 8.40 Uhr, etwa eine halbe Stunde nach dem Hellwerden, stehen die ersten fünf Landcruisers neben Leoni, jeder mit 7 – 8 Personen incl. Fahrer bestückt. Doch nach ein paar Minuten sind alle wieder weg. Zum Einen, weil auf organisierten Touren immer die Zeit drängt, und zum Anderen, weil die Laguna Verde jetzt am frühen Morgen kein bisschen verde (=grün) ist. Herrlich verde war sie am Nachmittag des Vortages, jetzt ist sie nur grau, denn die Sonne hat noch nicht die richtige Position erreicht. Bald stehen die nächsten Autos da. Es ist völlig verrückt. Ich öffne die in Richtung Sonnenaufgang gelegene Motorhaube von Leoni und hoffe, dass das hilft, den Motor anzuwärmen.

Farbenfrohe Berge neben der Piste
Farbenfrohe Berge neben der Piste
Termas de Polques bei unserer Ankunft …
Termas de Polques bei unserer Ankunft …
… und etwas später
… und etwas später

Wir fahren Richtung Norden durch wunderschöne Altiplano-Landschaft. Alle paar Minuten kommt uns ein Auto mit Gruppentouristen entgegen oder überholt uns. Es herrscht ein unglaublicher Verkehr. An den Termas de Polques stehen bei unserer Ankunft 15 Fahrzeuge, und ein knappes Dutzend Touristen aalt sich im Pool. Wir holen uns die Erlaubnis, hier zu übernachten, kaufen sehr kostengünstige Tickets für den Pool (2 x 6 Bolivianos = 1,60 Euro), machen uns etwas zu essen und warten, dass die anderen Autos verschwinden. Wunschgemäß tun diese das alsbald. Wir ziehen uns um und haben den ganzen Nachmittag das herrlich warme Thermalbecken für uns.
Die folgende Nacht ist ähnlich kalt wie die vorhergehende. Die Fußmatte in der Kabine ist morgens am Boden festgefroren. Wir hatten in der Nacht wieder mehrfach für ein paar Minuten die elektrische Heizung des Boilers angemacht. Offenbar hat´s geholfen. Am Morgen ist zwar wie immer das Abwassersystem eingefroren, aber offenbar zum Glück wieder nichts kaputt.

Geysirfeld Sol de Mañana auf 4.990 m
Geysirfeld Sol de Mañana auf 4.990 m

Vor unserer Weiterfahrt sprechen uns zwei junge Franzosen an, die auch auf Weltreise und aktuell zu Fuß (!!!) Richtung Uyuni unterwegs sind. Zum Aufwärmen des Motors durch die Sonne öffne ich wieder für längere Zeit die Motorhaube. Die Fahrt geht anfangs leicht bergauf, allerdings nur so, dass Leoni nicht so sehr qualmen muss. Die Piste ist zunächst ausgezeichnet. Wir machen einen kurzen Abstecher zu dem schon erwähnten Geysirfeld von Sol de Mañana auf 4.990 m und finden ein herrliches Gelände mit vielen blubbernden Schlammtöpfen vor. Kurz danach sind wir auf unglaublichen 5.033 m bei der Aduana, dem Zoll. Dies ist der bisher höchste Punkt unserer Reise.
Die sehr freundlichen Grenzer stellen uns das erforderliche Dokument für Leoni aus und verabschieden uns ganz schnell wieder, da sie ganz offensichtlich in die Mittagspause wollen. Das nächste Pistenstück unserer Reise ist dann fürchterlich. Es gibt 20 oder auch 50 parallele Pisten. Das Ganze ist völlig undurchschaubar. Jeder fährt, wo er will. Und leider ist eine dieser Pisten schlechter als die andere. Irgendwann kommt schließlich die Laguna Colorada, die Rote Lagune, in Sicht.

Laguna Colorada
Laguna Colorada
Flamingos in der Laguna Colorada
Flamingos in der Laguna Colorada
Flamingo-Beobachtungen an der Laguna Colorada
Flamingo-Beobachtungen an der Laguna Colorada

Wir fahren am Südufer entlang zu einem ausgewiesenen Mirador (Aussichtspunkt). Dort steht ein einzelner Landcruiser mit Touristen. Kurz darauf sind es bereits 15 Landcruisers. Es ist nicht zu glauben. Wir richten uns für die Nacht ein und laufen runter zum Ufer. Der See trägt seinen Namen zu Recht, er ist von Mikroorganismen rot gefärbt. Und er steht voller Flamingos. Es sind hunderte, wenn nicht tausende. Wir schleichen uns an die herrlichen Vögel an und nutzen die hervorragenden Fotomotive. Das sich uns bietende Farbenspiel ist unglaublich. Es ist ein ganz toller Platz. Nach anderthalb Stunden sind wir etwas durchgefroren zurück bei Leoni – und kurz darauf völlig allein. Die Landcruisers plus Inhalt sind vorübergehend verschwunden.
Die Nacht ist nicht ganz so kalt wie die letzten beiden. Gegen 8 Uhr morgens erscheint bereits das erste Touristen-Fahrzeug, dann noch eins, doch dann ist Ruhe. Die folgenden Stunden sind wir allein. Wir schleichen uns nahe an die Flamingos ran, setzen uns am Ufer auf einen Stein, warten – und fotografieren. Es ist einer der besten Plätze unserer bisherigen Reise und absolut toll. Am Abend muss ich über 400 Fotos sortieren.

Blick vom Mirador auf der Nordseite der Laguna Colorada
Blick vom Mirador auf der Nordseite der Laguna Colorada

Auf der Nordseite der Laguna Colorada gibt es einen weiteren Mirador. Von hier hat man einen tollen Blick über den gesamten See, mit der Sonne im Rücken. Die Farben sind hochgradig unwahrscheinlich. Eigentlich kann das gar nicht sein. Dunkelrot, braunrot, violett, weiß, etc.

Arbol de Piedra, der Baum aus Stein
Arbol de Piedra, der Baum aus Stein
Enge Passage auf der Lagunen-Route
Enge Passage auf der Lagunen-Route

Als wir uns satt gesehen haben, geht´s weiter Richtung Norden. Die Piste ist zeitweise ok, aber meistens ziemlich übel. Sie fächert oft auf mindestens einen Kilometer Breite auf, und ohne Navi wäre es nicht ganz so einfach, den richtigen Weg zu finden. Hildegard ist entsetzt über die üble Piste und meint, „Weg zur Hölle“ könnte man sie nennen. Leoni packt jedoch alles ganz prima. Kaum Ruß, alles bestens. Am Arbol de Piedra, dem Baum aus Stein, machen wir einen kurzen Stopp. Es kommt mir vor wie Sahara, und als wir später an einem Felshang Mittagspause machen, klettere ich wie regelmäßig auf Reisen in der Sahara die Felsen hoch und bin doch einigermaßen erstaunt, wie schnell ich sehr, sehr kurzatmig werde. Ich muss mir klar machen, dass wir immerhin auf 4.500 m über dem Meeresspiegel sind. Vielleicht liegt es auch ein bisschen daran, dass ich langsam älter werde. Es geht weiter durch herrliche Landschaft, die mich begeistert. An der Laguna Honda suchen wir einen halbwegs waagrechten Übernachtungsplatz, finden diesen aber erst an der nächsten Laguna, der Laguna Chiar Khota auf 4.150 m.

Laguna Honda
Laguna Honda
Flamingos in der Laguna Hedionda
Flamingos in der Laguna Hedionda

Es folgt eine vergleichsweise warme Nacht. Beim Aufstehen herrschen in der Kabine immerhin +4 Grad. Und die Morgensonne wärmt alles schnell weiter auf. Wir fahren weiter an der Lagunenkette entlang. Nur zwei bis drei Kilometer weiter passieren wir die Laguna Hedionda mit einer größeren Hotelanlage und vielen wenig scheuen Flamingos, an die wir zum Fotografieren ganz nah herankommen.
Es geht weiter an der Laguna Cañapa vorbei nach Norden. Das folgende Pistenstück hat es dann wahrlich in sich. Erstmals setze ich Allrad ein, und zwar über eine ziemlich lange Strecke. Die Piste ist jetzt wirklich anspruchsvoll. Nicht wirklich schwierig, ich komme überall gut durch, und Leoni hält sich mehr als tapfer, aber Hildegard kann es bald schier nicht mehr ertragen. Bei ihr liegen die Nerven buchstäblich blank. Es geht durch tiefe Löcher und manchmal treppenähnlich steil rauf, dann wieder steil runter, an ziemlichen Abgründen vorbei. Hildegard findet die ganze bisherige Strecke durch Bolivien nur furchtbar, niemandem würde sie empfehlen, diese zu fahren, etc. So unterschiedlich können Bewertungen sein. Für mich ist die Lagunen-Route ein absolutes Highlight. Landschaftlich unvergleichlich, fahrtechnisch anspruchsvoller als die bisherigen Streckenabschnitte und zugebenermaßen wegen der niedrigen Außentemperaturen in der Nacht mit gewissen Gefahren für unsere Leoni versehen.
Die Piste vom Grenzübergang Avaroa nach Uyuni, auf die wir bald stoßen, ist dann zwar sehr staubig, aber autobahnähnlich glatt und zügig zu befahren. In Uyuni angekommen steuern wir das Hotel Samay Wasy mit seinem geschlossenen Innenhof an. Hier stellen wir Leoni ab und beziehen für drei Tage ein Hotelzimmer. Der Weg in die Innenstadt ist nicht weit, und laut Reception ist es, was die Sicherheitslage angeht, in Uyuni „muy tranquilo“, also ruhig bzw. sicher. Zum Abendessen gehen wir in die Stadt und lassen uns mit Llama-Steak und fruchtigem bolivianischen Rotwein verwöhnen.
Der folgende Tag verläuft ungewöhnlich ruhig. Wir füllen Leonis Wassertanks, entsorgen den Abfall der letzten Tage und machen Besorgungen: Streichhölzer, Geld, Reflektoren, die gemäß bolivianischen Regeln seitlich an Leoni anzubringen sind, Obst, Bier und Wein. Nur länger haltbares Brot bekommen wir leider nicht. Die Streichhölzer sind besonders erwähnenswert, weil die Gasflamme unseres Kochers auf Höhen um 4.000 m mit dem eingebauten Piezozünder und anderen Methoden nicht mehr zum Brennen gebracht werden kann. Das einzige, was hier noch funktioniert, sind Streichhölzer. Wir haben diese sehr zurückhaltend und umsichtig eingesetzt. Bei unserer Ankunft in Uyuni ist trotzdem nur noch genau ein Stück übrig.

Eisenbahnfriedhof von Uyuni
Eisenbahnfriedhof von Uyuni

Die geplante Tour auf den Salar de Uyuni wollen wir nicht mit Leoni machen. Wir haben Sorge, dass das aggressive Salz Leoni schaden könnte. Stattdessen haben wir einen privaten Ausflug mit einem einheimischen Fahrer und dessen Geländewagen organisiert. Um 9.30 Uhr morgens steht er vor der Tür. Wir fahren zunächst zum berühmten Eisenbahnfriedhof von Uyuni und dann ca. 20 km weiter nördlich auf den Salar. Der Salzsee von Uyuni ist der größte der Welt und hat wahrlich gigantische Ausmaße. Seine Fläche von etwa 12.000 qkm entspricht der Größe von Korsika. Eine Auffahrt ist nur an wenigen Punkten möglich. Im Wesentlichen führt der Salar aber in der trockenen Jahreszeit an der Oberfläche kein Wasser und ist dann problemlos mit Fahrzeugen aller Art passierbar. Nur an wenigen Stellen, den Ojos (Augen), blubbert Wasser an die Oberfläche. Bei Nachtfahrten stellen diese Ojos eine ernsthafte Gefahr dar.

Kakteen auf der Isla Incahuasi, im Hintergrund der Salar de Uyuni
Kakteen auf der Isla Incahuasi, im Hintergrund der Salar de Uyuni

Unser Hauptziel auf dem Salar ist die Insel Incahuasi. Sie liegt mehr als 70 km westlich von unserem Einstiegspunkt Colchani. Die Fahrt geht mit knapp 100 km/h zügig voran, die Konturen verschwimmen, alles ringsum ist gleißend weiß. Es ist zwar nicht wie in der Ténéré im Niger in der Sahara, dem Meer aus Sand, wo man in keine Richtung mehr ein „Ufer“ sehen kann. Auf dem Salar ist immer in irgendeine Richtung ein Ufer zu sehen. Aber die angepeilte Insel Incahuasi zum Beispiel taucht erst nach und nach hinter dem Horizont aus Salz auf. Beim Näherkommen ist es ganz schwer, Entfernungen abzuschätzen. Das Gefühl für die Bewegung geht verloren. Gefühlt ganz plötzlich sind wir dann da. Wir zahlen den Eintritt von 30 Bs pro Person und klettern die Insel hoch. Der Blick von oben ist unbeschreiblich. Hinter den bis zu 1.000 Jahre alten Kakteen erstreckt sich der weiße Salar. Beim Abstieg sehen und fotografieren wir dann unser erstes Vizcacha, ein hasengroßes Tier mit auffällig langem Schwanz, das sich wie ein Känguruh bewegt.

Endlose Weite des Salar de Uyuni
Endlose Weite des Salar de Uyuni
Auf Händen getragen
Auf Händen getragen

Nach dem Mittagessen fahren wir zum Nordrand des Salar, wo der Vulkan Thunupa die Szenerie beherrscht. Ein paar lustige, von unserem Fahrer initiierte Fotosessions auf der offenen Salzebene beschließen dann unseren sehr eindrucksvollen Besuch des Salar de Uyuni.

4 Comments

  1. Jens said:

    Ganz toll und grandios.

    6. Juli 2015
    Reply
  2. Alexander said:

    Seit wann macht ihr denn Scherzfotos? Ich bin sehr stolz auf euch 😉

    6. Juli 2015
    Reply
  3. Bernd said:

    Hallo Leoni Team.
    Nur eine kurze Frage zum Uyuni-See.(bin leider erst ganz am Ende des Reiseberichtes wieder aufgewacht).
    Der Salar und die Insel stehen auch bei uns noch auf dem Programm. Ich lese aber, ihr hattet dort einen Fahrer.
    Darf man dort nicht mit dem eigenen Fahrzeug, bzw. ohne einheimischem Fahrer unterwegs sein?
    Oder habt ihr wegen der Fahrkünste von Franz einen professionellen Driver angemietet?
    Viele Grüße nach Südamerika
    Bernd

    7. Juli 2015
    Reply
  4. Irene said:

    Hallo Hildegard und Franz,
    Mit großem Interesse verfolge ich eure Seite und freu mich, was wir noch alles zu sehen brkommen werden, wenn wir ganz „lässig“ an euch vorbei fahren und uns vielleicht auch treffen. Euch alles Gute und bei allen Unternehmungen viel Spaß
    Liebe Grüße
    Irene

    13. Juli 2015
    Reply

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