Von Salt Lake City zur kanadischen Grenze

In Salt Lake City fahren wir den sehr geschickt in Zentrumsnähe gelegenen Campingplatz des KOA an (KOA = Kampgrounds of America). Wegen eines in der Stadt abgehaltenen Konvents mit 20.000 Besuchern ist der riesige Platz zu unserer völligen Überraschung jedoch komplett belegt. Quasi auf dem Gnadenwege bekommen wir doch noch einen Not-Stellplatz, für den wir aber immerhin 35 $ auf den Tisch legen müssen. Der reguläre Platz mit Full-hook-up für die folgende Nacht schlägt dann sogar mit 50 $ zu Buche. Es ist der teuerste Übernachtungsplatz der gesamten Reise. Erwähnenswert ist die von Hildegard mit Begeisterung angenommene Wäscherei innerhalb der Anlage mit mindestens zehn riesigen gewerblichen Waschmaschinen und ähnlich vielen gewerblichen Trocknern sowie 20 weiteren normalen Waschmaschinen und Trocknern. In kürzester Zeit ist unser gesamter Wäschevorrat wieder tiptop in Ordnung.

Auf dem KOA von Salt Lake City
Auf dem KOA von Salt Lake City

Der Hauptgrund für das Anfahren von Salt Lake City ist die Reparatur unseres Webasto-Heizsystems, das wir vor über einem Jahr in den Anden unzulässigerweise in etwa 2.500 m Höhe eingesetzt hatten und das seitdem nicht mehr, zumindest nicht mehr zuverlässig, funktioniert. Der Vorschlag von Webasto Deutschland, das mit Diesel betriebene System zwei Stunden lang auszubrennen, hatte nicht funktioniert, da die Flamme regelmäßig bereits nach wenigen Minuten erlosch, die kolumbianische Webasto-Niederlassung kannte sich mit dem Heizsystem überhaupt nicht aus, und die US-amerikanische Webasto-Niederlassung hatte letztendlich Smith Power Products in Salt Lake City als kompetenten Ansprechpartner empfohlen. Der Monteur dort macht sich frühmorgens ans Werk, hängt unsere Anlage an das Diagnosesystem und findet zusätzlich zum wie erwartet verrußten Brennraum eine Reihe stark verschmorter Kabel. Nach dem Ersetzen dieser Kabel und dem Ausbrennen funktioniert alles wieder perfekt, was ich am nächsten Morgen mit einer heißen Dusche auch im Alltagseinsatz überprüfen kann. Damit haben wir eine verloren gegangene Option zur Heißwasserbereitung und zum Aufheizen der Kabine zurückgewonnen. Die Kosten für die Reparatur sind mit überschaubaren 125 $ ausgesprochen fair.

Salt Lake City ist wie keine andere Stadt in den USA von einer einzigen religiösen Gruppe dominiert. Sie ist so etwas wie der Vatikan der Mormonen. Die Mitglieder dieser  christlichen Glaubensrichtung waren im Osten der USA unter Druck geraten und unter der Führung von Brigham Young 1847 in einem viermonatigen Ochsenkarren-Treck bis Utah gezogen, wo sie sich im Gebiet des heutigen Salt Lake City niederließen. Unter gewaltigen Anstrengungen schafften sie es, das Land, das anderen Siedlern nicht attraktiv genug erschienen war, fruchtbar zu machen. Hilfreich war dabei die Auffassung, dass durch Fleiß erreichter Wohlstand eine göttliche Belohnung darstellt. Auch heute noch sind mehr als ein Drittel der Bewohner von Salt Lake City Mormonen, und die Kirche der Heiligen der Letzten Tage bestimmt weitgehend das Geschehen.

Der Mormonen-Tempel in Salt Lake City
Der Mormonen-Tempel in Salt Lake City
Tempel mit Engel Moroni auf der Spitze
Tempel mit Engel Moroni auf der Spitze

Wir fahren mit der Straßenbahn vom Campingplatz zum Temple Square im Zentrum der Stadt. Das Straßenbild ist auch im Verhältnis zum hohen Standard in USA extrem sauber. Der von einer 5 m hohen Mauer eingegrenzte Tempelbezirk mit dem Tempel in der Mitte ist eine grüne, ruhige Oase mit Rasenflächen, perfekt gestalteten Blumen-Rabatten und Schatten spendenden Bäumen. Schon am Eingang werden wir von jungen Mädchen aus aller Herren Länder empfangen. Alle tragen mindestens knielange Röcke und ein Namensschild mit der Flagge ihres Herkunftslandes. Japan, Indien und die Philippinen sind genauso vertreten wie Südafrika, Deutschland oder die USA. Die Namen fangen alle mit „Sister“ an. Wir werden von Sister Günter herumgeführt, die aus Frankfurt am Main stammt und wie die anderen jungen Damen auch von mormonischen Missionaren für den neuen Glauben angeworben wurde. Alle jungen Mormonen sind von ihrer Kirche aufgefordert, mindestens ein Jahr lang irgendwo auf der Welt für ihre Glaubensrichtung zu missionieren. Vor allem die jungen männlichen Mormonen fallen im Straßenbild auch deutscher Städte auf durch ihre für ihr Alter völlig untypische Kleidung – dunkler Anzug, weißes Hemd und Krawatte – und ihren sorgfältig gescheitelten Kurzhaarschnitt.

Im Innern des Mormon Tabernacle
Im Innern des Mormon Tabernacle

Wir besuchen den imposanten Mormon Tabernacle, einen riesigen ovalen Kuppelbau, der ein akustisches Wunderwerk ist und in dem der weltberühmte Mormon Tabernacle Choir regelmäßig Konzerte gibt. Den Tempel selbst dürfen wir leider nicht betreten. Das dürfen nur Mormonen, und auch das nur zu ganz besonderen Gelegenheiten. Dafür wird uns im Visitor Center in einem aufwändig inszenierten Rundgang der Wert der Familie aufgezeigt, und zum Abschluss bekommen wir ein deutsches Exemplar des Buches Mormon geschenkt. In dessen Einleitung heißt es: „ Das Buch Mormon ist ein Band heiliger Schrift, der Bibel vergleichbar. Es ist ein Bericht über Gottes Umgang mit den alten Bewohnern Amerikas und enthält die Fülle des immerwährenden Evangeliums.“

Vor der Weiterfahrt stocken wir im Walmart unsere Vorräte auf und erleben eine Besonderheit. Es wird nämlich kein Wein verkauft. Nur Bier. Wein müssen wir in einem Liquor Store besorgen. Den Mormonen sind Genüsse wie Tabak, Tee, Kaffee und Alkohol verboten. Andererseits untersagt die mormonische Gesetzgebung den Verkauf oder Ausschank dieser Dinge eigentlich nicht. Die Nicht-Verfügbarkeit von Wein im Walmart von Salt Lake City ist wohl ein Kompromiss zwischen den verschiedenen Positionen.

Die National Parks Grand Teton und Yellowstone sind für eine Tagesetappe zu weit entfernt. So übernachten wir unterwegs wild in einem National Forest in der Nähe der Idaho-Grenze. In der Nacht wird es sehr frisch. Am Morgen ist es draußen noch ganze 2,8 Grad warm, immerhin plus. Die große Hitze des amerikanisc

hen Südwestens liegt offenbar endgültig hinter uns. Wir fahren durch eindrucksvolle grüne Landschaft, auf 1.500 m bis 2.300 m Höhe, ein Stück durch Idaho hindurch und anschließend am Snake River entlang nach Wyoming hinein. Auch in Idaho und Wyoming werden die Ortsbilder der durchfahrenen Ansiedlungen für uns überraschenderweise von Mormonen-Tempeln bestimmt. Die Mormonen sind also offensichtlich keineswegs auf Utah beschränkt.

Grand Teton Range
Grand Teton Range

Wir wollen im Grand Teton National Park übernachten, erfahren im Visitor Center, dass praktisch alle in Frage kommenden Campingplätze noch Platz verfügbar haben und steuern den am weitesten nördlich gelegenen Campingplatz Lizard Creek an. Hier fahren wir eine Orientierungsrunde, finden aber keinen freien Platz, und als wir wieder am Eingang ankommen, hängt dort inzwischen das bei allen Camping-Touristen äußerst beliebte Schild „Campground full“. Da haben wir uns wohl verkalkuliert oder ganz einfach Pech gehabt. Notgedrungen fahren wir aus dem Park hinaus und übernachten kurz vor dem Eingang zum Yellowstone National Park wieder einmal in einem National Forest. Die von einem wohl einsamen und fleischlichen Genüssen entwöhnten französischen Trapper mit viel Phantasie Grand Teton genannte Bergkette und der zugehörige National Park konnten sich also nicht sehr lange an unserem Besuch erfreuen.

Im jährlich von über vier Millionen Touristen besuchten Yellowstone National Park wollen wir bzgl. Übernachtungsplatz kein Risiko eingehen und checken schon am frühen Morgen auf dem allerersten Campground, Lewis Lake, für zwei Nächte und 15 $ pro Nacht ein. Von hier aus erkunden wir dann auf langen Fahrten den Park. Yellowstone wurde bereits 1872 unter Schutz gestellt und ist der weltweit allererste Nationalpark. Von hier aus eroberte die Idee Nationalpark die Welt. Yellowstone ist ein Naturparadies mit Geysiren, Schlammvulkanen, Wasserfällen, schneebedeckten Bergen und einem riesigen Wildtierbestand.

Unser erster Ausflug führt uns zum Upper Geyser Basin mit dem Old Faithful Visitor Center. Auf unseren Versuch, hier ins Internet zu gelangen, folgt das übliche Drama. Wie wir erfahren, gibt es Wifi nur in einer von insgesamt drei Lodges vor Ort. Dort angekommen werden wir mit Kosten von 5 $ pro Stunde konfrontiert. Zugang bekommt man aber nur nach einem nervenzerfetzenden Anmeldeverfahren und komplizierter Internet-Zahlung per Credit Card. Immerhin funktioniert die Verbindung dann.

Old Faithful, im Upper Geyser Basin, Yellowstone National Park
Old Faithful, im Upper Geyser Basin, Yellowstone National Park

Wieder an der frischen Luft erleben wir einen Ausbruch von Old Faithful, dem weltweit wohl bekanntesten Geysir. Er bricht häufiger aus als die anderen großen Geysire, ist aber weder der größte noch der regelmäßigste. Der Abstand zwischen zwei Ausbrüchen beträgt 50 – 127 Minuten, im Mittel sind es 90 Minuten, und ein Ausbruch dauert typischerweise 1,5 – 5 Minuten. Bis zu 32.000 l kochendes Wasser pro Eruption werden bis zu einer Höhe von 55 m ausgestoßen.

Im Upper Geyser Basin (1)
Im Upper Geyser Basin (1)
Im Upper Geyser Basin (2)
Im Upper Geyser Basin (2)
Im Upper Geyser Basin (3)
Im Upper Geyser Basin (3)
Morning Glory, ebenfalls im Upper Geyser Basin
Morning Glory, ebenfalls im Upper Geyser Basin

Das Upper Geyser Basin kann auf langen Holzstegen erkundet werden. Tausende Besucher sind gemeinsam mit uns unterwegs. Alle paar Meter gibt es eine geothermische Besonderheit zu bestaunen. Heiße Quellen, Schlammtöpfe und die verschiedensten Formen von Geysiren. Einige davon sind praktisch ständig aktiv, andere nur sporadisch, manchmal mehrere Jahre hintereinander gar nicht. Von insgesamt 6 Geysiren in Yellowstone geben die Ranger Forecasts für den nächsten Ausbruch an, darunter Old Faithful and Beehive. Bei Old Faithful ist das angegebene Intervall +/- 10 Minuten, bei den anderen deutlich mehr, typischerweise +/- 1,5 Stunden. Wir haben Glück und erleben einen der vergleichsweise seltenen Ausbrüche von Daisy und auch von Beehive.

Beehive Geysir
Beehive Geysir

Vor allem der Beehive Geysir ist eindrucksvoll. Es handelt sich dabei um einen der sogenannten „irregulären“ Geysire. Wenn er einmal aktiv ist, dann meist zweimal pro Tag. Er hat extrem viel Power und einen sehr langen Atem. Ein Ausbruch dauert volle 4 – 5 Minuten, und die Wasserfontäne erreicht Höhen von bis zu 60 m.

Das Upper Geyser Basin ist ein absolut faszinierendes Gelände. Als Sahnehäubchen auf einen gelungenen Tag entdecken wir auf der Rückfahrt zum Campingplatz einen ersten Bison, einen Einzelgänger, einen riesigen alten Bullen. Es soll nicht der letzte bleiben.

Hayden Valley, im Hintergrund eine nur zu erahnende Bison-Herde
Hayden Valley, im Hintergrund eine nur zu erahnende Bison-Herde
Durch Bison-Herde verursachter Verkehrsstau
Durch Bison-Herde verursachter Verkehrsstau

Denn am folgenden Tag fahren wir zum Hayden Valley. Und das ist Bison Country. Zunächst entdecken wir nur einzelne Bisons, aber dann steht eine Riesen-Herde von geschätzt 300 Köpfen direkt neben der Straße. Es entsteht ein enormer Verkehrsstau, zunächst wegen fotografierender Menschen und dann wegen der die Straße überquerenden Bisons.

Bisons (1)
Bisons (1)
Bisons (2)
Bisons (2)
Bison-Mütter mit Kälbern
Bison-Mütter mit Kälbern
Bison
Bison

Wir halten direkt hinter der Herde in einer Parkbucht, und Hildegard findet, dass dies ein guter Platz ist, um Mittagessen zu kochen. Während sie diesbezüglich aktiv wird, gehe ich Bisons fotografieren. Nach getaner Arbeit gibt es ein Gourmet-Mahl aus Hühnchen in Champignon-Sahne-Sauce mit Schmor-Kartoffeln.

Später erscheinen zwei Ranger auf dem Schauplatz und scheuchen die verbliebenen Bisons wie Toreros mit einer roten Jacke über die Straße. Danach löst sich der Verkehrsstau schnell auf. Einen guten Kilometer weiter stoßen wir bei der Weiterfahrt schon auf die nächste Bison-Herde, die allerdings nicht ganz so groß ist und einen gewissen Sicherheitsabstand zur Straße einhält, so dass kein neuer Verkehrsstau entsteht.

Canyon of the Yellowstone mit den Lower Falls des Yellowstone Rivers
Canyon of the Yellowstone mit den Lower Falls des Yellowstone Rivers

Der dem Park den Namen gebende Canyon of the Yellowstone mit den Lower Falls des Yellowstone Rivers ist dann eine weitere eindrucksvolle Sehenswürdigkeit. Das Wasser des Flusses donnert mit Wucht über die Felskante und hat einen tiefen Canyon in das ungewöhnlich gelb gefärbte Gestein gegraben. Am Fuß des Wasserfalls liegen als Relikte des Winters noch große Schneebretter.

Bei meinem ersten Besuch im Yellowstone National Park vor über 30 Jahren waren fast überall in offenen Bereichen große Herden der von den Amerikanern Elks genannte Wapiti-Hirsche zu sehen. Das ist inzwischen vorbei. Seit der Wiedereinführung von Wölfen im Jahre 1995 sind die Elks wesentlich scheuer geworden und nur noch einzeln oder in sehr kleinen Gruppen zu sehen. Eine Ausnahme bildet offenbar der Bereich von Mammoth Hot Springs. Hier trauen sich die Wölfe nicht hin, die Elks fühlen sich absolut sicher und liegen oder äsen in großen Gruppen um die Gebäude herum. Ein sehr seltsames und gewöhnungsbedürftiges Bild.

Wapiti-Hirsch am Lake Yellowstone
Wapiti-Hirsch am Lake Yellowstone
Wapiti-Hirsche in Mammoth Hot Springs
Wapiti-Hirsche in Mammoth Hot Springs

Im Visitor Center von Mammoth Hot Springs gibt es Internet, das einzige freie Internet im gesamten Nationalpark. Und es funktioniert sogar, wenn auch nur bis unmittelbar vor die Eingangstür. Die berühmten Sinterterrassen liegen nur wenige hundert Meter entfernt und können auf zum Teil steilen Holzstegen und -treppen besichtigt werden. Ein ganzer Berg aus Travertin ist hier durch Kalkablagerungen entstanden. Große Teile sind bereits wieder verwittert und erodiert, während in anderen Bereichen, wo aktuell noch kalkhaltiges Wasser fließt, neue Ablagerungen entstehen, die farbenfroh in der Sonne erstrahlen.

Sinterterrassen von Mammoth Hot Springs (1)
Sinterterrassen von Mammoth Hot Springs (1)
Sinterterrassen von Mammoth Hot Springs (2)
Sinterterrassen von Mammoth Hot Springs (2)

Am späten Nachmittag fahren wir nach Norden aus dem Yellowstone Park hinaus und übernachten nur wenige Kilometer entfernt für überschaubare 7 $ auf einem Campground des National Forests. Am nächsten Morgen gehen wir dann die Süd-Nord-Durchquerung von Montana an. An einer Tankstelle füllen wir Diesel- und Wassertanks, und als wir um die Mittagszeit wieder einmal einen National Forest mit herrlichem Bergwald durchqueren, beschließen wir spontan, nicht weiterzufahren, sondern vor Ort zu übernachten. Der von uns ausgewählte schöne Campground hört auf den sehr passenden Namen Many Pines. Am Nachmittag überrascht uns hier ein Gewitter mit einem kräftigen Regenschauer. Bezüglich des Wetters müssen wir uns offenbar so langsam umstellen. Unsere ganz persönliche buchstäblich jahrelange Trockenzeit scheint zu Ende zu gehen.

Wir bleiben weiterhin konsequent der US89 treu, die vom Yellowstone Park bis hinauf zur kanadischen Grenze östlich des Glacier National Parks führt. Die Fahrt macht echt Spaß. Es geht zunächst noch durch Wald und später dann durch offene Weide- und Ackerbauflächen von jeweils riesigen Ausmaßen. Es herrscht praktisch kein Verkehr, die Straße ist in hervorragendem Zustand, es gibt keine Ampeln und dergleichen, und die wenigen Ortsdurchfahrten bieten bilderbuchmäßige Wild-West-Szenerien. Mit Trading Posts, Saloons und Straßenbildern, die an allseits bekannte Western erinnern. Zur Linken begleiten uns die Rockies, die langsam näher kommen.

Kurzer Halt an der US89 in Montana
Kurzer Halt an der US89 in Montana

Mittags essen wir in Browning in einer Burger-Bude am Straßenrand. Wir bekommen unsere Tüte, setzen uns draußen in die Sonne und finden in der Tüte lauter Sachen, die wir nicht bestellt haben. Burger und Fritten für offenbar 3 Personen, mit einer zusätzlichen Portion Zwiebelringe. Na gut, wir beschweren uns nicht und essen brav alles auf. Anschließend geht´s weiter zum nahe gelegenen Glacier National Park.

Es ist Freitagnachmittag und am kommenden Montag ist der 4. Juli, Independance Day, der amerikanische Unabhängigkeitstag. Das bedeutet ein langes Wochenende für die Amerikaner, die das natürlich entsprechend nutzen. Die Campingplätze im Park sind bereits alle voll belegt. Wir weichen notgedrungen ins benachbarte Reservat der Schwarzfuß-Indianer aus (s. auch Übersichtsbild über diesem Beitrag). Die Blackfeet betreiben einen Campground am Lower Saint Mary Lake, der nach einem verstorbenen Chief namens Chewing Black Bones benannt ist. Wir richten uns dort häuslich ein und gehen erst einmal schwimmen. Das Wasser ist glasklar, aber auch sehr erfrischend. Der Lake Powell war definitiv wärmer.

Im Glacier National Park
Im Glacier National Park

Das Gebiet des heutigen Glacier National Parks wurde den Blackfeet 1895 von der US-Regierung für 1,5 Millionen Dollar abgekauft. Die Bedingungen wurden den Indianern allerdings erst später klar. Sie hatten geglaubt, nur die Felsen zu verkaufen, also Minen- und Schürfrechte, und waren völlig konsterniert, als ihnen klar wurde, dass sie fortan nicht mehr dort jagen durften, das Holz nicht mehr nutzen durften, etc. Die Blackfeet betrachten sich heute noch als rechtmäßige Eigentümer des Parks.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde im Verlauf von 30 langen Jahren die äußerst aufwändige und teure heute Going-to-the-Sun-Road genannte Straße über die steilen Berge gebaut. Auf der Passhöhe verläuft auf etwas mehr als 2.000 m die kontinentale Wasserscheide. Hier entscheidet sich, ob der Niederschlag über den Columbia River in den Pazifik, über den Saskatchewan River in die Hudson Bay oder über Missouri/Mississippi in den Atlantik fließt. Als wir dort oben eintreffen, sind weite Teile der Umgebung noch schneebedeckt. In einem Geröllhang gegenüber dem Parkplatz am Visitor Center liegt eine große Herde Bighorn Sheep in der Sonne. Es sind mehr als ein Dutzend Tiere. Sie sind mit bloßem Auge fast nicht zu erkennen und werden uns freundlicherweise von anderen Besuchern gezeigt.

Der hintere Teil des noch schneebedeckten Hidden Lake Trails, der an der Passhöhe startet, ist wegen der Anwesenheit von Grizzly-Bären gesperrt. Vor einer Woche wurde ein Ranger von einem Bären getötet, und man möchte weitere Vorfälle dieser Art verständlicherweise gerne vermeiden. Von den Gletschern, die dem Park vor gut hundert Jahren den Namen gegeben haben, ist übrigens nicht mehr viel übrig geblieben. Sie schmelzen im Zuge der Klimaerwärmung sehr schnell dahin. Nach einer Prognose des National Park Service werden schon in vier Jahren, also im Jahre 2020, alle Gletscher im Park verschwunden sein.

Am Logan-Pass. An der markierten Stelle liegt eine Herde Bighorn Sheep.
Am Logan-Pass. An der markierten Stelle liegt eine Herde Bighorn Sheep.
Bighorn Sheep, gut getarnt
Bighorn Sheep, gut getarnt
In der Nähe der Passhöhe ist der Winter noch nicht ganz vorbei.
In der Nähe der Passhöhe ist der Winter noch nicht ganz vorbei.
Mountain Goat
Mountain Goat
Mountain Goats. Mutter mit Sender um den Hals, Kind ohne
Mountain Goats. Mutter mit Sender um den Hals, Kind ohne

Nicht weit entfernt von der Passhöhe entdecken wir mehrere Mountain Goats, darunter eine Mutter mit Kind. Die Mutter hat ein Halsband mit Sender umhängen, mit dessen Hilfe die Wanderungen der Ziegen aufgezeichnet werden. Die Tiere sind für unser Empfinden keine ausgesprochenen Schönheiten, aber nur ziemlich selten anzutreffen, weshalb wir uns über die Sichtung besonders freuen.

Bis zur kanadischen Grenze sind es von unserem Stellplatz bei den Blackfeet nur noch ganze 20 km. Lediglich die kleine Ansiedlung Babb liegt dazwischen. Ob ein Zusammenhang mit den Bläck Fööss und BAP besteht, bleibt im Ungewissen. Jedenfalls wechseln wir nach 7 Wochen im Westen der USA hinüber zum nördlichen Nachbarn und freuen uns auf den weiteren Weg nach Alaska.

Ein Kommentar

  1. Herta Salzmann said:

    Ja, ich habe mich gefreut von Euch zu hören . Eure Route hat viele Erinnerungen hervorgerufen. Ich musste alte Alben und Landkarten durchsuchen und fand dass ich diese Gegend einige male bereist habe.
    1972 Damals wohnten wir noch in New Jersey, machten mein Mann und ich mit 4 Kindern in einem rot-weissen VW Bus eine Reise bis nach Prince George Canada. Das war wohl unsre Hippie Zeit. Wenig Geld, voller Unternehmungslust und total unbekümmert.
    1988 Mit Freunden eine Motorrad tour, die uns bis Prince Rupert brachte. Damals fuhr ich eine „Radian, Yamaha“.
    1994, nun mehr bequem, ein Trip im Motorhome bis Alaska, Glacier Bay, Palmer,Valdez, White Horse.
    Und 2013 waren meine ganze Familie, 17 zusammen auf einer Schiffsreise von Seattle bis nach Juneau und zurück.
    Nun danke für die guten Berichte, die mich anspornten mich über die wunderschönen Landschaften im Norden zu erinnern.
    Und ja,im Juni war es eine tolle Reise mit 10 Teenagern Ecuador und Galapagos zu erleben. Zum Schluss war ich Oma Herta für alle. Morgen kommen sie mit Lehrern und Eltern zu einer pool Party und um meinen Film zu sehen. Ich freue mich schon.

    Weiterhin wünsche ich euch eine gute Reise, alles, alles Gute,

    Herta

    5. Juli 2016
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