USA Südwest

In Las Vegas steht für unsere Leoni turnusmäßig Öl- und Filterwechsel sowie Abschmieren an. Andere Reisende hatten uns gewarnt, dass schon solch einfache Arbeiten für einen Toyota Landcruiser Diesel in USA zu einem Abenteuer ausarten können. Denn Toyotas mit Dieselmotor sind dort weitgehend unbekannt. Sicherheitshalber fahren wir zu David Wilson´s Toyota, DEM Toyota-Händler von Las Vegas. Die werden doch hoffentlich, so die Überlegung, etwas von ihren eigenen Autos verstehen und diese wieder flott machen können. Außerdem wissen wir aus einem Eintrag bei iOverlander.com, dass es hier einen Nigerianer namens Matthew gibt, der aus Afrika Erfahrung mit Diesel-Toyotas mitbringt.

Wir kommen mittags unangemeldet an und werden überraschenderweise sofort bedient. Einen passenden Ölfilter für unser Exoten-Fahrzeug haben sie allerdings nicht, auch keinen Dieselvorfilter und keinen Dieselfilter. Alles muss ich beistellen. Zum Glück haben wir alles an Bord. Beim Abschmieren stellt sich heraus, dass beim Werkstattaufenthalt in Nicaragua das neue Kreuzgelenk am hinteren Ende der hinteren Kardanwelle falsch montiert wurde, und zwar so, dass der Schmiernippel nach innen zeigt und nicht mehr zugänglich ist. Dass diese Falsch-Montage überhaupt möglich ist, verwundert mich beim weltweit anerkannten Poka-Yoke-Experten Toyota außerordentlich. Für mich ist das eigentlich unfassbar. Das Ganze hat zur Folge, dass ich die Kardanwelle ausbauen lassen muss, um das Abschmieren zu ermöglichen. Solange das falsch montierte Kreuzgelenk nicht demontiert und wahrscheinlich auch ersetzt wird, steht dieser Zusatzaufwand jetzt bei jedem weiteren Abschmieren erneut an.

Leoni bei der Korrektur der Spureinstellung
Leoni bei der Korrektur der Spureinstellung

Am Motor stellt Matthew ein uns noch nicht aufgefallenes Ölleck fest. Ursache ist eine nicht mehr sauber abschließende Dichtung. Man ahnt es schon: Die passende Dichtung ist nicht verfügbar, der Fehler bleibt unrepariert. Auch die Lagerungen der hinteren Stoßdämpfer sind ausgeschlagen. Man vertröstet uns, dass passende Stoßdämpfer vielleicht in Kanada erhältlich sein könnten.

Was aber offenbar funktioniert, ist die Behebung unseres Alignment-Problems am rechten Vorderrad. Die Spur hatte sich verstellt oder aber ist schon bei der Reparatur der Vorderachse in Lima nicht richtig eingestellt worden. Drei der vier in Nicaragua neu erstandenen Reifen zeigen jedenfalls nach knapp 10.000 gefahrenen Kilometern normalen Verschleiß, während derjenige rechts vorne extrem stark und auch noch ungleichmäßig abgelaufen ist. Toyota Las Vegas verfügt über die nötige Mess-Einrichtung, bestätigt das Problem und korrigiert die Spureinstellung. Die Rechnung für die Summe der Bemühungen von Toyota Las Vegas beläuft sich auf unglaublich hohe 912 $.

Unser Stellplatz in Las Vegas
Unser Stellplatz in Las Vegas
Las Vegas bei Nacht (1)
Las Vegas bei Nacht (1)
Las Vegas bei Nacht (2)
Las Vegas bei Nacht (2)
Las Vegas bei Nacht (3)
Las Vegas bei Nacht (3)

Der Toyota-Service ist natürlich nicht der einzige Grund, weshalb wir Las Vegas angesteuert haben. Wie Millionen andere Besucher auch zieht uns diese unglaubliche Stadt in ihren Bann. Allerdings verspielen wir unser Geld nicht in den vielen Casinos wie wohl viele andere Besucher. Wir brauchen es noch für unsere weitere Reise. Unser Stellplatz für ein paar Nächte befindet sich auf dem RV Park unmittelbar neben dem Casino Circus Circus, also direkt am „Strip“ in allerbester Lage. Von hier aus erkunden wir die Stadt, vorzugsweise abends, denn die Hitze tagsüber ist beinahe unerträglich. Wir hatten gehofft, dass wir nach dem Glutofen Death Valley erträglichere Temperaturen vorfinden würden. Aber statt 45 oder 46 Grad dort haben wir in Las Vegas immer noch 43 bis 44 Grad, was kaum einen Unterschied macht. Abends um 18.30 Uhr zeigt das Thermometer für drinnen und draußen immer noch mehr als 40 Grad an. Abkühlung finden wir immerhin im RV-Park-eigenen Swimming Pool direkt neben unserem Stellplatz.

Eingang zum Zion National Park
Eingang zum Zion National Park

Für unser nächstes Ziel, den Zion National Park im Süden Utahs, machen wir uns kaum Hoffnung, einen Stellplatz auf einem der Campingplätze im Park zu bekommen. Doch was passiert? Als wir am späten Nachmittag ankommen und unser Glück versuchen, ist auf dem Watchman Campground gerade ein Platz storniert worden, den wir für 30 $ einnehmen dürfen, wenn auch nur für eine Nacht. Wir wollen aber länger bleiben. Zur Frage, ob wir uns am nächsten Tag zu einem anderen Camper, der über genügend Platz verfügt, dazustellen dürfen, kommt die Antwort: „This is not encouraged.“ Im Laufe des Gesprächs mutiert dies dann zu „not allowed“. Allerdings mit der Einschränkung: “What could we do, if you do it anyway?” Wir betrachten dies als Einverständnis in unser Vorhaben und machen uns auf die Suche. Bei zwei jungen Engländerinnen werden wir fündig. Wir sichern die Übernahme der vollen Platzkosten zu und dürfen am Folgetag zu den Beiden umziehen.

Völlig ohne Scheu kommen abends Maultierhirsche zum Grasen ins Campingplatzgelände
Völlig ohne Scheu kommen abends Maultierhirsche zum Grasen ins Campingplatzgelände

Tagsüber ist es in Zion ziemlich warm, aber im Laufe der Nacht kühlt es dann deutlich ab. Am Morgen beim Aufstehen haben wir draußen angenehme 22 Grad. Nach dem Frühstück und dem Umstellen von Leoni machen wir uns mit dem Shuttle Bus auf zur bekanntesten Attraktion des Parks, den Narrows. Dies ist eine enge Schlucht, die der Virgin River im Laufe von Jahrmillionen in den Fels gegraben hat. Die Schlucht ist insgesamt 16 Meilen lang und so eng, dass der Fluss sie auf weiten Strecken komplett ausfüllt. Das heißt, der Weg hinein und wieder hinaus führt durchs Wasser. Es gibt keine Alternative, was die Wanderung nicht ganz ungefährlich macht. Bei Gewitter weiter oben in den Bergen kann es zu sogenannten Flash Floods kommen, vor denen es dann kein Entrinnen gibt. Der Wasserstand steigt in Sekundenschnelle um mehrere Meter an. Etliche unglückliche Touristen sind dadurch in den letzten Jahrzehnten umgekommen. Man ist folglich gut beraten, sich vor Antritt der Wanderung die Wettervorhersage genau anzusehen.

Zur Verringerung des Verkehrs ist auch im Zion National Park ein Shuttle-Bus-System eingerichtet worden
Zur Verringerung des Verkehrs ist auch im Zion National Park ein Shuttle-Bus-System eingerichtet worden

Seit 1979 bin ich zum vierten Mal hier. Solche Menschenmassen wie dieses Mal habe ich aber noch nie erlebt. In Anlehnung an einen Ausspruch in einem Lonely Planet könnte man sagen: Alone with nature and ten thousand of your best friends. Jetzt am Ende des Frühlings bzw. am Beginn des Sommers ist reichlich Wasser im Fluss, und wir kämpfen uns gegen die Strömung in die wirklich außerordentlich imposante Schlucht hinein. Irgendwann drehen wir um und gehen wieder zurück. Beim letzten Mal, im Jahr 2001, war ich mit meinem damals knapp 12jährigen Sohn Karl deutlich tiefer in der Schlucht, aber das war im August bei deutlich niedrigerem Wasserstand.

In den Narrows. Einsamkeitsgefühle kommen nicht auf.
In den Narrows. Einsamkeitsgefühle kommen nicht auf.
Hildegard leads the way.
Hildegard leads the way.

Zurück auf dem Campingplatz stellen wir erfreut fest, dass unsere Akkus von der Sonne wieder komplett aufgeladen sind. Wegen der großen Hitze der letzten Tage hatte vor allem der Kühlschrank extrem viel Strom gezogen und die Akkus fast in die Knie gezwungen.

Erstmals auf unserer Reise treffen wir bei der Weiterfahrt zum Ost-Ausgang des Parks auf eine kleine Herde Bighorn-Schafe, die sich nach kurzem Anpirschen freundlicherweise auch fotografieren lässt. Kurz darauf, gerade noch innerhalb des Zion National Parks, gerät dann der imposante Berg Checkerboard Mesa mit seiner merkwürdig gerasterten Oberfläche ins Blickfeld. Der Parkplatz am Viewpoint ist übervoll, und alle machen das unvermeidliche obligatorische Foto. Wir auch.

Bighorn Sheep
Bighorn Sheep
Checkerboard Mesa
Checkerboard Mesa

Auf dem Weg zum Bryce Canyon National Park fahren wir in Orderville an der Deutschen Bäckerei Forscher vorbei. Genauer gesagt halten wir an und leisten uns ein paar lange vermisste Genüsse. Donauwelle, Nussecke, Apfeltorte. Alles sehr gut. Und teuer. Die Nussecke beispielsweise schlägt mit satten 4,50 $ zu Buche. Aber man gönnt sich ja sonst nichts.

Im Bryce Canyon bekommen wir auf dem North Campground für 30 $ pro Nacht problemlos und im Self-Register-Verfahren einen Stellplatz. Erfreulicherweise können hier nur wenige Plätze vorreserviert werden. Ansonsten gilt „first come, first serve“, was uns sehr entgegen kommt.

Der Bryce Canyon ist ein außergewöhnlicher Ort. Kaum irgendwo sonst auf der Welt hat die Erosion eine solch filigrane Vielfalt von Formen geschaffen. Die vielen unübersichtlichen Schluchten haben allerdings im Laufe der Zeit nicht nur Freude verbreitet. Ein Farmer auf der Suche nach seinem Vieh soll Ende des 19. Jahrhunderts den Ausspruch getan haben: „A hell of a place to lose a cow.“

Auf dem Queens Garden Trail im Bryce Canyon National Park
Auf dem Queens Garden Trail im Bryce Canyon National Park
Von unten gesehen sind die Erosionsformen am eindrucksvollsten.
Von unten gesehen sind die Erosionsformen am eindrucksvollsten.
Ganz links Thors Hammer
Ganz links Thors Hammer

Eine Fahrt der Panoramastraße entlang gibt bereits einen guten Überblick über die verschiedenen spektakulären Erosionsformen. Aber so richtig eindrucksvoll wird der Bryce Canyon dann erst bei einer Wanderung unterhalb der Abbruchkante. Wir wählen den Kombinationsweg Queens Garden und Navajo Loop. Laut Aushang am Visitor Center ist dies „The worldwide best 3-mile-hike“. Die Amis lieben halt Superlative. Was wir aber bestätigen können, ist, dass dies ein wirklich toller Weg ist. Nach durchaus anstrengenden knapp zwei Stunden sind wir zurück, mit einer guten Ausbeute an Fotos.

Der Bryce Canyon liegt deutlich über 2.000 m hoch, und die Temperaturen am Morgen sind ungewöhnlich angenehm. 12 Grad für draußen zeigt das Thermometer an, für drinnen 19 Grad. Das hatten wir lange nicht mehr. Der North Rim des Grand Canyons, unser nächstes Ziel, ist ähnlich hoch gelegen, was uns auf weiterhin angenehme Temperaturen hoffen lässt.

Vor dem Eingangstor zum Grand Canyon National Park hat sich eine lange Autoschlange gebildet. Als wir diese abgearbeitet haben, wundert uns der Stau nicht mehr. Denn ein Schild am Eingang besagt: Credit Card only. Es ist wirklich nicht zu fassen. Dasselbe, was uns an Supermarktkassen immer so ärgert, wenn jemand wieder einmal 1,95 $ mit Kreditkarte bezahlt, jetzt also auch hier. Das Überreichen von 20 $ oder 30 $ cash an Eintrittsgebühren dauert vielleicht 5 Sekunden, das Zahlen mit Kreditkarte zwei oder drei Minuten. Wenn man Glück hat. Die spinnen, die Amis.

Schon vor dem Nationalpark hatte ein Schild auf Bisons hingewiesen. Ich hatte diesen Hinweis nicht recht ernst genommen, denn Bisons hatte ich am Grand Canyon noch nie gesehen. Umso größer ist dann die Überraschung, als wir plötzlich eine etwa hundertköpfige Bison-Herde direkt neben der Straße antreffen. Es ist eine Szenerie wie aus einem klassischen Western. Die Büffel, viele Kälber darunter, grasen friedlich, liegen im Gras oder wälzen sich im Staub. Wie wir später erfahren, wurden die Tiere vor ein paar Jahren wieder im Park eingeführt. Wobei etwas zweifelhaft ist, ob das „wieder“ auch stimmt. Denn der Grand Canyon ist keine der typischen Bison-Gegenden. Aber was soll´s. Es ist auf jeden Fall ein außerordentlich eindrucksvolles Bild. Als wir einen Tag später wieder an der gleichen Stelle vorbeikommen, ist von den Büffeln nichts mehr zu sehen. Wir haben offenbar Glück gehabt.

Nicht ernst genommenes Schild „Bisons next 5 miles“
Nicht ernst genommenes Schild „Bisons next 5 miles“
Rund 100köpfige Bisonherde im Grand Canyon National Park
Rund 100köpfige Bisonherde im Grand Canyon National Park

Wir fahren zunächst den Scenic Drive auf dem Walhalla Plateau ab. Die Sicht ist für meine Begriffe erstaunlich schlecht, doch die Panoramen an den verschiedenen Viewpoints sind phantastisch wie eh und je. Ein Waldbrand in der Nähe sowie die Luftverschmutzung im Großraum Los Angeles werden für die aktuell schlechte Sicht verantwortlich gemacht.

Grand Canyon vom Walhalla Plateau aus gesehen
Grand Canyon vom Walhalla Plateau aus gesehen

Der North Rim des Grand Canyons hat nur etwa ein Zehntel des jährlichen Besucherstroms von über 5 Millionen Menschen zu verkraften. Der Löwenanteil der Besucher fährt den deutlich leichter erreichbaren South Rim an. Doch auch hier im Norden ist es keineswegs einsam. Wir versuchen gar nicht erst, einen Platz auf dem Campingplatz zu bekommen, sondern fahren am Abend wieder aus dem Park heraus in den angrenzenden Kaibab National Forest. Hier geht es bald rechts rein in einen Waldweg, und kurz darauf richten wir uns auf einer einsamen Lichtung häuslich ein. Wir sind allein, es ist völlig ruhig, kein Generatoren-Lärm von anderen Campern behelligt uns, und das Ganze ist darüber hinaus auch noch kostenlos.

Nach einer herrlich ruhigen Nacht fahren wir erneut in den Grand Canyon National Park hinein und parken am Trailhead des North Kaibab Trails. Wir haben nicht vor, zum 1.778 m tiefer gelegenen Colorado hinunterzulaufen, das hatte ich 1985 gemacht, wollen aber zumindest ein bisschen die Atmosphäre im Canyon genießen. Am Coconino Overlook ist für uns heute Schluss. Der North Kaibab Trail wird leider auch für Mule Rides in den Canyon genutzt, und es ist nur wenig übertrieben, wenn ich sage, dass wir praktisch permanent durch Maultier-Exkremente waten. Der trockene Staub, den wir einatmen, besteht zu einem hohen Prozentsatz aus dem gleichen Material. Oben am Canyon Rim sind dagegen Hunde verboten, bzw. es werden Tütchen angeboten mit der Aufforderung, deren Hinterlassenschaften vollständig zu entfernen. Meine Schlussfolgerung: Irgendjemand mit viel Einfluss muss an den Mule Rides ziemlich gut verdienen.

Am Coconino Overlook auf dem North Kaibab Trail
Am Coconino Overlook auf dem North Kaibab Trail
Dringend erforderliche Reinigung der Schuhe am Übernachtungsplatz im Kaibab National Forest (s. Text)
Dringend erforderliche Reinigung der Schuhe am Übernachtungsplatz im Kaibab National Forest (s. Text)

Auf das spektakuläre Panorama haben die Maultiere zum Glück keinen Einfluss. Auch von den verschiedenen Wanderwegen rund um die Grand Canyon Lodge können wir phantastische Ausblicke in und über den Canyon genießen. Als wir dies ausreichend getan haben, fahren wir wieder aus dem Park hinaus und übernachten erneut im Kaibab National Forest, etwas weiter vom Park entfernt als am Vortag, aber mindestens genauso schön und ungestört.

Lake Powell
Lake Powell

In der folgenden Nacht erleben wir einen ausgiebigen Regen, ein Naturereignis, das uns seit langer Zeit nicht mehr begegnet ist. Am Morgen herrscht dann allerdings wieder strahlend blauer Himmel, so wie wir das gewohnt sind, wie wir das kennen und lieben. Wir fahren weiter zum oberhalb des Grand Canyon gelegenen Lake Powell. Hier wird der Colorado aufgestaut, wodurch dieser beachtliche Fluss unterhalb der Staumauer zu einem ziemlich traurigen Rinnsal verkümmert. Die um den Lake Powell herum entstandene Glen Canyon National Recreation Area wird vom National Park Service verwaltet. Unser America-the-Beautiful-Pass deckt erfreulicherweise auch hier die Zugangskosten ab. Auf dem Campingplatz von Wahweap bekommen wir einen der letzten freien Übernachtungsplätze und zahlen dafür ca. 26 $ pro Nacht. Dieser Campingplatz hat den Vorteil, dass er in der Nähe der Marina liegt, von wo diverse Bootsausflüge starten, und den Nachteil, dass er einen ziemlich mühsamen Fußmarsch vom Strand entfernt ist. Nur ein einziges Mal können wir uns aufraffen, zum Schwimmen zum Strand hinunter zu laufen.

Bootstour zur Rainbow Bridge
Bootstour zur Rainbow Bridge
Rainbow Bridge
Rainbow Bridge
Szenerie am Ufer des Lake Powell
Szenerie am Ufer des Lake Powell

Wir haben die Nachmittagstour zur 50 Meilen entfernten Rainbow Bridge gebucht und sind immerhin gut 6,5 Stunden unterwegs. Die Kosten schlagen mit 130 $ p.P. zu Buche, aber dieses Geld ist gut angelegt. Unsere Bootstour geht in Mäandern über den Lake Powell, vorbei an der unglaublich spektakulären und abwechslungsreichen Szenerie des Colorado-Plateaus. Unser Ziel, die Rainbow Bridge, liegt in einem engen Seiten-Canyon und ist den Navajos und anderen Indianerstämmen seit Urzeiten heilig. Mit 87 m Höhe und 83 m Breite wirkt sie einerseits sehr imposant und andererseits doch filigran. Das Gebiet um sie herum ist als National Monument geschützt.

Nach der Rückkehr zur Wahweap Marina wollen wir im Dining Room des Lake Powell Resorts zu Abend essen. Hier gilt „Wait to be seated“, was nicht weiter schlimm ist, und zusätzlich Vor-Reservierung der Sitzplätze. Geschätzt die Hälfte der Tische ist frei, aber reserviert. Vielleicht kommen diese Gäste in einer halben oder einer ganzen Stunde oder auch nie. Wir werden jedenfalls auf 60 Minuten später vertröstet. Ich bin zu einer solchen Warterei überhaupt nicht bereit und verabschiede mich mit: „Vielleicht kommen wir nächstes Jahr wieder“. Eine solche Situation hatten wir in anderthalb Jahren Lateinamerika nicht ein einziges Mal. In USA schon. Was  dazu führt, dass wir immer öfter bei McDonalds und Co. landen oder dass Hildegard kocht.

Am Horseshoe Bend kurz unterhalb der Staumauer macht der Colorado eine imposante 180-Grad-Schleife. Er hat sich tief in den Fels hineingefressen und so für eine beliebte und äußerst gut besuchte Touristen-Attraktion gesorgt. Erstaunlich ist, dass nichts abgeschrankt oder sonstwie gesichert ist. Alles ist frei zugänglich. Zwar gibt es Hinweisschilder, die auf das hohe Risiko des Abstürzens hinweisen, aber das war´s dann auch. Wenn man dann sieht, wie unvernünftig nahe viele Besucher zum Fotografieren an das bröckelige Randgestein herangehen, wundert man sich, dass es hier nicht täglich tödliche Unfälle gibt.

Horseshoe Bend unterhalb des Glen Canyon Dams
Horseshoe Bend unterhalb des Glen Canyon Dams

Der Upper Antelope Canyon, einer der bekanntesten von vielen Slot Canyons auf dem Colorado-Plateau, ist nur ein paar Kilometer vom Horseshoe Bend entfernt, liegt aber schon auf Navajo-Gebiet. Verständlicherweise nutzen die Navajos diese Chance und bieten gut organisierte Touren dorthin an. Diese dauern ca. anderthalb Stunden und kosten stramme 48 $ p.P. Zunächst geht es in 10er-Gruppen mit kleinen Trucks etwa 5 km weit auf einer Piste zum engen Eingang des Canyons. Und dann zu Fuß in den überaus imposanten Canyon hinein. Es ist wirklich erstaunlich, was die Natur sich hier hat einfallen lassen. Ich glaube, kein Designer der Welt wäre in der Lage, solche unglaublichen Strukturen zu erfinden. Das Ganze ist schlicht und einfach überwältigend.

Vor dem Eingang des Upper Antelope Canyon
Vor dem Eingang des Upper Antelope Canyon
Im Eingangsbereich des Upper Antelope Canyon
Im Eingangsbereich des Upper Antelope Canyon
Blick nach oben (1)
Blick nach oben (1)
Blick nach oben (2)
Blick nach oben (2)
Im Upper Antelope Canyon
Im Upper Antelope Canyon

Unser Navajo-Guide Dale kennt offenbar alle Kamerasysteme der Welt in- und auswendig. Auch meine Nikon hat für ihn keine Geheimnisse. Er stellt alle Kameras seiner Gruppe auf die ungewöhnlichen Lichtverhältnisse im Canyon ein, und ich muss sagen: Mit gutem Erfolg. Er zeigt uns die Stellen, wo die besten Perspektiven zu finden sind und nimmt auch hin und wieder durchaus fordernd seinen Kunden die Kamera aus der Hand, um diese damit zu fotografieren oder auch irgendwelche speziellen Fotos aufzunehmen. Es macht ausgesprochen Spaß, mit ihm unterwegs zu sein.

Wir beschließen, noch einen weiteren Tag am schönen Lake Powell zu bleiben. Es werden dann schließlich sogar drei. Denn ein paar Kilometer weiter, schon jenseits der Grenze zu Utah, gibt es direkt am Ufer des Lake Powell einen weiteren Campground, mit Namen Lone Rock. Der ist etwas wild und unorganisiert, ermöglicht uns aber, nur 10 m vom Wasser entfernt direkt am Sandstrand zu stehen. Ein unvergleichlicher Platz. X-mal pro Tag legen wir die sehr überschaubare Distanz zum Wasser zurück und gehen schwimmen. Das Ganze ist wie Urlaub. Nur der gelegentlich auftretende Sandsturm trübt das Vergnügen ein wenig.

Kosten sind uns für die Tage am Lone Rock keine entstanden. Nirgendwo ist ein Preis angeschlagen, nie ist jemand bei unseren vielen Passagen des Eingangsbereichs anwesend, nie kommt jemand, um Übernachtungsgebühren einzusammeln. Die einen Mit-Camper versichern, die Übernachtung sei kostenlos, andere dagegen sprechen von 15 $ pro Nacht und haben interessanterweise auch Plaketten im Führerhaus aushängen, die die Anzahl der gebuchten und vielleicht auch bezahlten Nächte bestätigen. Wie auch immer. Etwas unorganisiert, das Ganze.

Auf der Weiterfahrt zum Monument Valley (s. auch Übersichtsbild über diesem Beitrag) fahren wir noch einmal die Lake Powell Lodge an der Wahweap Marina an, um dort kurz ins Internet zu gehen, E-Mails abzufragen, etc. Nach einem in USA bei solchen Versuchen geradezu üblichen Fast-Nervenzusammenbruch gelingt mir das sogar. Internet war für uns anderthalb Jahre lang in Latein-Amerika nie ein ernsthaftes Problem. In USA ist es eins. Wenn Internet überhaupt einmal verfügbar ist, werden auch bei angeblich „offenen“ Netzen meistens komplizierte Anmeldeverfahren verlangt, die oft gar nicht oder erst beim zehnten Versuch funktionieren. Ist man dann drin, heißt das noch lange nicht, dass dies länger als zehn Minuten so bleibt oder dass WhatsApps oder E-Mails auch funktionieren. Es ist ein fast tägliches Ärgernis. Ein französischer Reisender, mit dem ich das Thema diskutiere, rastet bei der Beschreibung seiner Internet-Erfahrungen in USA fast aus. Das zeigt, dass wir mit dem Problem nicht allein sind.

Monument Valley (1)
Monument Valley (1)
Monument Valley (2)
Monument Valley (2)
Monument Valley (3)
Monument Valley (3)

Wie der Antelope Canyon liegt auch das Monument Valley im Navajo-Gebiet. Die Auswirkungen sind ähnlich. Am Eingang in den Tribal Park zahlen wir erst einmal 20 $ und kurz darauf noch einmal ca. 42 $ für die Übernachtung auf dem Campground. Stramme Preise haben die Navajos. Aber das Monument Valley ist auch eine echte Attraktion und verfügt über einen weltweiten Bekanntheitsgrad, wofür eine Vielzahl hier gedrehter Western entscheidend mitverantwortlich ist.

Ein Schild untersagt die Fahrt mit RVs und Campern hinunter ins Tal. Irgendwie müssen wir dieses Schild übersehen haben. Jedenfalls fahren wir mit unserer Leoni ins Monument Valley hinein, machen eine wunderschöne Rundfahrt und bleiben auch völlig unbehelligt. Wir verstehen allerdings sehr gut, dass die Navajos die Ami-typischen Monster-RVs aus dem eigentlichen Park unterhalb des Campgrounds heraushalten wollen. Denn die Kurven der durchaus rauen Pisten sind zum Teil sehr eng und steil, und die Navajos verspüren ganz sicher wenig Lust, ständig liegengebliebene RVs einzusammeln und aus dem Tal herauszuschleppen.

Am nächsten Morgen wiederholen wir die Rundfahrt durch das Tal bei völlig veränderten, aber erneut sehr guten Lichtverhältnissen. Unser Tagesziel ist dann allerdings der schon in Colorado liegende Mesa Verde National Park. Auf dem Weg dorthin machen wir einen kleinen Abstecher zu Four Corners. Dies ist der einzige Punkt in den USA, wo vier Staaten zusammenstoßen, nämlich Arizona, New Mexiko, Colorado und Utah. Auch Four Corners liegt auf dem Gebiet der Navajos, die 5 $ Eintritt pro Person erheben. Das Ganze ist stark überorganisiert, und man muss tatsächlich Schlange stehen, um sich dann auf dem markierten Punkt ablichten lassen zu können.

Four Corners
Four Corners

Mesa Verde ist bekannt für seine sogenannten Cliff Dwellings. Zwischen 1200 und 1300 n. Chr. hat hier ein Anazasi genanntes präkolumbianisches Indianervolk unter geschützten Felsvorsprüngen steinerne Behausungen gebaut und diese nach weniger als hundert Jahren aus unbekannten Gründen wieder verlassen. Wir kommen auf dem Campingplatz des National Parks für gut 32 $ unter und besuchen am folgenden Morgen einige der wichtigsten Fundplätze. Dabei begnügen wir uns jeweils mit einem Überblick. Einige der Cliff Dwellings darf man zwar betreten, aber nur in 50er-Gruppen in Begleitung eines Rangers. Der Andrang ist gewaltig, wir verzichten und fahren stattdessen weiter zum Canyonlands National Park in Utah.

Unter Felsvorsprung gelegener Cliff Palace im Mesa Verde National Park
Unter Felsvorsprung gelegener Cliff Palace im Mesa Verde National Park
Detailaufnahme von Cliff Palace
Detailaufnahme von Cliff Palace

Der Canyonlands National Park ist eine Art Herzstück des riesigen Colorado-Plateaus. In seinem Zentrum fließen der Colorado und der Green River zusammen und bilden ein unglaubliches Gewirr von Hochflächen und tiefen Canyons. Wir besuchen zuerst den südlichen „The Needles“ genannten Teil. Auf dem Weg dorthin kommen wir am Newspaper Rock vorbei, auf dem Felszeichnungen aus mindestens 2.000 Jahren zu bewundern sind.

Newspaper Rock
Newspaper Rock

Im Visitor Center des Needles Districts besorgen wir uns Informationen und Unterlagen und checken im Self-Register-Verfahren auf dem Squaw Flat Campground für 20 $ pro Nacht ein. Mit dem Auto fahren wir am nächsten Tag diverse Aussichtspunkte an. Das unbestrittene Highlight ist jedoch unsere Wanderung auf dem Slickrock Trail, die durch spektakuläres, sehr stark strukturiertes Gelände mit vielen immer wieder überraschenden Ausblicken führt. Der Weg ist sehr gut mit Steinmännchen markiert, was von uns nicht nur als hilfreich, sondern als absolut notwendig angesehen wird, denn unübersichtlicher kann eine Landschaft kaum noch sein. Sich hier zu verirren, ist wahrlich keine Kunst. Aber im Sommer lebensgefährlich. Zu Beginn der Wanderung am frühen Morgen ist die Temperatur noch angenehm, doch das bleibt nicht so. Von mittags bis abends liegt sie dann bei mehr als 40 Grad.

The Needles im Canyonland National Park
The Needles im Canyonland National Park
Auf dem Slickrock Trail
Auf dem Slickrock Trail
Aussichtspunkt auf dem Slickrock Trail
Aussichtspunkt auf dem Slickrock Trail

Der nördliche Teil des National Parks, „Island in the Sky“, ist mit dem Fahrzeug nur in weitem Bogen über Moab zu erreichen. Dort tanken wir, füllen unsere Wassertanks auf und kaufen im Supermarkt ein. Der am einfachsten zugängliche Teil von Island in the Sky besteht aus einem Hochplateau, in das sich auf der einen Seite der Colorado und auf der anderen Seite der Green River tief eingefräst hat. Das Ergebnis ist eine Riesen-Fläche von Canyons und Seiten-Canyons, die man an verschiedenen Aussichtspunkten von oben betrachten kann. Wir machen an den Plateau-Rändern mehrere kleinere Wanderungen. Am besten gefällt uns die zur Mesa Arch, einem Felsbogen hoch über dem Colorado. Das faszinierende Bild, das dort vor uns liegt, kommt mir sehr bekannt vor. Ich habe es oft als Bildschirmschoner auf PCs gesehen, aber nie gewusst, wo genau dieses Bild aufgenommen wurde. Jetzt weiß ich es.

Der Green River, einige Meilen vor dem Zusammenfluss mit dem Colorado
Der Green River, einige Meilen vor dem Zusammenfluss mit dem Colorado
Mesa Arch
Mesa Arch

Unser letztes Ziel im Bereich des Colorado-Plateaus und damit im Südwesten der USA ist der Arches National Park. Hier gibt es die weltweit größte Ansammlung von Arches zu bestaunen. Über 2.000 sollen es sein. Arches entstehen im Gegensatz zu Bridges nicht durch die Einwirkung fließenden Wassers, sondern durch Wind- und Wetter-Erosion bestimmter geologischer Formationen. Und diese gibt es im Arches Park im Übermaß.

Bereits am Parkeingang teilt man uns mit, dass der Campingplatz voll ist. Alle Plätze sind die gesamte Saison hindurch reserviert, in der Regel über ein halbes Jahr im Voraus. Wir lassen uns dadurch nicht beirren, fahren zum Campingplatz und bekommen für 25 $ prompt einen Platz für eine Nacht. Am nächsten Morgen wiederholt sich das Spiel. Erneut bekommen wir problemlos einen, allerdings anderen, Platz für eine weitere Nacht. Es ist ähnlich wie beim beschriebenen Dinner-Reservierungs-Problem. Das System ist falsch aufgesetzt und funktioniert einfach nicht. Viele reservierte Campingplätze bleiben frei, und händeringend um Übernachtungsplätze bemühte Campinggäste werden abgewiesen.

Turret Arch im Arches National Park, dahinter North Window
Turret Arch im Arches National Park, dahinter North Window
Landscape Arch mit 92 m Spannweite
Landscape Arch mit 92 m Spannweite
Delicate Arch
Delicate Arch

Auch im Arches National Park fahren wir mit dem Auto etliche Aussichtspunkte an, machen aber auch zwei ausgedehnte Wanderungen, zur Landscape und Double O Arch sowie zur weltberühmten Delicate Arch. Diese sind in hohem Maße schweißtreibend. Natürlich vermeiden wir die heiße Mittagszeit, doch als wir beispielsweise gegen 17 Uhr zur Delicate Arch aufbrechen, zeigt das Themometer noch weit über 40 Grad an. Im Schatten wohlgemerkt. Schatten gibt es auf dem gesamten Weg aber praktisch nicht. Wir nehmen für die etwa zweistündige Tour drei Liter Wasser mit, die wir auch komplett verbrauchen, und als wir um 19 Uhr am Auto zurück sind, liegt die Temperatur immer noch bei knapp über 40 Grad. Man muss sich so manche Panoramen im Park also buchstäblich im Schweiße seines Angesichtes erarbeiten. Diese sind dafür dann aber auch wirklich unvergleichlich und alle Mühen wert.

4 Comments

  1. Bernd said:

    Hallo Leoni-Team,
    jetzt habt Ihr Euer Geld, anstatt in einen einarmigen Banditen, wieder in Fahrzeugtechnik und Schmierstoffe gesteckt. Ob sich das am Ende auszahlen wird? Gewinn wäre nur mit Ersterem zu erzielen gewesen.
    Ansonsten scheint sich im wilden Westen nicht viel verändert zu haben, sieht man von den Campingplatzgebühren mal ab. Vor allem scheinen die Indianer mächtig an der Preisschraube gedreht zu haben. Ist denn das Feuerwasser so teuer geworden?
    Howgh, ich habe gesprochen.
    Gruß
    Bernd

    26. Juni 2016
    Reply
  2. Jörg Dehmer said:

    Las Vegas ohne mal en bisschen spielen, kann gar nicht sein. Die Temperaturen können wir hier auch bieten, und die Felsen bei Karlstadt am Main sind auch so ähnlich wie der Grand Canyon, jedenfalls ein bisschen. Mich interessiert aber welche Rolle der zierliche Herr im Hintergrund beim Foto der Four Corners spielt?? Viel Spass noch in der schönen Natur i mWesten! Wir warten auf was mit Indianern, Grizzlies und Lasso.

    26. Juni 2016
    Reply
    • Franz Thoren said:

      Der zierliche Herr stand einfach da so rum. Männer und Frauen mit annähernd dreieinhalb Zentner Lebendgewicht sind hier in USA noch einmal deutlich häufiger als in Lateinamerika, wo sie auch schon nicht ausgesprochen selten sind. Wahrscheinlich liegt das an der gesunden Ernährung. Junk food von morgens bis abends.
      Viele Grüße aus Yellowstone
      Franz Thoren

      29. Juni 2016
      Reply
  3. Dieter und Elke Kunz said:

    Liebe Weltreisende,

    nachdem wir den Bericht vom Canyonland gelesen habe, kamen auch bei uns Erinnerungen wach, wobei uns der Bryce besonders beeindruckt hatte. Bei uns und den Kiesköpp läuft alles in normalen Bahnen und im verschlafenen Korschenbroich passiert nicht viel.
    Bei gemischtem Wetter feierten wir in der Boltenbrauerei das 750-jährige. Es gab viel zu sehen, wie Böttcher, Barbier, Spazierstockschnitzer etc. Musik von Öbergärig. Leider auch mit Regen. Der Sommer meint es einfach nicht gut, und dann fangen auch noch die Schulferien an! Wir packen am Wochenende für Schottland und die Orkneys, wo wir den kürzesten Flug der Welt machen wollen, weniger als 2 Minuten! Euch wünschen wir weiterhin gute Fahrt und vielleicht zum Wiedersehen im Herbst in der alten Heimat??Viele liebe Grüße die Kunzens

    8. Juli 2016
    Reply

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