Südwest-Australien

Auf dem Caravan Park von Port Coogee etwas südlich von Fremantle bereiten wir uns auf die Weiterreise vor. Hildegard nutzt die vorhandenen Waschmaschinen, und wir lernen zum zweiten Mal in Australien deutsche Overlander kennen, diesmal ein Pärchen aus Brandenburg mit Unimog.

Unser erster Stopp auf dem Weg in die Südwestecke Australiens erfolgt am Lake Clifton. Hier haben wir eine erneute Begegnung mit den von uns vor ein paar Wochen so lieb gewonnenen Stromatolithen (siehe Blog-Beitrag Shark Bay und Ningaloo Reef) . Im Gegensatz zu denen von Hamelin Pool leben die Stromatolithen von Lake Clifton allerdings im Süßwasser und sehen auch deutlich anders aus. Aus dem Büchlein „Stromatolites“, das wir in Denham an der Shark Bay erstanden haben, erfahren wir Näheres: „Stromatolithen, die in Süßwasserseen entstehen, wachsen in anderer Art und Weise. Im Gegensatz zu denen, die im Meer leben, bilden sie keine Sedimentschichten. Ihre innere Struktur ist vielmehr klumpenförmig. Diese Typen von Stromatolithen werden auch Thrombolithen genannt.“ Dieser Name leitet sich von Thrombosis ab, was so viel wie „Klumpen“ bedeutet. Jetzt kennen wir also schon zwei Arten von Stromatolithen. Bisher ist übrigens nicht bekannt, ob Stromatolithen im Laufe der Evolution zu Thrombolithen wurden, oder ob die Thrombolithen unabhängig von den Stromatolithen entstanden.

Die Stromatolithen bzw. Thrombolithen von Lake Clifton, jahreszeitlich bedingt vollkommen von Wasser bedeckt

Der südlichste Küstenabschnitt Australiens am Indischen Ozean entlang erstreckt sich zwischen dem Cape Naturaliste im Norden und dem Cape Leeuwin im Süden und wird dominiert vom Leeuwin-Naturaliste National Park. Beide Kaps sind benannt nach Schiffen, der holländischen Leeuwin, zu deutsch Löwin, die 1622 vorbeisegelte, und der französischen Naturaliste, die knapp zwei Jahrhunderte später auf der Bildfläche erschien. Der Nationalpark hat keine in sich geschlossene Fläche, ist vielmehr durch viele Orte und landwirtschaftliche Betriebe unterbrochen und wirkt daher etwas zerfasert. Aber er verfügt über eine ganze Vielzahl von touristischen Highlights.

Der Leeuwin-Naturaliste National Park
Küstenabschnitt im Leeuwin-Naturaliste National Park

Da ist zunächst einmal die Küste. Zweimal im Jahr ziehen hier Wale in großer Zahl vorbei und lassen sich sogar vom Ufer aus gut beobachten. Humpbacks und Southern Right Whales, also Buckelwale und Südliche Glattwale, dominieren. Doch jetzt ist es bereits Mitte November, und die meisten Wale sind längst wieder zur Futteraufnahme in antarktischen Gewässern unterwegs. Wir hoffen auf ein paar Nachzügler und steuern eine Beobachtungsplattform in der Nähe des Leuchtturms am Cape Naturaliste an. Es dauert eine Weile, doch dann entdecken wir einzelne Blasfontänen. Mehrere Wale ziehen langsam vorbei. Auch zwei kleine Whale-Watching-Boote entdecken „unsere“ Wale und machen sich an die Verfolgung. Sie jagen die armen Wale buchstäblich vor sich her, zum Glück für die Wale immerhin nicht mehr mit Harpunen, sondern mit Kameras.

Wal-Beobachtung am Lookout beim Cape Naturaliste
Auch zwei Whale-Watching-Boote haben die Wale (links im Bild) entdeckt

Im phantastisch an einer langgezogenen Bucht gelegenen Yallingup nisten wir uns für ein paar Tage ein. Der Strand ist wegen der starken Brandung für Badende eher problematisch, dafür aber bei Surfern umso beliebter. Eine Besonderheit anderer Art ist die deutsche Bäckerei, in der wir uns mit ausgezeichnetem frischem Roggenbrot versorgen. Der aus Stuttgart stammende Inhaber ist 2003 nach Yallingup gekommen und hat hier eine inzwischen offenbar hervorragend laufende Bäckerei eröffnet.

Die starke Brandung von Yallingup ist für Badende nicht unkritisch, …
… aber für Surfer genau richtig.
Der deutsche Bäcker in Yallingup

Das Gebiet um Margareth River ein paar Kilometer weiter südlich hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Zentrum des Weinanbaus entwickelt. Im Leeuwin Estate nehmen wir an einer Führung teil und lernen die Besonderheiten des westaustralischen Winzerwesens kennen. Der Name Leeuwin, Löwin, taucht in dieser Gegend also immer wieder auf. Leoni dürfte sich in diesem Umfeld sehr wohl fühlen.

Neben großen Rebenfeldern werden die Gebiete, die nicht zum Nationalpark gehören, dominiert von ausgedehnten gerodeten Weiden, auf den Rinder und Schafe gehalten werden. Die Weinfelder sind dabei ebenso wie die Wiesen jeweils eingerahmt von Eukalyptusbäumen, was vor allem bei den Weinfeldern ein gewöhnungsbedürftiger Anblick ist.

Weinfelder …
… und Rinderweiden, eingerahmt von Eukalyptus-Bäumen

Als wir auf dem Conto Campground im Süden des Nationalparks einchecken wollen, werden wir vor ein schon bekanntes leidiges Problem gestellt. Der Platz ist halbleer, aber die Buchung geht nur übers Internet. Ein Netz ist aber nicht verfügbar. Somit gestaltet sich die Buchung hier noch schwieriger als sonst schon. Am unbesetzten Rezeptionshäuschen gibt es einen sehr schwachen Hotspot, der nur die Verbindung zur Buchungswebsite zulässt. Und diese Verbindung ist so schwach, dass sie immer wieder unterbrochen wird. Immer wenn man Name, Dienstgrad, Einheit und Kreditkartennummer gerade fast komplett eingegeben hat, bricht das Netz zusammen, und man darf wieder von vorne anfangen. Nach fünf oder sechs Versuchen glauben wir, dass unsere Buchung registriert ist, wissen aber nicht, ob das Bezahlen funktioniert hat. Rückfragen sind nicht möglich. Mehrere Camper, mit denen wir reden, haben exakt das gleiche Problem. Einer ist sogar voller Verzweiflung extra zum versteckt liegenden Visitor Centre etliche Kilometer entfernt gefahren, nur um im dort funktionierenden Internet seinen Aufenthalt um einen weiteren Tag zu verlängern. Das Ganze ist fast schon wieder lustig. Es leben die unausgereiften und unerprobten Prozesse, sie leben hoch! Viele Nationalparks in Western Australia arbeiten im Gegensatz dazu mit dem altbewährten Briefumschlag, in den man seine Gebühr steckt. Oder ein Ranger sammelt das Geld ein. Beides funktioniert, passendes Kleingeld vorausgesetzt, schnell, zuverlässig und immer.

Im Leeuwin-Naturalist National Park treffen wir auch zum ersten Mal auf einen der berühmten Karri-Wälder Südwest-Australiens. Die Karri, eine Eukalyptus-Art, werden bis zu 90 m hoch und wurden von den weißen Siedlern wegen ihres geraden Wuchses und des sehr guten Holzes gnadenlos abgeholzt. Der etliche Quadratkilometer große Boranup-Wald im Nationalpark ist ein nachgewachsener Sekundärwald mit ungefähr gleich alten Bäumen. Richtigen Karri-Urwald lernen wir erst später kennen. Aber bereits dieser hier ist sehr beeindruckend. Kerzengerade und durchaus schon beachtlich dicke Stämme recken sich in der morgendlichen Sonne gen Himmel.

Sekundärer Karri-Wald an der Boranup Forest Road im Leeuwin-Naturaliste National Park

Die australische Vogelwelt sollte auch mal wieder erwähnt werden. Sie ist im Wald und an der Küste mit vielen verschiedenen Arten vertreten. Nicht alle lassen sich allerdings gerne aus der Nähe fotografieren. Ein paar, die ich mit der Kamera erwischt habe, stelle ich im Bild vor.

Kookaburra
Ringsittich
Flötenvogel
Ruß-Austernfischer

Der Leeuwin-Naturaliste National Park liegt in einem ausgedehnten Kalkstein-Gebiet, das typische Karsterscheinungen aufweist und erwartungsgemäß von einer Vielzahl von Höhlen durchzogen ist. Über 100 Höhlen sind bekannt, aber nur vier davon für Besucher zugänglich. Zwei besuchen wir, die Lake Cave und die Jewel Cave.

Die Lake Cave ist zwar vergleichsweise klein, gilt als aber als die schönste der vielen Tropfsteinhöhlen der Gegend. Sie liegt 62 m unter der Oberfläche, ist, wie der Name schon vermuten lässt, eine nasse Höhle und nur ca. 80 m lang. Ihre Stalagtiten und Stalagmiten verfügen über filigranste Strukturen, die erfreulicherweise weitgehend unzerstört geblieben sind. Wir haben anderswo schon etliche Tropfsteinhöhlen besucht und daher vom Besuch der Lake Cave nicht allzu viel Neues erwartet, sind jetzt aber durchaus beeindruckt.

Nach dieser positiven Erfahrung beschließen wir, mit der Jewel Cave noch eine zweite Höhle zu besuchen. Diese ist sowohl die größte und auch die zuletzt entdeckte der großen Höhlen im Südwesten Australiens. Erst seit 1959 ist sie für Besucher geöffnet. Im Gegensatz zur Lake Cave ist die Jewel Cave eine trockene Höhle. Wir erfahren, dass Tropfsteinhöhlen im Laufe ihres Bestehens immer wieder nasse und trockene Phasen durchmachen. Warum von diesen beiden nahe beieinander liegenden Höhlen die eine gerade eine nasse und die andere eine trockene Phase durchläuft, ist unbekannt. Die Vegetation an der Oberfläche ist die gleiche, der Niederschlag auch und das Gestein sowieso. Die Natur bewahrt weiter erfolgreich einige ihrer Geheimnisse.

In der Lake Cave. Sehr ungewöhnlich ist, dass der Fuß der beiden Säulen im rechten Bildteil im Wasser „schwebt“. Der Untergrund wurde vom Wasser weggespült.
In der Jewel Cave

Am Cape Leeuwin, in der äußersten Südwestecke Australiens, treffen zwei Ozeane zusammen, der Indische und der Southern Ocean, wie die Australier das Meer rund um die Antarktis nennen. 1895 wurde hier zur Sicherung der Schifffahrt das glänzend weiße Cape Leeuwin Lighthouse gebaut, mit 39 m der höchste Leuchtturm in Australien.

Eingang zum Leuchtturm-Gelände am Cape Leeuwin
Das Cape Leeuwin Lighthouse fest im Griff

Von hier aus geht unsere Reise jetzt für längere Zeit nach Osten. Nach wenigen Kilometern erreichen wir die Southern Forests und damit dichte Urwälder mit Karri, Marri- und Jarrah-Bäumen, alles Eukalyptus-Arten mit recht unterschiedlichem Erscheinungsbild. Diese Wälder wurden intensiv abgeholzt, doch immerhin sind beträchtliche Reste erhalten geblieben und wurden inzwischen an vielen Stellen unter Naturschutz gestellt. Eine große Zahl von Nationalparks wurde eingerichtet, die oft nahtlos ineinander übergehen. Es fällt uns sehr schwer, den Überblick zu behalten. Bei einer Rundfahrt um den Ort Pemberton herum durchfahren wir auf dem Karri Forest Explorer, einer für Touristen ausgeschilderten Piste durch den Wald, in kürzester Zeit allein drei verschiedene Nationalparks, den Beedelup, Warren und Gloucester National Park.

Southern Forest, Warren National Park (1)
Southern Forest, Warren National Park (2)

Von den 30er bis Anfang der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden insgesamt 8 sogenannte Fire Lookout Trees mit Aussichtsplattformen ganz oben in der Baumkrone eingerichtet, um schneller auf Waldbrände reagieren zu können. Dazu wurden als Treppenstufen vorgesehene Eisenstangen in den Stamm eingeschlagen. Heute sind drei derart präparierte Bäume für Besucher geöffnet. Einer davon ist der Gloucester Tree ganz in der Nähe von Pemberton. Die Plattform mit angeblich überwältigender Aussicht über die Baumkronen befindet sich in schwindelnder Höhe, 53 m über dem Waldboden. Wir beobachten einige wagemutige Kletterkünstler, die hinauf- bzw. wieder hinunterklettern, verzichten selbst allerdings auf dieses nicht ganz ungefährliche Vergnügen.

Der Gloucester Tree, einer von mehreren Fire Lookout Trees im Southern Forest, mit Kletterern
Der Nachwuchs übt schon mal.

Eines Morgens, als wir von innen die Kabine aufschließen wollen, lässt sich die Tür nicht öffnen. Wir sind eingesperrt. Das erinnert uns an letztes Jahr in Halifax in Kanada, als wir die Tür nicht mehr zusperren konnten, weil einer der beiden Haken sich nicht mehr einfahren ließ. Nur mit tatkräftiger Unterstützung eines französischen Overlanders konnten wir damals das Problem lösen. In Deutschland hatten wir dann den Schließmechanismus reparieren lassen, aber diese Reparatur war offenbar nicht wirklich nachhaltig.

Wir malen uns ziemlich ungemütliche Konstellationen aus, frühstücken aber erst einmal. Danach mache ich noch einen Versuch nach der Methode „Intensives Rumfummeln“ – und die Tür geht auf. Beim anschließenden Austesten stelle ich fest, dass sich die beiden Haken oben und unten beim Drehen des Schlüssels nicht zuverlässig hinein- bzw. herausdrehen. Hin und wieder bewegt sich nur einer von beiden. Bei meinen Versuchen bekomme ich den Eindruck, dass exaktes 360-Grad-Drehen des Schlüssels die besten Ergebnisse ohne Klemmer hervorbringt, also ausgehend von der senkrechten Position des Schlüssels rechts oder links herum bis zur nächsten senkrechten Position des Schlüssels. Wir nehmen uns vor, ab sofort nur noch genau so vorzugehen. Eine Reparatur des ziemlich exotischen Schließmechanismus´ hier in Australien erscheint uns zunächst zu kritisch. Wir befürchten „Verschlimmbesserungen“. Entsprechende Erfahrungen mit dem Schloss ihrer Kabinentür haben nämlich schon unsere Freunde Jens und Bärbel in Südamerika gemacht. Bis auf Weiteres schwebt dieses Thema folglich als Damokles-Schwert über uns. Es gibt von diesem Tag aber auch Positives zu berichten. Ich erfahre, dass Borussia 2:1 gegen Bayern München gewonnen hat.

Im Walpole-Nornalup National Park liegt das in allen Reiseführern hoch gepriesene Valley of the Giants, das Tal der Giganten. Wir wissen, dass es um Bäume geht und einen Tree Top Walk gibt, viel mehr aber auch nicht. So fahren wir ohne allzu hohe Erwartungen hin – und werden völlig überrascht. Denn was wir zu sehen bekommen, ist einfach toll. Nur hier gibt es, auf ca. 60 qkm verteilt, eine spezielle Eukalyptus-Art, die Red Tingle Trees. Und das sind echte Giganten – und Überlebenskünstler. Häufig sind sie innen komplett von Feuer verzehrt, leben aber aus einer dünnen Schicht unter der Borke heraus unverdrossen weiter.

Unverwüstlicher Red Tingle Tree. Dieser Baum lebt und steht überraschenderweise noch „voll im Saft“.
Der aufwändig angelegte und sehr eindrucksvolle Tree Top Walk

Für den Tree Top Walk werden 21 Australische Dollar Eintritt pro Person fällig, umgerechnet 14 Euro. Aber er ist jeden Cent dieses Geldes wert. Es ist ein sehr aufwändig und wirklich toll angelegter Weg durch die Baumkronen, bis zu 40 m über dem Boden. Die Aus- und Einblicke in die Wipfel der imposanten Bäume sind phantastisch. Wir sind echt begeistert.

Nach so viel Wald brauchen wir wieder einmal etwas Meer. Einheimische hatten uns den Shelley Beach im West Cape Howe National Park empfohlen. Und tatsächlich finden wir hier einen absoluten Traum-Stellplatz und fühlen uns an die Baja California in Mexiko erinnert. Das Meerwasser ist nicht ganz so warm wie dort, aber zum erholsamen Schwimmen reicht es völlig aus. Seelöwen kommen dicht am Ufer vorbei, und als wir gerade zum Essen in der Kabine sind, sehen unsere Stellplatz-Nachbarn Mandy und Matthias einen Buckelwal direkt an unserem Strand auf- und wieder abtauchen. Es ist offenbar wieder ein Nachzügler. Seine Artgenossen sind wie erwähnt in der Regel inzwischen bereits viel weiter südlich in Richtung Antarktis unterwegs.

Traumhafter Stellplatz am Shelley Beach im West Cape Howe National Park

Albany, das Zentrum des Südwestens, ist nur ca. 30 km entfernt. Hier frischen wir unsere Vorräte auf, machen unsere Wäsche und besuchen das National ANZAC Centre. ANZAC steht für Australian and New Zealand Army Corps. Von Albany aus wurden im Ersten Weltkrieg 41.000 australische und neuseeländische Freiwillige zu den Schlachtfeldern Europas eingeschifft. Ihr erstes Ziel war das türkische Gallipoli, das unter dem Befehl des späteren Staatsgründers Atatürk sehr geschickt und erfolgreich verteidigt wurde. Die Verluste der ANZAC-Truppen waren infolgedessen außerordentlich hoch. Die Landung in Gallipoli erfolgte am 25.4.1915, und der 25. April wird auch heute noch jedes Jahr in Australien und Neuseeland als ANZAC Day feierlich begangen.

Jeder Besucher des National ANZAC Centres bekommt in Form einer Code-Karte eine von 32 handelnden Personen der damaligen Zeit zugeteilt. Fast alle sind Alliierte, aber auch ein deutscher sowie ein türkischer Offizier sind dabei. Der mir zugeordnete Kriegsteilnehmer ist Leutnant Ernst Jünger vom 73. Hannoverschen Füsilier Regiment der „Imperial German Army“. Er wurde 14 mal verwundet, bekam den Orden Pour le Mérite verliehen, die höchste Tapferkeitsauszeichnung im Königreich Preußen, machte später auch den zweiten Weltkrieg mit, wurde nach dem Attentat auf Hitler als „wehrunwürdig“ aus der Wehrmacht entlassen, nahm 1984 gemeinsam mit François Mitterrand und Helmut Kohl an der berühmten deutsch-französischen Versöhnungsfeier auf dem Soldatenfriedhof von Verdun teil und starb 1998 im Alter von 102 Jahren. Berühmt wurde er schon in den 20er Jahren als Autor des Kriegstagebuches „In Stahlgewittern“. In der Bundesrepublik war er wegen seiner Ansichten heftig umstritten.

Das National ANZAC Centre ist insgesamt ganz interessant und macht den Wahnsinn des Ersten Weltkrieges sehr deutlich. Aber irgendwie fehlt ein durchgehender Roter Faden. Dieser Eindruck wird dadurch verstärkt, dass jeder Besucher einen anderen Lebensweg verfolgt, nämlich den des ihm zugewiesenen Kriegsteilnehmers, und folglich alles ziemlich durcheinander wuselt.

Im National ANZAC Centre in Albany

Der Stirling Range National Park knapp 100 km nördlich von Albany stellt die Bergkette der Stirling Range unter Schutz, die sich abrupt aus der flachen Ebene bis zu einer Höhe von über 1.000 m erhebt. Eine landschaftlich sehr reizvolle Piste, der Stirling Range Drive, durchzieht das Gebirge auf knapp 50 km Länge und gibt immer wieder neue Perspektiven auf die Berge und Täler frei. Mehrfach kreuzen Tannenzapfenechsen unseren Weg. So viele dieser putzigen Tierchen haben wir vorher noch nie zu Gesicht bekommen. Auch die fast einen Meter langen Rosenberg´s Goannas sowie Emus lassen sich gelegentlich sehen.

Auf dem Stirling Range Drive
Rosenberg´s Goanna
Tannenzapfenechse wird fotografisch dokumentiert.
Tannenzapfenechse zeigt ihre schöne blaue Zunge.
Kein verfrühter Osterhase, sondern junges Western Grey Kanguroo im Cape Le Grand National Park

Unser nächstes und gleichzeitig auch letztes Ziel im Südwesten Australiens ist die Lucky Bay im Cape Le Grand National Park. Die Bucht wurde vom englischen Kapitän Matthew Flinders so benannt, weil er bei seiner Australien-Umseglung 1802 die Bucht durch einen glücklichen Umstand fand und sich vor schlechtem Wetter hierhin flüchten konnte. Der Strand der Lucky Bay besteht aus reinem Quarzsand und verfügt über den weißesten Sand Australiens. Dies wurde bei einem Wettbewerb australischer Strände durch Labortests herausgefunden.

Der Strand ist absolut ungewöhnlich, und das nicht nur wegen seiner besonderen landschaftlichen Schönheit, sondern auch wegen der besonderen Eigenschaften des sehr dichten Quarzsandes. Der Sand quietscht nämlich. Beim einfachen Darübergehen oder auch, wenn man zum Beispiel einen Trekkingstock darüber schleift. Vermarktet wird die Lucky Bay in der Regel mit Hilfe von Fotos, bei denen Kängurus über den weißen Strand hüpfen. Diese Postkarten-Idylle bekommen wir leider nicht zu sehen, die Kängurus aber sehr wohl. Diese tummeln sich sowohl auf dem wunderschön angelegten Campingplatz am westlichen Ende der Bucht als auch im umgebenden Gebüsch.

Lucky Bay im Cape Le Grand National Park (1)
Lucky Bay im Cape Le Grand National Park (2)

Auf dem Weg von Esperance nach Norseman durchqueren wir zum wiederholten Male den Weizengürtel Westaustraliens. Riesige Weizenfelder, größtenteils bereits abgeerntet, erstrecken sich zeitweise links und rechts der Straße. An Sammelpunkten direkt neben dem Highway ist der Weizen unter freiem Himmel zu riesigen Haufen aufgetürmt, nur zum Teil durch Planen gegen Einflüsse der Witterung geschützt. Eine Eisenbahnlinie zum Abtransport des Getreides führt, parallel zur Straße, direkt daran vorbei. Einen Weizenzug bekommen wir zwar nicht zu Gesicht, dafür aber einen zum Hafen von Esperance fahrenden sehr langen Erz-Zug, der von vier Lokomotiven in Bewegung gehalten wird, zwei davon vorn und zwei in der Mitte. Ein wirklich beeindruckender Anblick. Züge mit drei Lokomotiven kannte ich schon, Züge mit vier noch nicht.

Weizen-Verladestation zwischen Esperance und Norseman, die riesigen gelben Weizenberge im Hintergrund

In Norseman biegen wir nach Osten in den Eyre Highway ein, der durch die Nullarbor Plain führt und nach 1.675 km in Port Augusta in South Australia, gut dreihundert Kilometer nördlich von Adelaide, endet.

2 Comments

  1. Bernd said:

    Hallo Leoni-Crew,
    da habt Ihr ja, anders als bei uns, richtig schönes Sommerwetter. Hier schneit es schon vor Weihnachten. Da Ihr jetzt den Süden Australiens erreicht habt, müsste bei Euch Hochsommer sein. Wie ich auf den Bildern sehe, sind auch in Australien auf den Nationalparkschildern schon viele Aktivitäten durchgestrichen d.h. verboten. Z.B. das Übernachten. Oder sind das nur Einzelfälle?
    Wir wollen im Mai 2018 auch mit dem WoMo durch DownUnder reisen und eigentlich auf Campingplätze verzichten. Notiert Euch also gute und kostenlose Standplätze. Wir werden noch auf Euch zukommen.
    Ansonsten schöne Weihnachten. Wein zum feiern müsste jetzt in Südaustralien genügend zur Verfügung stehen.
    Gruß Bernd

    10. Dezember 2017
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  2. Andreas Nobis said:

    … bei diesen tollen Fotos, insbesondere auch von den Stränden, wird man neidisch!

    10. Dezember 2017
    Reply

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