Auf nach Bella Italia

Gerade erst von meiner Tour zu den Schlössern der Loire zurück, zieht es mich mit dem Camper Leoni wieder auf die Straße – diesmal nach Italien. Die Sehnsucht nach Toskana, Sizilien und weiteren Highlights ist beträchtlich.

Lage von Italien im Mittelmeer. Quelle: Italien.de

Nachdem ich den Reschenpass überquert habe, fahre ich zügig in Richtung Toskana. Eines meiner ersten Ziele ist die Ponte della Maddalena in der Nähe von Lucca, besser bekannt als Teufelsbrücke. Der Legende nach soll der Teufel selbst beim Bau im 11. Jahrhundert mitgeholfen haben. Noch heute kann man die Brücke begehen, und ihre einzigartige Architektur ist wirklich beeindruckend.

Gerade ist eine Gruppe Rafter an der Teufelsbrücke angekommen.

Nur 25 Kilometer weiter südlich wartet Lucca, eine Stadt mit einem charmanten, geschlossenen Stadtbild. Mein Stellplatz hinter einer Werkstatt ist zwar nicht malerisch, aber mit Dusche, Toilette, Entsorgung und vor allem der großen Nähe zur Stadt äußerst praktisch. Ein kleiner Tipp für alle Interessierten: Die App Park4night ist Gold wert, um solche Plätze zu finden.

Auf der sehr gut erhaltenen Stadtmauer von Lucca …
… lässt sich die Stadt vollständig umrunden.
Piazza dell’Anfiteatro in Lucca
Blick vom Torre Guinigi

Die 4,2 km lange Stadtmauer von Lucca ist vollständig erhalten und mit dicken Bäumen bewachsen. Man kann die Stadt darauf komplett zu Fuß oder mit dem Fahrrad umrunden. Überall zeugen alte Kirchen, Häuser und Plätze von der langen Geschichte der Stadt. Die Piazza dell’Anfiteatro beispielsweise war einst ein römisches Amphitheater. Ein absolutes Highlight ist die Besteigung des Torre Guinigi. Der Aufstieg ist zwar anstrengend, aber die Aussicht über die Stadt sowie auch die Steineichen auf dem Dach, die den Reichtum der Besitzer anzeigen sollten, sind die Mühe mehr als wert.

Auf den Spuren von Leonardo da Vinci

Nur wenige Wochen zuvor stand ich an der Loire in Frankreich am Grab von Leonardo da Vinci. Nun will ich auch seine Geburtsstadt Vinci kennenlernen. Sie liegt in einer malerischen, sanft hügeligen Landschaft, wie sie typischer für die Toskana nicht sein könnte..

Ortseingang von Vinci

Das Museo Leonardiano zeigt zwar keine spektakulären Gemälde wie die Mona Lisa, aber seine vielen Zeichnungen und Modelle verdeutlichen Leonardos unglaubliche Schaffenskraft. Das Highlight für mich ist der Glockenturm des Museums. Nach 122 Stufen belohnt mich eine gigantische Aussicht, die ich fast eine halbe Stunde lang in vollen Zügen genieße. Von oben bietet sich ein Bilderbuchpanorama der Toskana, das mir von unten verborgen geblieben war.

Im Museo Leonardiano
Blick vom Glockenturm in die eine …
… und in die andere Richtung

Mindestens genauso beeindruckend ist der Blick vom Rocca di Federico II in San Miniato, einer ehemaligen Pfalz von Kaiser Friedrich II nur wenige Kilometer weiter südlich. Der Burgturm wurde 1944 beim Rückzug der deutschen Truppen zerstört, aber 1958 originalgetreu wieder aufgebaut und bietet eine fantastische Sicht über die Umgebung.

Blick auf den Rocca di Federico II in San Miniato
Blick hinunter vom Rocca di Federico II auf den Ort

Der schiefe Turm und eine lange Fährfahrt

Über Pisa muss ich nicht viel sagen. Der weltberühmte Schiefe Turm (Torre Pendente) macht gemeinsam mit Dom und Baptisterium die Piazza dei Miracoli, den „Platz der Wunder“, zu einem der spektakulärsten Orte der Welt. Erbaut wurden diese Meisterwerke, die heute zum Weltkulturerbe gehören, ab dem 11. Jahrhundert.

Mit einem 27 Euro teuren Ticket, das auch die Besteigung des Turms einschließt, mache ich mich an den Aufstieg. Die 293 ausgelatschten Marmorstufen und die starke Schräglage des Turms stellen meinen Gleichgewichtssinn auf eine harte Probe. Oben angekommen, muss ich mich erst einmal von der Anstrengung erholen. Im Inneren des Doms beeindrucken mich wenig später besonders die Kanzel und die Gesamtanlage.

Piazza dei Miracoli in Pisa
Schiefer Turm und Dom
Der Andrang ist gewaltig.
Im Inneren des Doms. Links die 1311 fertiggestellte eindrucksvolle Kanzel

Vom nur 1 km von der Piazza dei Miracoli entfernten Campingplatz aus geht es dann zum Hafen von Livorno, wo die Fähre nach Palermo auf Sizilien wartet. Die 19-stündige Überfahrt gestaltet sich mangels Kabine oder Schlafstuhl als wenig erholsam, da ich die Nacht auf einem Stuhl verbringen muss und von bellenden Hunden umgeben bin.

Kurz vor der Hafeneinfahrt von Palermo

Siziliens Schätze

Gegen 14 Uhr erreichen wir Palermo. Der von mir über die Park4night-App gefundene Stellplatz liegt ideal inmitten von Hochhäusern, ist bewacht und nur einen Kilometer vom Palazzo Reale oder Normannenpalast entfernt.

Palazzo Reale oder Normannenpalast in Palermo
Die Capella Palatina …
… ist über und über …
… mit byzantinischen Mosaiken ausgeschmückt.

Dieser Palast, in dem Kaiser Friedrich II. seine Kindheit verbrachte, ist die wohl größte Touristenattraktion von Palermo und unbedingt einen Besuch wert. Vor allem die Cappella Palatina ist ein absolutes Highlight. Obwohl sie zur Hälfte eingerüstet ist, begeistert mich die Mischung aus normannischer, byzantinischer und arabischer Kunst, besonders die Mosaike an den Wänden. Nur wenige hundert Meter entfernt befindet sich die Kathedrale von Palermo, wo Friedrich II. in einem schweren Sarkophag begraben liegt.

Die Kathedrale von Palermo …
… mit dem Sarkophag von Kaiser Friedrich II

Knapp 10 Kilometer weiter südlich liegt die Stadt Monreale mit ihrer ebenfalls zum Weltkulturerbe gehörenden Kathedrale, deren gesamtes Inneres mit byzantinischen Mosaiken überzogen ist – ein wahrhaft unglaublicher Anblick.

Die Kathedrale von Monreale wirkt von außen schlicht, …
… ist im Inneren aber …
… wie die Cappella Palatina …
… völlig mit byzantinischen Mosaiken bedeckt.

Die archäologische Stätte von Selinunte an der Südküste Siziliens, eine griechische Gründung aus dem 7. Jahrhundert v. Chr., ist für mich weniger beeindruckend. Ich habe wohl schon zu viele griechische Tempel gesehen, sodass die vielen Ruinen der weitläufigen alten Stadt mich nicht mehr so faszinieren.

Wiederaufgebauter sog. Templo F in Selinunte
Blick vom Templo F auf das antike Stadtzentrum und das Meer

Ganz anders die archäologischen Stätten von Agrigent. Sie gehören zu den eindrucksvollsten in ganz Sizilien und zeigen die Überreste des antiken Akragas. Besonders der Concordia-Tempel ist bemerkenswert, da er zu den besterhaltenen Tempeln der griechischen Antike überhaupt zählt. Im 6. Jhdt. n. Chr. hat ein Bischof Gregor diesen Tempel zur Kirche gemacht und dadurch vor der Zerstörung bewahrt.

Hera-Tempel in Agrigent
Hervorragend erhaltener Concordia-Tempel
Herakles-Tempel

Auf dem Weg zum Ätna bewundere ich noch die Ponte dei Saraceni, eine ansprechende Brücke, die wahrscheinlich ursprünglich aus römischer Zeit stammt, deren heutiges Erscheinungsbild aber auf die Normannen zurückgeht. Die anschließende Fahrt durch die engen Straßen von Adrano ist dann ein echtes Abenteuer. Die Polizei hat die direkte Durchfahrt gesperrt, das Navi schickt mich kreuz und quer, mehrmals auch in Einbahnstraßen hinein. Besonders herausfordernd ist eine Situation mit einem entgegenkommenden Lieferwagen in einer einspurigen Strecke. Da ist echte Millimeterarbeit angesagt. Der Fahrer hilft mir noch, nicht wieder in den gesperrten Bereich hineinzugeraten.

Ponte dei Saraceni

Ätna und Beginn der Heimreise

Die Auffahrt zum Ätna ist spektakulär. Die Temperatur fällt rapide, und die Nacht verbringe ich auf 1.800 Metern Höhe bei nur noch 13 Grad. Doch am nächsten Morgen zeigt sich der Vulkan von seiner besten Seite. Für 69 Euro buche ich eine Krater-Tour. Mit einem Spezial-Allradbus geht es eine extrem steile Piste bis auf 2.800 Meter hinauf. Oben angekommen, spüre und höre ich regelmäßige, heftige Explosionen – der Beweis, dass der Berg lebendig ist. Die Aussicht über das Meer und das Festland von Kalabrien ist einfach überwältigend.

Beim Ausbruch des Ätna im Jahr 2002 wurde dieses Hotel zerstört.
Vor der Krater-Tour. Im Hintergrund raucht der Ätna.
Auf 2.800 m über dem Meer

Die Fährüberfahrt von Messina nach Kalabrien kostet nur überraschend günstige 33 Euro. Vom Ankunftshafen Villa San Giovanni aus fahre ich weiter zum Policoro Village, einem riesigen Zeltdorf in der Basilicata, quasi in der Fußsohle des italienischen Stiefels. Trotz der Empfehlung im Reiseführer ist es nicht ganz mein Fall: zu viele Menschen, zu hohe Preise (52 Euro pro Nacht) und der Strand zu weit entfernt.

Überfahrt von Messina aufs italienische Festland
Am Strand von Policoro Village

Ein absolutes Highlight ist dagegen Alberobello mit seinen berühmten Trulli. Die runden, weiß getünchten Häuser mit ihren kegelförmigen Dächern sind ein einzigartiger Anblick, und die Atmosphäre ist trotz der vielen Touristen faszinierend. Die Legende, dass diese Bauweise gewählt wurde, um Steuern zu sparen, macht den Ort noch interessanter.

Alberobello. Foto mit ungewöhnlich wenigen Touristen
Die Szenerie ist fantastisch …
… und der Andrang gewaltig.
Ein bisschen Modenschau und Schaulaufen ist auch dabei.

Ebenfalls faszinierend ist das Castel del Monte. Die aus lauter Achtecken bestehende Burg von Kaiser Friedrich II. strahlt trotz der Plünderungen im Laufe der Jahrhunderte eine unglaubliche Eleganz aus. Es ist sicher eine der beeindruckendsten Burgen, die ich je gesehen habe.

Das Castel del Monte ist überaus beeindruckend.
Eingangsbereich …
… und Innenhof
Der Blick ist in alle Richtungen völlig frei und unverstellt.

Nach einem Abstecher zum historischen Schlachtfeld von Cannae, wo Hannibal einst die Römer besiegte, finde ich in einem Olivenhain am Meer im Gargano den perfekten Platz zum Entspannen. Der kleine Badestrand ganz in der Nähe des Stellplatzes ist ideal, um endlich ausgiebig im Meer zu schwimmen.

Stellplatz in Olivenhain im Gargano
Badestrand unterhalb der Steilküste unmittelbar beim Stellplatz
Gut gepflegte Olivenhaine

San Marino: Die älteste Republik der Welt

Mein weiterer Weg führt mich in die Republik San Marino, einen eigenständigen Staat, der als älteste noch bestehende Demokratie der Welt gilt. Der Legende nach geht diese auf das Jahr 301 n. Chr. zurück. Der kostenlose Stellplatz ist perfekt gelegen, terrassenförmig angelegt und bietet einen idealen Ausgangspunkt. Von hier aus kann ich das Zentrum von San Marino mit seinen drei wehrhaften Türmen, die sich über einen schmalen Berggrat erstrecken, nach einem kurzen Fußmarsch mit der Seilbahn erreichen.

Regierungsgebäude von San Marino
Blick über Türme und Stadt
Wachablösung vor dem Regierungsgebäude

Trotz der nur 33.000 Einwohner und der vielen Touristen ist die Stadt unglaublich sehenswert. Ich schlendere durch die Gassen, besichtige die Kathedrale und erklimme zwei der drei markanten Türme, die die Silhouette San Marinos bestimmen. Es geht ständig bergauf und bergab, was den Besichtigungsweg etwas anstrengend macht – aber es lohnt sich.

Nach einem leckeren Mittagessen beobachte ich die Wachablösung vor dem Regierungsgebäude. Dabei ist auffallend, dass ausschließlich junge Frauen mit aufgepflanztem Bajonett für die Sicherheit zuständig sind, kommandiert allerdings von einem älteren Mann. Ein interessantes Detail, das den Besuch in dieser einzigartigen Republik abrundet.

Abschied von Italien

Auf der Heimreise lege ich noch einen Stopp in Ravenna ein, um das berühmte Mausoleum von Theoderich dem Großen zu besuchen. Die Geschichte dahinter, die ich schon aus der Schulzeit kenne, ist sehr bewegend und spannend.

Theoderich, König der Ostgoten, hatte das Mausoleum etwa 520 n. Chr. selbst in Auftrag gegeben. 526 n. Chr. starb er und wurde in einem prächtigen Sarkophag im ersten Stock des Gebäudes zur Ruhe gebettet. Doch schon 540 n. Chr. wurde Ravenna von den Byzantinern erobert und sein Grab geschändet. Seine Überreste sind seitdem verschollen.

Mausoleum von Theoderich dem Großen in Ravenna
In diesem inzwischen beschädigten Sarkophag wurde Theoderich beigesetzt.

Mit dem Reich der Ostgoten ging es von da an bergab. Die Könige Wichitis, Totila und Teja kämpften einen verzweifelten Kampf. Vielen ist das Geschehen sicher bekannt aus dem Historien-Roman „Ein Kampf um Rom“. König Teja verlor 552 n. Chr. die entscheidende und letzte Schlacht, bei der er auch getötet wurde, und das Ostgoten-Reich war Vergangenheit.

Nach dreieinhalb Wochen, 3.361 gefahrenen Kilometern und einer letzten Übernachtung in Südtirol erreiche ich schließlich wieder mein Zuhause in Renningen. Es war eine unvergessliche Tour voller beeindruckender Orte, Geschichte und Abenteuer.

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert