Von Brisbane nach Townsville

09.06. – 29.06.2018

Am Ende meines „Heimaturlaubs“ bringt Hildegard mich zum Stuttgarter Flughafen, und meine Solo-Tour beginnt. Wegen massiver Gewitter fast überall in Deutschland ist meine Maschine allerdings zum geplanten Abflugtermin noch gar nicht da, so dass es erst mit einer knappen Stunde Verspätung los geht. Dadurch ist der Lufthansa-Anschlussflug von München nach Hongkong naturgemäß massiv gefährdet. Immerhin teile ich dieses Schicksal mit 15 anderen Hongkong-Passagieren, was sich als nicht unbeträchtlicher Vorteil herausstellt. Denn in München werden wir als Gruppe behandelt und quer durch den gesamten Flughafen gelost, die meiste Zeit im Laufschritt. Das Abfluggate ist natürlich ganz am anderen Ende. Aber wir schaffen es, das Gepäck erwartungsgemäß dagegen leider nicht. Dies teilt mir der Purser an Bord gleich zu Beginn mit, kurz nachdem wir abgehoben haben.

In Hongkong gehe ich zum Transit-Schalter, um mir die Bordkarte für den Weiterflug mit Qantas nach Brisbane ausstellen zu lassen. Dies war in Stuttgart leider nicht möglich. Ich muss meinen Gepäck-Abschnitt vorzeigen und berichte, dass das Gepäck nicht an Bord war. Hektisches Telefonieren beginnt, zeitweise muss ich selbst ans Telefon. Man erklärt mir im Laufe des Prozesses, dass ich aus irgendwelchen Gründen zig Hongkong-Dollar nachzahlen muss, die man vergessen hat, mir in Rechnung zu stellen. Nach einiger Zeit nimmt man dies ohne Angabe von Gründen wieder zurück. Nachdem das Thema Gepäck nach einer ganzen Weile abschließend behandelt ist, muss ich vor Ausstellen der Bordkarte noch mein australisches Visum vorweisen. Dieses habe ich natürlich, doch es wird vom System leider nicht akzeptiert. Die australischen Behörden haben hinter meiner Passnummer im Visum, aus welchen Gründen auch immer, eine „7“ eingetragen. Passnummer im Reisepass und im Visum stimmen folglich aus Sicht des Hongkonger Systems nicht überein. Jetzt muss in Australien angerufen werden. Dass wir gerade Sonntagabend haben, erleichtert die Sache wohl nicht gerade. Der Rückruf aus Australien lässt auf sich warten. Endlich kommt die Bestätigung, dass alles ok ist. Und nach einer Stunde und 15 Minuten habe ich meine Bordkarte in der Hand. Normalerweise dauert so etwas ca. zwei Minuten.

Die Warterei fand nebenbei bemerkt natürlich keineswegs in entspannter Atmosphäre statt. Auch andere Reisende wollten am Transit-Schalter bedient werden und bildeten zeitweise regelrechte Pulks um mich herum. „These are the joys of travelling“, wie unser australischer Freund Brian später dazu meinte. Immerhin ist die Umsteigezeit in Hongkong so großzügig bemessen, dass mein Weiterflug jetzt, mit der Bordkarte in der Hand, nicht mehr gefährdet ist.

Karte Brisbane nach Townsville. Aus dem Iwanowski-Reiseführer Australien

In Brisbane ist die „7“ im Visum überhaupt kein Thema. Der Empfang durch alle Offiziellen im Flughafen fällt äußerst freundlich, ja geradezu herzlich aus. Man fühlt sich bei der Ankunft wirklich ausgesprochen willkommen. Welch ein Gegensatz zu Einreisen in die USA, bei denen man regelmäßig wie ein potenzieller Verbrecher behandelt wird. Der Mann vom Baggage Service meint, das Gepäck würde noch am gleichen Abend mit einer Maschine der Singapore Airlines nachkommen. Peter und Kerry holen mich wie versprochen ab, und eine halbe Stunde später gibt es ein Wiedersehen mit der unversehrten Leoni.

Am nächsten Morgen wird wie angekündigt mein Gepäck angeliefert. Allerdings hat der Zoll das Metallschloss zerstört und den Inhalt meines Seesacks durchsucht. Dies wurde Peter am Vorabend bereits telefonisch mitgeteilt. Nun ja. Es folgt ein gemeinsamer Lunch mit unseren Brisbaner Freunden Brian, Peter und Kerry. Und einen Tag später, nach einer herzlichen Verabschiedung von den Dreien, geht es dann ernsthaft los mit der weiteren Erkundung Australiens.

Lunch mit Brian, Peter und Kerry
Brisbane in der Abenddämmerung

Als erstes fahre ich einen nahe gelegenen Supermarkt an, um Proviant aufzunehmen. An einem ATM hole ich frisches Geld, kaufe bei der Post Telstra-Datenpakete fürs Internet und lasse bei BCF die Gasflaschen auffüllen. Alles klappt wie am Schnürchen. Bestens gerüstet und gut gelaunt fahre ich nach Westen aus Brisbane hinaus. Bald finde ich mich ungewollt auf einer Mautstrecke (Toll Road) wieder. Innerhalb von drei Tagen muss man laut Anzeigetafel bezahlen. Die sich dabei stellende Frage lautet allerdings: Wo und wie?

Für die erste Übernachtung habe ich einen freien Campground in der Nähe von Chinchilla ausgesucht. Und stelle beim ersten Versuch, die in Leoni eingebaute Toilette zu benutzen, fest, dass sich der Schieber nicht vorschriftsmäßig bewegen lässt. Auch der Versuch, die gesamte Kassette zu entnehmen, scheitert. Der Mechanismus blockiert. Auf Tasmanien hatten wir dieses Problem schon einmal. Damals war es uns nach langem Herumfummeln gelungen, die Blockade zu überwinden, die Kassette herauszunehmen, neu einzusetzen und die Toilette wieder in Betrieb zu nehmen. Hildegard hatte damals von innen und ich von außen agiert. Dieses Mal bin ich allein. Ständig wechsele ich von drinnen nach draußen. Ein Problem besteht darin, dass meine Hand zu groß ist, um durch die Toilettenöffnung an den Verschließmechanismus zu gelangen. Als ich endlich mit zwei Fingern einen Teil des Mechanismus´ zu fassen bekomme und zu mir heranziehe, macht es laut und vernehmlich „Krack“. Die Kassette lässt sich jetzt herausnehmen, ist aber leider irreparabel beschädigt.

Jetzt geht es also darum, möglichst schnell Ersatz zu bekommen. Die nächste am Weg gelegene und Erfolg versprechende Stadt ist Roma. Nein, das ist kein Schreibfehler, ich bin nicht auf Abwegen und habe mich auch nicht verfahren. Es geht nicht um die Ewige Stadt in Bella Italia, sondern um Roma in Queensland. Hier ist jedoch keine neue Kassette zu bekommen. Man vertröstet mich auf Emerald ein paar hundert Kilometer weiter nördlich. Dort gäbe es einen BCF und sicher auch Thetford-Kassetten. Da ich vorher noch ausgiebig den Carnarvon National Park besuchen will, bedeutet das wohl für längere Zeit eine deutliche Komfort-Einbuße.

Auf dem weiteren Weg sehe ich gleich zweimal ein ungewöhnliches Warnschild am Straßenrand: Droving Area. Kurz dahinter dann Rinder links und rechts der Fahrbahn, gerne auch mitten auf der Straße. Und zwar nicht ein paar einzelne Exemplare, sondern gleich hunderte, beim zweiten Mal schätze ich sogar mehr als tausend Tiere. Auf diese Weise werden die ziemlich dicht mit Gras bestandenen Seitenstreifen diesseits der Zäune genutzt, die links und rechts die Straße begleiten. Jenseits der Zäune, auf den regulären Weiden also, steht in krassem Gegensatz dazu oft kaum noch ein Grashalm. Da die entlang der Straße getriebenen Rinder außer Gras auch Trinkwasser benötigen, werden entsprechende Tankwagen mitgeführt und passend am Straßenrand platziert. Die Rinder wissen das, kommen und löschen ihren Durst.

Droving Area. Rinder auf und neben der Fahrbahn
Wassertankwagen am Straßenrand zur Versorgung der Rinder
Eingang zum Carnarvon National Park

Der Carnarvon National Park schützt einen Teil des Consuelo Tablelands, das von einer ganzen Reihe spektakulärer Schluchten durchzogen ist. Die bekannteste und am leichtesten zugängliche ist die Carnarvon Gorge. Diese 30 km lange, bis zu 200 m hohe Schlucht wurde im Laufe von Jahrmillionen vom Carnarvon Creek geschaffen. Das Ergebnis ist eine grüne, feuchte Oase in einem ansonsten weitgehend trockenen Umfeld. Man findet hier eine üppige Vegetation und eine reiche Tierwelt. Den Aborigines ist die Existenz der Schlucht natürlich nicht verborgen geblieben, sie haben vielmehr deren Ressourcen seit Jahrtausenden regelmäßig genutzt und an geschützten Überhängen ihre Felsbildkunst hinterlassen.

Es gibt zwei verfügbare Campgrounds direkt am Parkeingang, den bei der Takarakka Lodge und den Sandstone Campground. Beiden statte ich einen Besuch ab. Der luxuriösere erstgenannte liegt in einer Flussbiegung versteckt unter Bäumen, der zweite hoch oben auf einem kahlen Hügel mit genialer Aussicht. Der Campground des National Parks ist nur in der Hochsaison und während der Schulferien geöffnet, jetzt aber leider geschlossen.

Die ersten Tage verbringe ich in Takarakka und beobachte dort regelmäßig am späten Nachmittag die Schnabeltiere, die sich im Carnarvon Creek tummeln. Diese kommen mir deutlich kleiner vor als diejenigen, die wir auf Tasmanien gesehen haben.

Es gibt verschiedene gut ausgebaute Wanderwege im Park. Fast alle verlaufen auf dem Grund der Schlucht und steuern die verschiedenen Seitentäler und ihre Besonderheiten an. Eine Ausnahme ist der Boolimba Bluff Walk, der als einziger im Einzugsbereich des Parkeingangs den Talboden verlässt und steil zum Rand der Schlucht hoch führt. Das Ganze ist ziemlich anstrengend, ermöglicht dann aber einen fantastischen Überblick über eine grandiose Landschaft.

Blick vom Boolimba Bluff Lookout

Auf dem Main Track in die Schlucht hinein muss der Carnarvon Creek x-mal überquert werden. Mit Hilfe von Trittsteinen stellt dies jedoch, niedrigen Wasserstand vorausgesetzt, keinerlei Problem dar. Der Umkehrpunkt meiner längsten Wanderung ist die Art Gallery, wo die Aborigines eine Wand voller Felsmalereien geschaffen haben, die mehrere tausend Jahre alt sein sollen.

Von Kängurus bewachter Flussübergang
Unbewachter Flussübergang
In der Carnarvon Gorge
Art Gallery
Felsbildkunst

Von der Szenerie her sind die vielen kleinen Seitenschluchten besonders attraktiv. Extrem gut gefallen haben mir die Warrumbah Creek Gorge, die gegen Ende immer enger wird, so dass man irgendwann im Fluss stehend beide Seitenwände gleichzeitig mit ausgestreckten Armen berühren kann. Man muss nur aufpassen, dabei keine nassen Füße zu bekommen. Und dann das Amphitheater. Eine geradezu unglaubliche Formation, eine riesige Aussparung im Fels, nur durch einen schmalen Schlitz über eine Stahltreppe zu erreichen. Innen ist es kühl und feucht. Es herrscht eine Atmosphäre wie in einer Kathedrale. Die Besucher verhalten sich interessanterweise auch so. Gesprochen wird nur im Flüsterton. Beeindruckend.

Einstieg ins Amphitheater
Blick vom Einstieg ins Amphitheater zurück
Am Ausgang der Warrumbah Creek Gorge
In der Nähe vom Moss Garden

Zum Abschluss des Besuches im Carnarvon-Gebiet leiste ich mir für 165 Australische Dollar einen zwanzigminütigen Hubschrauberflug, der dann allerdings nur 16 Minuten dauert. Das wäre noch zu verkraften gewesen, aber leider fliegt der Pilot nach meinem Empfinden auch noch immer so, dass auf meiner Seite entweder die grelle Sonne oder aber vergleichsweise uninteressante Landschaft zu sehen ist. Von der zerklüfteten und äußerst beeindruckenden Schluchtenlandschaft unter uns bekomme ich so kaum ein gescheites Foto zustande. Die perfekte Perspektive dagegen hat durchweg mein beneidenswerter linker Nebensitzer. Bei der Landung bin ich daher etwas enttäuscht. Ich hatte mehr erwartet.

Hubschrauber kurz nach dem Start
Im Hubschrauber unterwegs
Schluchtenlandschaft in den Consuelo Tablelands
Trappe (engl. Bustard, umgangssprachlich Plains Turkey, also Truthahn der Ebenen)

Bei der Abreise in Richtung Emerald entdecke ich gleich zu Beginn der Fahrt am Straßenrand immer wieder Trappen und zum ersten Mal seit langer Zeit endlich auch wieder einmal Emus. Es ist gleich eine ganze Herde, mindestens 10 Köpfe stark.

BCF in Emerald hat die benötigte Thetford-Kassette bedauerlicherweise nicht vorrätig. Sie wird telefonisch zur Auslieferung in Mackay bestellt. Leider soll das Ganze 7 bis 10 Arbeitstage dauern. Damit fühle ich mich etwas ausgebremst. Im Visitor Centre lasse ich mich beraten, wie ich die Wartezeit am besten überbrücken kann und fahre in der Folge erst einmal in das Sapphire Gemfield etwa 50 km westlich. Auf dem sehr angenehmen Campground in Anakie richte ich mich häuslich ein. Schon kurz nach meiner Ankunft findet die tägliche Fütterung von beträchtlich großen Vogelschwärmen der verschiedensten Arten durch den Campground-Chef statt. Vor allem die Rainbow Lorikeets zeigen dabei keinerlei Scheu. Sie wissen aus Erfahrung, dass sie unbeschadet auf ihm herumklettern dürfen.

Der Campground-Besitzer von Anakie beim Füttern von Rainbow Lorikeets
Handzahmer Rainbow Lorikeet
Ganzer Schwarm Rainbow Lorikeets beim Fressen

Erwartungsgemäß dreht sich in den Sapphire Gemfields alles um Saphire. Dieser nach Diamant zweithärteste Edelstein kommt entgegen landläufigem Glauben nicht nur in der typischen blauen Farbe vor, sondern in allen möglichen Farbschattierungen. Je nach Beimengungen von Titan, Eisen, Chrom, Kobalt, etc. können Saphire auch gelb, grün, rot, violett oder sogar schwarz leuchten. Die rot gefärbten werden allerdings interessanterweise nicht Saphir, sondern Rubin genannt. Chemisch gesehen handelt es sich bei allen Saphiren und Rubinen um das Gleiche, nämlich um Aluminiumoxid Al2O3.

Entstanden sind die Saphire unter extrem hohem Druck tief unten in der Erde. Bei Vulkanausbrüchen wurden sie dann an die Erdoberfläche befördert und sammelten sich durch Erosionsprozesse in bestimmten Bodenschichten an. Ich besuche die Miners Heritage Walk-In Mine in Rubyvale und werde durch hunderte Meter lange unterirdische Tunnel geführt. An manchen Stellen hat man zur Demonstration wertvolle Saphire im Gestein belassen, diese aber sicherheitshalber mit Gittern dem Zugriff der Besucher entzogen.

Schilderwald in Rubyvale
Die Miners Heritage Walk-In Mine in Rubyvale
Saphir im Fels der Miners Heritage Walk-In Mine

Eine beliebte Beschäftigung der in Scharen angereisten Touristen ist das sogenannte Fossicking. Darunter versteht man in der Regel die Suche nach Gold, Edelsteinen oder Fossilien als Freizeitbeschäftigung. In Queensland sind dazu zwei Vorgehensweisen möglich. Entweder man besorgt sich für wenig Geld eine Lizenz und darf dann in ausgewiesenen Arealen ohne Maschineneinsatz graben oder man kauft bei einer Mine für 10 bis 20 Dollar einen Eimer mit „payload“, den man dann vor Ort oder zu Hause auswäscht, um darin enthaltene Saphire zu extrahieren. Die zweite Variante ist die mit Abstand gängigere.

Wie ich selbst beobachten kann, sind in jedem Eimer reichliche Mengen Saphire vorhanden. Diese haben in der Regel allerdings recht bescheidene Dimensionen. Doch ab und zu ist auch einmal ein großes und kostbares Stück dabei. Solche Funde werden dann natürlich, zum Beispiel über Infotafeln, entsprechend vermarktet, um neue Interessenten anzulocken.

Touristenscharen beim Fossicking in Rubyvale
Mit der Pinzette werden die interessant erscheinenden Steine herausgepickt.
Auf dem Weg zum Blackdown Tablelands National Park muss ich wieder einmal wegen eines entgegen kommenden Schwertransports von der Straße herunter.

Im Blackdown Tableland National Park benutze ich erstmals in Queensland einen National Park Campground. Ich bin bezüglich der Buchung von National Park Campgrounds in Australien ja schon einiges gewohnt. Aber Queensland schießt hier bisher eindeutig den Vogel ab. Mein Buchungsversuch per Internet scheitert erst einmal mit der Begründung „email address invalid“. Auf meine schriftliche Beschwerde an die Hotline, dass meine deutsche Email-Adresse ja wohl nicht ungültig sein kann, kommt postwendend die Antwort, dass ich zuerst einen Account mit Name, Dienstgrad, Einheit im System anlegen muss. Erst dann wird die Email-Adresse als valide gewertet und akzeptiert. Nur: Woher weiß ich das? Aus der Beschreibung auf der Website geht das für mich nicht hervor. Freundlicherweise hat man den benötigten Account jetzt allerdings bereits für mich angelegt. Ich muss ihn nur noch vervollständigen, mit Geburtstag, Wohnort, etc.

Jeder Australier, mit dem ich darüber spreche, empfindet genau wie ich die ausschließliche Buchung übers Internet als Zumutung, allein schon deshalb, weil viele Gegenden in Australien internetfreie Gebiete sind. Aber dann könnte man doch wenigstens die Website so programmieren, dass man versteht, wie man vorzugehen hat.

Immerhin sind die Übernachtungen auf den National Park Campgrounds in Queensland konkurrenzlos günstig. Ich zahle ganze 6,35 Australische Dollar pro Nacht, also etwa vier Euro. Der Blackdown Tableland National Park erweist sich dann aber für mich als nicht besonders attraktiv, und so fahre ich schon nach einer Übernachtung weiter. Eine Verlängerung vor Ort wäre mangels Netz auch gar nicht möglich gewesen (s.o.).

Am Eingang zum Blackdown Tableland National Park
Das Sandsteinplateau des Blackdown Tablelands erhebt sich 600 m über der Ebene.
Kookaburra an meinem Übernachtungsplatz auf dem Munall Campground
Das Nebo Hotel

Mein nächstes Ziel ist der Eungella National Park ca. 80 km westlich von Mackay. Da mir die Fahrstrecke für einen Tag zu lang ist, übernachte ich in dem kleinen Städtchen Nebo. Das Gebiet des heutigen Nebo wurde 1845 von Ludwig Leichhardt auf seiner zweiten Expedition erkundet. 1848, also nur drei Jahre später, verschwand der in Australien sehr bekannte preußische Forscher dann mit seiner gesamten Mannschaft auf seiner dritten Expedition. Bereits 1862 wurde dann, wenn auch noch unter anderem Namen, das heutige Nebo Hotel gegründet. Hier genehmige ich mir am Abend einen Schlaftrunk frisch vom Fass. Genauer gesagt sind es zwei.

Eingang zum Eungella National Park

Der Eungella National Park stellt einen ca. 600 qkm großen Teil des noch vorhandenen tropischen Bergregenwalds von Queensland unter Schutz. Allein 860 verschiedene Pflanzen- und 225 Vogelarten kommen laut Wikipedia im Park vor. Und angeblich können nirgendwo in Australien Schnabeltiere so gut beobachtet werden wie gerade hier am Broken River.

In der Sprache des lokalen Aborigine-Volkes bedeutet Eungella so viel wie Land in den Wolken. Und dementsprechend werde ich empfangen. Es herrscht eine Mischung von Nebel und leichtem Nieselregen. Der von mir ordnungsgemäß per Internet gebuchte relativ kleine Campground liegt unmittelbar am Ufer des Broken River. Mein allererster Gang gleich nach der Ankunft führt mich ans Ufer, und schon auf den ersten Blick entdecke ich ein Schnabeltier, das den Fluss nach Futter absucht. Dabei ist es bis zur Dämmerung, der eigentlich besten Beobachtungszeit, noch einige Stunden hin. Auch an den nächsten Tagen sehe ich mehrfach tagsüber Schnabeltiere. Rein dämmerungs- und nachtaktiv sind diese seltsamen Wesen hier definitiv nicht. Was ihre Beobachtung und auch das Fotografieren natürlich wesentlich erleichtert.

Broken River
Am Broken River
Im Regenwald des Eungella National Parks (1)
Im Regenwald des Eungella National Parks (2)
Gelbbauchschnäpper, Eastern Yellow Robin
Brush Turkey, australische Truthahnart
Kingfisher

Unmittelbar am Campground beginnen verschiedene Wanderwege durch den Urwald. Ich entscheide mich für den Weg flussaufwärts am Broken River entlang. Insgesamt bin ich über vier Stunden unterwegs, begegne aber auf der ganzen Strecke nur genau einem einzigen Menschen, der mich gleich zu Beginn überholt. Berichtenswertes Wildlife sehe ich gar keins. Dieses lässt sich naturgemäß viel besser in der weniger dicht bewachsenen Umgebung des Campgrounds beobachten. Wobei meine Bemerkung über fehlendes Wildlife übrigens nicht heißt, dass ich auf der Wanderung keinerlei Kontakt mit Wildlife hatte. Ich hatte welchen, sogar sehr intensiven, wenn auch unbemerkt.

Denn als ich mir, zurück bei Leoni angekommen, die Wanderschuhe ausziehe, stelle ich überrascht fest, dass die Socken an beiden Füßen sowie das linke Hosenbein völlig von Blut durchnässt sind. Blut läuft weiter aus verschiedenen Wunden ungebremst Schienbeine und Waden hinunter. Des Rätsels Lösung: Blutegel haben mich erwischt. Gesehen habe ich diese blutrünstigen Biester nicht, gespürt ebenfalls nicht. Sie müssen über Schuhe und Strümpfe unter den Hosenbeinen zu ihren Jagdgründen, sprich meinen nackten Beinen, hochgekrochen sein und haben sich dann, als sie satt waren, einfach fallen lassen und sind unbemerkt irgendwo im Wald auf dem Boden gelandet.

Das Ergebnis des Blutegel-Angriffes

Einen Angriff von Blutegeln habe ich vorher noch nie erlebt. Das ist wirklich mal wieder etwas Neues. Allein das Abwaschen des Blutes und das Aufbringen von diversen Pflastern ist ein echter Akt. Weil der Blutfluss einfach nicht aufhört. Und weil es schwierig ist, ein halbes Dutzend blutende Wunden gleichzeitig zu behandeln. Die Blutgerinnung haben die Blutegel durch Absondern eines Stoffes mit gerinnungshemmender Wirkung erfolgreich verhindert. Das ermöglichte ihnen, leichter an ihre Beute, nämlich mein Blut, heranzukommen. Irgendwann tun die Pflaster ihre Wirkung, und die Blutungen hören auf.

Viel mehr Spaß als die Beschäftigung mit Blutegeln macht die mit den Schnabeltieren. Es gibt zwei Beobachtungsplattformen ganz in der Nähe des Campgrounds, und mit ein bisschen Glück kann man von dort aus Schnabeltiere beobachten, durchaus auch über längere Zeit. Einmal sehe ich einem Schnabeltier eine geschlagene halbe Stunde beim Jagen zu. Abtauchen, im Schlamm wühlen, auftauchen, an der Oberfläche schwimmend die gefangene Beute mit den Kiefern zermalmen, erneut abtauchen. In ständigem Wechsel. Schnabeltiere verbringen 10 bis 12 Stunden täglich mit der Nahrungsaufnahme, vorzugsweise in der Nacht, aber wie erwähnt eben nicht nur.

Schnabeltier im Broken River
Dieses Schnabeltier wird von einem Kormoran aufmerksam beäugt.
Dasselbe Schnabeltier, diesmal ohne Kormoran
In der Finch Hatton Gorge (1)
In der Finch Hatton Gorge (2)

Als ich beim Herausfahren aus dem Eungella National Park wieder einmal in ein Gebiet mit Internetempfang komme, finde ich ein Mail mit der Nachricht vor, dass meine Toiletten-Kassette abholbereit bei BCF in Mackay auf mich wartet. Natürlich fahre ich sogleich hin. Die Kassette ist tatsächlich da, sie passt, und schneller als erwartet habe ich ein Problem weniger.

Das Gebiet rund um Mackay gilt als das Zentrum des australischen Zuckerrohranbaus. Von hier stammt ein Drittel der australischen Zuckerproduktion. Mackay nennt sich denn auch stolz „The Sugar Capital of Australia“. Riesige Flächen in der Küstenebene bis weit hoch in den Norden Queenslands kennen nur ein einziges Anbauprodukt: Zuckerrohr. Wenige Kilometer nördlich von Mackay liegt das Bulk Sugar Terminal, die größte Zuckerverladestation der Welt.

Im Zuckerrohranbaugebiet
Zuckerrohr
Zuckerrohrzug wird beladen (1)
Zuckerrohrzug wird beladen (2)

In Haliday Bay, ganz in der Nähe des Cape Hillsborough National Parks, finde ich einen wunderschönen Übernachtungsplatz auf dem Gelände eines Golfplatzes direkt am Sandstrand. Dort ist ein Gebiet mit sehr stabilen und engmaschigen Netzen für Badende abgesichert. Damit sollen die im Sommer auftretenden gefährlichen Würfelquallen, umgangssprachlich box jellyfish, sowie sicher ebenso auch Haie und Krokodile fern gehalten werden. Salzwasserkrokodile halten sich im tropischen Australien zwar meistens in Flüssen und vor allem Flussmündungen auf, aber wie der Name schon vermuten lässt, findet man sie auch im Brackwasser und sogar im offenen Meer. Es sind schon Krokodile 20 km entfernt vom Festland festgestellt worden. Beim Baden im Meer ist also Vorsicht angesagt.

Übernachtungsplatz auf dem Gelände des Golfclubs von Haliday Bay
Gefiederte Besucher unmittelbar neben Leoni
Geschützter Badebereich in Haliday Bay

Das Cape Hillsborough wurde 1770 von James Cook, der zu dieser Zeit noch nicht Captain, sondern erst Lieutenant war, entdeckt und nach dem Earl of Hillsborough benannt. Der kleine Nationalpark gleichen Namens umfasst einen felsigen Küstenabschnitt mit einer Erhebung von überschaubaren 267 m sowie einige Mangrovenbestände. Beide Bereiche sind durch Wanderwege gut erschlossen. Zur Touristenattraktion haben sich hier Kängurus und Wallabies entwickelt, die regelmäßig auf dem langen Sandstrand anzutreffen sind und sogar zum Baden ins Meer gehen. Bei meinem Besuch ist das Wetter regnerisch, ich sehe nur ganze zwei Wallabies, die sich am Ende des Strandes verschämt unter Wurzelwerk verstecken, doch deren angeblich zahlreiche Artgenossen haben sich offenbar allesamt in den Busch verzogen.

Eingang zum Cape Hillsborough National Park
Blick vom Twin Beach Lookout
Boardwalk im Mangrovengürtel
Wallaby am Strand

Das Wetter bleibt unverändert schlecht, und in strömendem Regen fahre ich weiter nach Airlie Beach. Dieser Touristenort liegt idyllisch auf einer nach Norden ins Meer hinausragenden Halbinsel und dient als Hauptzugang zu den Whitsunday Islands. Auch deren Name geht auf James Cook zurück, der Pfingstsonntag 1770 hier vorbeikam. Airlie Beach ist eigentlich nichts anderes als eine große Ansammlung von Kneipen, Restaurants, Backpacker Hostels und Reiseagenturen. Aber es hat eben auch einen Hafen, von dem aus die traumhaft schöne Welt der Whitsunday Islands erkundet werden kann.

Gleich für den folgenden Tag buche ich zum Sonderpreis von 159 AUD einen Segeltörn auf dem Zweimaster Providence V. Um 5.45 Uhr schellt der Handy-Wecker, und schon um 7.30 Uhr haben wir den Hafen verlassen und sind unterwegs. An Bord befinden sich 13 Passagiere und zwei Mann Besatzung. Der Himmel ist bedeckt, und ringsum bedrohen uns dunkle Wolkenfelder. Die Sonne kommt nur ganz selten heraus, doch in Summe können wir uns nicht beklagen. Wir haben Glück. Bis auf ein paar vereinzelte Regentropfen bleibt es den ganzen Tag über trocken. Es bläst ein kräftiger Wind, die Segel sind prall gefüllt, und unser Schiff neigt sich zeitweise kräftig zur Seite.

Nach zweieinhalb Stunden kommen wir am Tongue Point auf Whitsunday Island an und werden mit einem Schlauchboot an Land gebracht. Es geht hoch zu einem Aussichtspunkt, der einen herrlichen Blick freigibt auf den berühmten 7 km langen Whithaven Beach. Es ist angeblich eines der am häufigsten fotografierten australischen Motive. Aber davon gibt es bekanntlich viele. Man denke nur an das Sydney Opera House, die Zwölf Apostel oder den Ayers Rock.

Mit diesem Schiff mache ich einen Tagesausflug zu den Whitsunday Islands.
Segeln hart am Wind
Blick auf den berühmten 7 km langen Whithaven Beach (1)
Blick auf den berühmten 7 km langen Whithaven Beach (2)

Nach einem kräftigenden Lunch an Bord geht es weiter zum Schnorcheln zu einer kleinen Insel in der Nähe. Anfang letzten Jahres hat ein Zyklon mit bis zu 15 m hohen Wellen zwischen den Inseln gewütet und auch das jetzt von uns besuchte Riff schwer beschädigt. Dieses hat sich nach Aussage des Kapitäns danach aber erstaunlich schnell regeneriert. Zwar gibt es sicher attraktivere Bereiche im Great Barrier Reef, aber als Einstieg in dessen tropische Unterwasserwelt erfüllt es für mich durchaus seinen Zweck. Fische und Korallen kommen jedenfalls in ausreichender Vielfalt vor. Das Wasser ist jetzt im Winter mit 24 Grad für tropische Verhältnisse ziemlich frisch, und nach einer halben Stunde Schnorcheln geht es zum Aufwärmen wieder an Bord und anschließend gegen den Wind zurück zum Hafen von Airlie Beach.

Im Riff
Mördermuschel

Am nächsten Morgen zeigt der Ladezustand der Akkus in der Kabine nur noch 191 Ah an. Das ist der bisher niedrigste Wert der gesamten Australien-Reise. Es müsste mal wieder die Sonne scheinen. Die Lichtmaschine könnte bei einem längeren Fahrtag auch ihren Beitrag leisten. Bis zum Höchststand von 333 Ah ist es inzwischen bereits ein weiter Weg. Und so fahre ich weiter Richtung Norden und hoffe auf Sonne. Die kommt auch für einige Stunden, doch anschließend ist leider wieder Regen angesagt. Immerhin steigt die Anzeige bis zum Abend auf 242 Ah.

Auf der A1 südlich von Townsville (1)
Auf der A1 südlich von Townsville (2)

In Townsville tanke ich Leoni voll, besorge mir ein warmes Mittagessen und springe kurz bei Coles rein. Denn diese Supermarktkette hat meistens holländisches Pumpernickel der Firma van der Meulen im Angebot. Dies ist zwar nicht zu vergleichen mit dem von mir so geliebten rheinischen Schwarzbrot, aber hier in Australien erste Wahl. Die letzten beiden Coles-Supermärkte, die ich extra wegen Pumpernickel angefahren hatte, waren allerdings komplette Fehlschläge. Beim ersten wurde mir gleich ehrlicherweise eingestanden: „Pumpernickel? I must confess that I do not know what it is.“ Pumpernickel also unbekannt. Im zweiten brachte auch ein Gang ins Lager keinen Erfolg. Leider im Moment nicht verfügbar. Und jetzt in Townsville finde ich ein ganzes Regal voll mit diesem Spezial-Brot. Ich kaufe ein halbes Dutzend Pakete und bin erst einmal wieder versorgt.

Das Stadtzentrum von Townsville lasse ich rechts liegen und fahre weiter zur Cassowary Coast. Dort hoffe ich Kasuare (englisch cassowary) beobachten zu können. In Neuguinea hatten wir vor 9 Jahren bei unserer Reise auf dem Sepik River genau einen dieser imposanten Vögel gesehen. Jetzt hoffe ich auf mehr.

3 Comments

  1. Bernd said:

    Hallo Leoni-Driver,
    schön, dass du wieder auf Achse bist und trotz aller Widrigkeiten jetzt alles auf grün steht. In Queensland haben wir es bei den NP-Campingplätzen so gemacht, wie die Aussies. Einfach nichts. Bei Kontrollen sagt man, dass das online-System nicht funktioniert hat. Die Ranger haben dann keine andere Wahl, als diesen Shit als modernen Mist zu bestätigen.
    Wegen dem Pumpernickel: Bei Aldi-Australien gibt es den auch. Leider nicht in Nord-Queensland.
    Gruß

    2. Juli 2018
    Reply
  2. ELke Kunz said:

    Hallo Franz,
    wir haben auch diesmal Deinen Bericht mit Interesse gelesen, ich wäre gern beim Saphiresuchen dabei und am Whithaven gewesen. Ja, und natürlich die lustigen Vögel angucken. Dieter hat REHA in Neuss begonnen und bekommt Logo. Ergo und Physiobehandlung. Ist geschafft, wenn es gegen 18Uhr zurück ist. Aber wir sind guter Dinge, daß es was bringt und wir im August Rußland bereisen können.
    Gute Reise die Reisemäuse Kunz

    3. Juli 2018
    Reply
  3. Uwe Schmitz said:

    hallo franz,
    schön dass es bei dir weitergeht mit dem reisen.
    wir haben zzt. reisepause, erst im november gehts wieder zur afrika-ente nach namibia.
    bis dahin müssen wir uns mit div. fernreisetreffen-austausch und reiseberichten anderer leute zufrieden geben, zu dem du auch einen nicht unbedeutenden teil beisteuerst.
    weiterhin alles gute unterwegs…
    und bald auch wieder mit hildegard?
    liebe grüße
    uwe und geli

    4. Juli 2018
    Reply

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