Vom Lago Llanquihue nach Santiago de Chile

Als wir am Morgen nach dem Ausbruch des Calbuco von unserem Zufluchtsort Nueva Braunau nach Puerto Varas zurückfahren, ist vom Vulkanausbruch des Vortages nur noch wenig zu bemerken. Die riesige Aschewolke ist verschwunden, dafür liegen über dem See und über den Bergen ziemlich dichte (Staub-) Wolken, und nur langsam werden Osorno und Calbuco sichtbar. Über dem Calbuco sind hin und wieder kleine Rauchwölkchen sichtbar, aber eindrucksvoll ist das nicht mehr.

Denkmal für die ersten deutschen Kolonisten am Lago Llanquihue
Denkmal für die ersten deutschen Kolonisten am Lago Llanquihue
Deutsche Kirche in Frutillar
Deutsche Kirche in Frutillar

Wir fahren aus der Stadt raus Richtung Norden. Als der Vulkan Osorno bei Frutillar, einem Bilderbuchort mit vielen deutschen Kolonialbauten am Westufer des Sees, besser sichtbar wird, erkennen wir erstaunt, dass er keine weiße Eiskappe mehr hat. Zuerst glaube ich, dass das Eis durch den Ausbruch des benachbarten Calbuco geschmolzen ist. Doch dann wird uns klar, dass der Calbuco lediglich eine Ascheschicht auf den vorher blütenweißen Osorno gelegt hat.

Mit Vulkanasche bedeckter Osorno. Auf dem unmittelbar vor dem Ausbruch des Calbuco aufgenommenen Titelbild zeigt er sich dagegen noch in voller Schönheit
Mit Vulkanasche bedeckter Osorno. Auf dem unmittelbar vor dem Ausbruch des Calbuco aufgenommenen Titelbild zeigt er sich dagegen noch in voller Schönheit

Einen Tag später umrunden wir den Lago Llanquihue im Norden bis auf die Rückseite des Osorno, bis zu einem kleinen Neben-Eingang des Parque Nacional Vicente Pérez Rosales. Unterwegs sehen wir von den Auswirkungen des Vulkanausbruchs mit Ausnahme der grau eingestaubten Kuppe des Osorno praktisch nichts. Nur der Calbuco in der Ferne raucht leicht. Das ist alles. Am gleichen Tag bricht der Calbuco dann jedoch zum zweiten Mal mit voller Kraft aus. Das bekommen wir allerdings nicht mehr mit, da wir inzwischen nach Norden weitergefahren sind zum Lago Puyehue. Erst später erfahren wir über Fernsehen und Internet, dass in der Hauptwindrichtung, vor allem in Ensenada und der unmittelbaren Umgebung, die Dächer von vielen Häusern durch die Last der Vulkanasche eingedrückt wurden. Die Höhe der Ascheschicht dort beträgt über 50 cm, das Vieh auf den Weiden droht zu verhungern und muss aufwendig evakuiert werden.
Als wir uns dem Parque Nacional Puyehue nähern, finden wir mehr und mehr Vulkanasche auf der Straße. Im Park selbst gibt es heiße Quellen, die wir zu einem erholsamen Bad in angenehm warmem Wasser nutzen. Die am Besucherzentrum startenden Wanderwege führen durch den wunderschönen sogenannten Bosque Valdiviano, einen Wald, der ganz anders aussieht als der, den wir weiter südlich an der Carretera Austral kennengelernt haben. Ein weiterer, wenn auch nur vorübergehender Unterschied zu diesem ist, dass er komplett mit graubrauner Vulkanasche zugestaubt ist. Die Parkranger verteilen Gesichtsmasken an uns, damit wir uns besser vor dem allgegenwärtigen Staub schützen können. Auch auf dem Besucherzentrum liegt eine dicke Ascheschicht, die während unserer Anwesenheit gerade mit Besen und Wasserschläuchen beseitigt wird. Diese dicke Ascheschicht auf dem Dach gibt uns eine gewisse Vorstellung davon, welche Massen von Vulkanasche bei den beiden Ausbrüchen in die Atmosphäre ausgestoßen wurden. Immerhin ist der Calbuco von hier bereits 70 km Luftlinie entfernt.

Dachreinigung am Besucherzentrum im Parque Nacional Puyehue, 70 km vom Calbuco entfernt
Dachreinigung am Besucherzentrum im Parque Nacional Puyehue, 70 km vom Calbuco entfernt

Nach einem kurzen Abstecher an den Pazifik nach Bahia Mansa sind die weiter nördlich gelegenen Seen des landschaftlich wunderschönen chilenischen Seengebiets unser Ziel. Wir umrunden den Lago Ranco, und als ich Leoni auf einer Wiese eines ansonsten völlig leeren Campingplatzes einparke, reißt Hildegard entsetzt die Hände in die Luft, um mich zum Anhalten zu bewegen. Sie denkt, der ihr zugewandte Vorderreifen von Leoni brennt. Aber es ist nur heftig aufgewirbelte Vulkanasche, von der die Wiese komplett bedeckt ist.
Zwischen dem Parque Nacional Villarica und dem Lago Calafquén liegt eine Therme, die eine echte Besonderheit darstellt. Die Termas Geométricas wurden von einem chilenischen Stararchitekten in eine enge Schlucht buchstäblich „hineindesigned“. Knapp 20 verschiedene Thermalbecken unterschiedlicher Größe und Temperaturen von 9 Grad bis 43 Grad sind in der dschungelmäßig bewachsenen Schlucht hintereinander angeordnet. Die im Wesentlichen in Rot ausgeführten Stege, Umkleidekabinen und sonstige Gebäude vermitteln den Eindruck, nicht in Südamerika, sondern in Japan zu sein. Die Anlage ist einfach phantastisch. Wir sind schon früh am Vormittag da und für ca. anderthalb Stunden die einzigen Besucher. Erst dann kommen zwei weitere Gäste, die aber schnell nach oben in die Schlucht verschwinden. Wir bleiben mehrere Stunden und genießen das Ganze in vollen Zügen.

Nicht in Japan, sondern in Chile: Die Termas Geométricas
Nicht in Japan, sondern in Chile: Die Termas Geométricas

Nur ca. 5 km oberhalb der Therme beginnt der Nationalpark Villarica. Hildegard reinigt am Eingang erst einmal eine schräg stehende, glasbedeckte Informationstafel von einer dicken Ascheschicht. Auch bis hierher sind die Aschewolken des Calbuco also gekommen. Der Wald ist von der Asche grau wie der in Puyehue, aber ansonsten völlig anders. Erstmals erleben wir hier in Chile einen dichten Araukarienwald mit altem Baumbestand. Die eindrucksvollen Araukarien sind Relikte der Urzeit, die sich seit hunderten Millionen Jahren kaum verändert haben. Zur Zeit der Saurier sahen sie kaum anders aus als heute.
Wir übernachten bei der Schutzhütte des Guardaparque auf einer freien Fläche, die eigentlich nur als Parkplatz gedacht ist. In der folgenden Nacht beginnt es heftig zu regnen. Und der Regen hält fast den ganzen Tag an. Als wir abends in einer Regenpause einen kleinen Spaziergang machen, ist der Wald deutlich verändert. Er ist nicht mehr grau, sondern wieder grün. Die Ascheschicht ist weggewaschen.
Wir hoffen für den folgenden Tag auf ein Ende des Regens. Und tatsächlich. Am Morgen hört der Regen auf. Dafür fängt es an zu schneien. Wir lassen uns davon jedoch nicht entmutigen. Der Guardaparque hatte uns eine mehrstündige Wanderung zum Mirador Los Volcanes empfohlen, und den nehmen wir jetzt in Angriff. Der Weg geht ziemlich steil bergauf, und je höher wir kommen, desto dichter wird die Schneedecke. Der Schneefall ist nur noch gering und hört bald ganz auf. Ab und zu kommt sogar die Sonne durch. Der uns umgebende Wald ist herrlich. Araukarien und Südbuchen dominieren darin. Oben in einem relativ flachen Waldstück sind wir froh, dass es Markierungsstangen gibt, denn ein Weg ist bei der geschlossenen Schneedecke praktisch nicht mehr zu erkennen. Kurze Zeit später sind wir an der Baumgrenze, und eine offene, weiter leicht ansteigende Schneefläche liegt vor uns. Der Wind hat jetzt freies Spiel, und es wird deutlich kälter.
Der Blick auf die dichten schneegezuckerten Araukarienbestände hinter und unter uns ist absolut faszinierend. In einiger Entfernung vor uns sehen wir den Mirador, auf den ein paar Markierungsstangen zuführen. Als wir oben sind, mache ich ein paar Fotos in den angegebenen Richtungen auf ein halbes Dutzend Vulkane zu. Wegen der vielen Wolken sehen wir aber zunächst keinen einzigen. Nur der kräftig qualmende Villarica wird dann irgendwann von den Wolken doch noch frei gegeben. Erst vor ziemlich genau zwei Monaten ist er zuletzt ausgebrochen. Im Gegensatz zum Calbuco bestand sein Auswurf aber nicht aus graubrauner Asche, sondern aus schwarzen Lavasteinchen. Wir finden diese überall auf unserem Weg. Vor allen in den stacheligen jungen Araukarien sind die schwarzen Lavaklümpchen sehr auffällig. Wir laufen zurück zu Leoni und freuen uns, dass wir eine so tolle Wanderung bei nahezu perfekten Bedingungen hinbekommen haben.

Vulkan Villarica, im Hintergrund rechts neben Hildegards Kopf
Vulkan Villarica, im Hintergrund rechts neben Hildegards Kopf
Schneegezuckerter Araukarienwald
Schneegezuckerter Araukarienwald
Lavaklümpchen vom Ausbruch des Villarica Anfang März 2015 in Zweig junger Araukarie
Lavaklümpchen vom Ausbruch des Villarica Anfang März 2015 in Zweig junger Araukarie

Wir wollen weiter durch den Nationalpark fahren und ihn nach Norden in Richtung Pucón durchqueren. Zwei Guardaparques hatten uns unabhängig voneinander versichert, dass dies mit unserem Fahrzeug problemlos möglich wäre. Und so ignorieren wir nach ein paar Kilometern Fahrt ein unscheinbares Schild, das besagt, dass die nächsten vier Kilometer nicht passierbar sind. Brutalste Stellen sind zu überwinden, und ich sage irgendwann zu Hildegard: „Wenn ich könnte, würde ich umkehren.“ Wir glauben allerdings nicht, dass der Waldweg das zulässt. Ein weiteres kleines Wegstück bergabwärts ist es dann soweit. Bei der vor uns liegenden Passage sehen wir keine Chance durchzukommen, ohne schwere Beschädigungen an Leoni zu riskieren. Wir müssen folglich rückwärts bergauf und durch tiefe Auswaschungen zurückfahren. Wir erkunden den Weg und finden ca. 150 m oberhalb eine Stelle, wo das Wenden möglich sein sollte. Nur müssen wir da erst einmal hinkommen. Rückwärts in kleinster Allrad-Untersetzung fahre ich eingewiesen von Hildegard ganz langsam hoch. Und wider Erwarten klappt es ganz gut. Zwar schrammt etliches Grünzeug an Leoni entlang, aber es ist nichts Kritisches dabei. Nach dem mühsamen Wenden geht es im ersten Gang in der kleinsten Allrad-Untersetzung zurück bis zum Start- und Endpunkt unserer heutigen Wanderung. Dann reicht die größere Untersetzung und später wieder Zweiradantrieb. Den Rest des Nachmittags verbringen wir in den Termas Geométricas, um uns von den Anstrengungen des Tages etwas zu erholen. Leider sind wir dieses Mal nicht annähernd allein. Es ist Wochenende und entsprechend voll.
Es folgen Besuche im Parque Nacional Huerquehue und in Pucón am Lago Villarica. Von anderen Reisenden erfahren wir, dass man laut argentinischem Gesetz ab Mai für die von uns vorgesehene Strecke Santiago – Mendoza Schneeketten braucht. Und zwar unabhängig davon, ob Schnee liegt oder nicht. Dies wird uns später von einheimischen Chilenen, die diese Strecke oft fahren, bestätigt. Die argentinische Polizei soll sich angeblich sehr für das Vorhandensein der Schneeketten interessieren. Die müssen nicht unbedingt passen, aber man muss welche vorzeigen können.
Also besorgen wir in Temuco Schneeketten und fahren anschließend weiter zum Parque Nacional Conguillo. Dies ist laut Reiseführer einer der schönsten und meistbesuchten Nationalparks in ganz Chile. Geschützt werden große Araukarienwälder rund um den 3125 m hohen Vulkan Llaima, einen der aktivsten Vulkane in Chile, der seit 1640 insgesamt 35 große Eruptionen zu verzeichnen hat. Der letzte große Ausbruch mit riesigen Lavaflüssen war 2009. Die Vulkane hier in Chile verhalten sich offenbar alle völlig anders. Der Calbuco wirft graubraune Aschewolken aus, der Villarica spuckt schwarze Lavasteine, und der Llaima läßt riesige Lavaströme an seinen Hängen herunterfließen. Wir kommen erst in der Dämmerung auf dem völlig leeren Campingplatz am Lago Conguillo an und richten uns für die Nacht ein.

Vor dem Vulkan Llaima im Parque Nacional Conguillo
Vor dem Vulkan Llaima im Parque Nacional Conguillo

Am nächsten Morgen vermeldet das Außen-Thermometer -3,5 Grad. Drinnen in der Kabine ist es noch ganze 9,9 Grad warm. So kalt war es mit Leoni bisher noch nie. Dichte Nebelschwaden liegen über dem Lago Conguillo direkt an unserem Stellplatz. Doch das Wetter entwickelt sich im Laufe des Tages ganz toll. Es ist schon am frühen Morgen völlig wolkenlos. Und sobald die Sonne hinter den Bergen der Sierra Nevada aufgeht, wird es zügig warm. Um 11 Uhr sind wir am Beginn des in allen Reiseführern wärmstens empfohlenen Sendero Sierra Nevada. Und diese Wanderung entwickelt sich zu einer der tollsten Touren, die wir je gemacht haben. Es geht stetig, aber relativ gemächlich bergauf. Irgendwann werden die zu Beginn dominierenden Südbuchen durch Araukarien abgelöst. Immer wieder haben wir tolle Ausblicke auf den Vulkan Llaima, und auch der Vulkan Villarica kommt in Sicht. Wir wandern lange auf einem Berggrat an mächtigen Araukarien entlang. Es ist einfach herrlich. Nach drei Stunden sind wir am Tagesziel, dem Mirador Sierra Nevada, angekommen, bleiben eine halbe Stunde und laufen dann in knapp zwei Stunden zum Auto zurück. Wir sind von der Wanderung ziemlich geschafft, aber rundum zufrieden.
Nach kurzen Aufenthalten in den Thermen von Manzanaro und einem sehr angenehmen Übernachtungsplatz beim Hotel/Restaurant Andenrose führt uns unser weiterer Weg nach Norden zur Reserva Nacional Altos de Lircay östlich von Talca. Das letzte Stück zum bzw. schon im Park ist die reinste Horrorpiste. 1. Gang Allrad, kleinste Untersetzung. Der Campingplatz ist voll mit kopfzahl- und lautstarken Jugendgruppen. Wir fliehen zurück auf den sehr ebenen Parkplatz am Eingang, wo es viel ruhiger ist und wir ungestört übernachten können.
Als wir nach einem weiteren Wandertag bei herrlichem Wetter morgens kurz vor 10 Uhr die Holperstrecke wieder heruntergefahren sind, stehen wir vor einem verschlossenen Tor. Und niemand ist da. Wir sind eingesperrt. Ich laufe hunderte Meter den Berg runter, finde schließlich ein offiziell aussehendes, aber leeres Gebäude, unterhalte mich lautstark per Funk mit irgendjemand, weiß dabei noch nicht einmal, wo das Funkgerät steht, und schließlich taucht eine Frau mit dem Schlüssel auf. Wir laufen den geschätzten halben Kilometer zurück zur Schranke, und Hildegard und ich können endlich weiterfahren.

Carmenère-Feld auf dem Weingut Montes
Carmenère-Feld auf dem Weingut Montes
Erntereife Carmenère-Trauben
Erntereife Carmenère-Trauben
Auditorium aus weingefüllten Eichenholz-Fässern
Auditorium aus weingefüllten Eichenholz-Fässern

Das Valle Colchagua zwischen San Fernando und Santa Cruz gute hundert Kilometer südlich von Santiago gilt als das beste Weinanbaugebiet Chiles. Nachdem wir sichergestellt haben, dass wir anschließend vor Ort in Leoni übernachten dürfen, genießen wir dort auf dem Weingut Montes eine professionelle Weinprobe. Für Besucher wurde auf diesem Weingut einiges auf die Beine gestellt. Empfangen werden wir in einem hochmodernen Gebäude, das gut in die riesigen Weinfelder eingepasst ist. Drinnen begeistert uns ein vergleichsweise großer Hörsaal, bei dem gefüllte Weinfässer aus Eichenholz das Publikum ersetzen. Eine echt gute Marketing-Idee. Die Weinprobe exklusiv für Hildegard und mich findet hinter einer Glasfassade mit Blick auf das Auditorium aus Weinfässern statt. Wir erfahren während der Weinprobe viel Neues. So wird in Chile der schlechte Wein auf guten Böden angebaut und umgekehrt. Der schlechte bekommt mehr Wasser als der gute, und der sehr gute bekommt gar keins. Wenn es während der Wachstumsperiode, vor allem gegen deren Ende, ausnahmsweise einmal regnen sollte, ist die gesamte Ernte in Gefahr oder sogar verloren.
Rund um das imposante Gebäude steht noch nicht abgeernteter Carmenère mit seinen tiefrot gefärbten Blättern. Der Carmenère ist in jeder Saison die letzte Weinsorte, die gelesen wird. In anderthalb Wochen, am 20. Mai, ist die diesjährige Lesesaison endgültig vorbei. Mitte des 19. Jahrhunderts ist der Carmenére in Europa durch eine Krankheit komplett ausgerottet worden, hat aber in Chile überlebt. Er wurde lange als Merlot auch nach Europa verkauft, bis man erkannte, dass es sich in Wirklichkeit um Carmenère handelte. Bei unserer Reise durch Chile hat sich diese Weinsorte zu unserem Lieblingsgetränk entwickelt, das wir immer versuchen, in ausreichender Menge an Bord zu haben. Nach der gelungenen Weinprobe übernachten wir mit Leoni direkt neben einem noch nicht abgeernteten Carmenère-Feld. Irgendwie ist das schon etwas Besonderes.
In Santiago haben wir einen genialen Stellplatz bei Verwandten einer ehemaligen Kollegin von Hildegard in einem mit Schranke gesicherten Wohnviertel im Nordosten der Stadt. Zwar können wir wegen der zu tief angeordneten Hochspannungsdrähte der Sicherungsanlage nicht in den Hof einfahren, aber der Platz unmittelbar vor dem Tor im Sichtfeld des „Schrankenwärters“ ist praktisch gleich gut. Benita und André sind sehr liebenswerte Gastgeber, mit denen wir vor allem abends lange interessante Gespräche führen und bei denen wir uns ausgesprochen wohl fühlen. Die Beiden überzeugen uns, bei ihnen im Haus einzuziehen, so dass wir Leoni für ein paar Tage untreu werden.

Kathedrale von Santiago de Chile
Kathedrale von Santiago de Chile

Per Bus und Metro fahren wir zu einer Besichtigungstour ins Stadtzentrum von Santiago. Meine Kamera lasse ich sicherheitshalber zurück. Das beigefügte Foto der Kathedrale entsteht mit dem Handy. Das Wetter ist toll, wir haben nachmittags 25 Grad bei Sonnenschein. Wir sehen uns rund um die Plaza de Armas ein bisschen um, ruhen uns nach einiger Zeit vor dem Regierungspalast, der Moneda, in der Sonne aus, essen sehr gut zu Mittag und besuchen dann das tolle präkolumbianische Museum. Dort erlebe ich eine große Überraschung: Ein mehr als tausend Jahre altes Ausstellungsstück hat vier Räder. Dabei war das Rad doch angeblich im präkolumbianischen Amerika unbekannt. Soweit zumindest mein bisheriger Kenntnisstand.
Die Rückfahrt mit Metro und Bus läuft entspannt und ereignislos. Glaube ich zumindest. Doch nachdem wir angekommen sind, stelle ich fest, dass mein Portemonnaie, das in der rechten Beintasche war, nicht mehr da ist. Zum Glück waren nur noch ca. 40.000 Pesos, etwa 60 Euros, drin. Rückblickend ist mir sofort sonnenklar, was passiert ist. Bei der Einfahrt in einen Metro-Bahnhof fiel einem jungen Mann, offenbar absichtlich, sein kleiner Rucksack von der Schulter direkt vor meine Füße. Ziemlich umständlich hat er den Rucksack wieder aufgehoben und an sich genommen, bei dieser Prozedur offenbar meine Beintasche geöffnet und das Portemonnaie geklaut. Ich habe noch gedacht: So ein Talpes (hochdeutsch: unbeholfener Kerl). Das war jedoch eine klassische Fehleinschätzung. Inzwischen denke ich: Geschickt gemacht. Wenn uns auf unserer Reise allerdings nichts Schlimmeres passiert, können wir zufrieden sein.
Unser nächstes Reiseziel ist die Isla de Pascua, die Osterinsel. Wir lassen Leoni bei Benita und André zurück und fliegen für eine Woche nach Rapa Nui, wie die Insel in der Sprache der polynesischen Bewohner heißt.

2 Comments

  1. Bernd said:

    „Bei der Einfahrt in einen Metro-Bahnhof fiel einem jungen Mann, offenbar absichtlich, sein kleiner Rucksack von der Schulter direkt vor meine Füße. Ziemlich umständlich hat er den Rucksack wieder aufgehoben und an sich genommen, bei dieser Prozedur offenbar meine Beintasche geöffnet und das Portemonnaie geklaut.“
    Geldbeutel? Beinaußentasche? Fahrt mit öffentl. Verkehrsmittel? Große Stadt?
    Franz, Franz, Franz… da packt man den Geldbeutel doch in die vordere Hosentasche!!
    trotzdem weiterhin gute Reise ohne kriminelle Handlungen.

    29. Mai 2015
    Reply
  2. Manfred Zerbe said:

    Hallo Herr Thoren, heute hat mit Jörg Dehmer den link geschickt,weil wir im Gespräch auf Eure Reise gekommen sind. Das sieht sehr spannend aus und ist das wahre Leben oder?!
    Von Bolivien ist es ja nur ein Katzensprung bis Argentinien. Da sollten Sie Tilcara nicht verpassen und die schöne Stadt Salta. Viel Spaß weiterhin. Liebe Grüße Manfred Zerbe

    7. August 2015
    Reply

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