Vom Yukon nach Michigan

Der Grenzübergang am Top of the World Highway ist der nördlichste in den Amerikas, sehr einsam gelegen und auch nicht das ganze Jahr über geöffnet. Wir werden vom diensthabenden kanadischen Grenzer sehr freundlich begrüßt. Zunächst fragt er die üblichen Dinge ab. Zu den bei uns nicht vorhandenen Waffen merke ich an, dass wir ja schließlich keine US-Amerikaner seien, was er mit lautem Lachen quittiert. Kritisch findet er lediglich einen übrig gebliebenen Apfel. Er fordert uns auf, diesen zügig zu vertilgen und keineswegs nach Whitehorse oder nach noch weiter südlich mitzunehmen. Auf sofortigem Vollzug besteht er nicht. Wir brauchen wieder nicht auszusteigen, und kontrolliert wird nichts. Die Uhr stellen wir eine Stunde vor, denn der Yukon liegt in einer anderen Zeitzone als Alaska.

Der Top of the World Highway, der von der Grenze nach Dawson City führt, ist eine vorbildlich präparierte Piste. Diese liegt bis kurz vor Dawson immer knapp über 1.000 m Höhe und erlaubt während der gesamten Fahrt eine herrlich freie Sicht in alle Richtungen. Der Grund liegt darin, dass die Streckenführung praktisch ausschließlich über die Bergkämme gelegt wurde. Daher kommt wohl auch der Name des Highways. Das Wetter ist hervorragend, und links und rechts erstreckt sich die völlig unberührte Landschaft Kanadas bis weit zum Horizont. Nur einige wenige Male zweigen einsame Pisten ab zu Minen in der Nähe. Denn Gold lässt sich nicht nur am Bonanza Creek im Klondike finden. Uns gefällt der Top of the World Highway jedenfalls ausgesprochen gut. Er ist sicher eine der spektakulärsten Straßen im äußersten Norden Nordamerikas.

Wir entscheiden uns, erst am nächsten Tag mit der Fähre nach Dawson City auf der gegenüber liegenden Seite des Yukons überzusetzen und übernachten auf dem kostengünstigen Yukon River Government Campground nur wenige hundert Meter neben der Fähranlegestelle.

Blick vom Top of the World Highway durch die Wildnis Richtung Nordpol (1)
Blick vom Top of the World Highway durch die Wildnis Richtung Nordpol (1)
Blick vom Top of the World Highway durch die Wildnis Richtung Nordpol (2)
Blick vom Top of the World Highway durch die Wildnis Richtung Nordpol (2)
Squirrel am Ufer des Yukon
Squirrel am Ufer des Yukon
Mit der kostenlosen Fähre geht es über den Yukon.
Mit der kostenlosen Fähre geht es über den Yukon.

Die Nacht ist sternenklar und dunkel, eigentlich eine gute Kombination zur Sichtung von Polarlichtern. Ich schaue daher in der Nacht mehrfach durch das Dachfenster, kann aber leider keine entdecken. So bleiben unsere ersten Polarlichter, die wir 2004 in Grönland gesehen haben, zumindest vorläufig weiterhin auch die letzten.

Nach der problemlosen Überfahrt mit der Fähre checken wir auf dem Gold Rush RV Park mitten in Dawson City ein. Der Übernachtungspreis pro Nacht ist trotz der unschlagbaren Lage mit 25 Can$ sehr anständig. Während Hildegard im Waschsalon unsere Wäsche wieder auf Vordermann bringt, erlebe ich im Internet live mit, wie die Borussia das Rückspiel gegen Young Boys Bern 6:1 gewinnt und problemlos in die Champions League einzieht.

Dawson City (1)
Dawson City (1)
Dawson City (2)
Dawson City (2)

Der Nachmittag gehört dann der Besichtigung der alten Goldgräberstadt Dawson City. Im August 1896 fanden George Carmack und seine beiden indianischen Begleiter Skookum Jim und Dawson Charlie am Bonanza Creek Gold, und zwar viel Gold. Als dies ein Jahr später in Seattle und San Francisco durch die Ankunft mit Gold beladener Schiffe bekannt wurde, brach der Klondike-Goldrausch los. Etwa 100.000 Menschen aus aller Herren Länder und aus allen Gesellschaftsschichten brachen Richtung Klondike auf, um dort Gold zu finden und schnell reich zu werden. Ungefähr 30.000 von ihnen schafften tatsächlich bis zum Sommer 1898 den äußerst beschwerlichen Weg nach Dawson City. Die allermeisten nahmen die Route über Skagway und White Pass bzw. Dyea und Chilkoot Pass. Die Zahl 30.000 entspricht auch ungefähr der Einwohnerschaft von Dawson City in den Jahren 1898 bis 1900. Dann war der Goldrausch vorbei, und die Bevölkerung ging drastisch zurück. Reich geworden sind nur die allerwenigsten, und diejenigen, die es geschafft haben, verdankten ihren Reichtum oft nicht dem Goldschürfen, sondern dem Aufbau und Betrieb von Säge- und Getreidemühlen, Saloons, Hotels, Bordellen, etc. Ein besonders gewiefter Geschäftsmann französischer Abstammung hatte zu Beginn der Stampede quasi die Zukunft vorausgesehen, sich für 1.600 $ ein großes Stück Land an der Mündung des Klondike in den Yukon gekauft, sein Land dann in kleine Parzellen aufgeteilt und diese für 5.000 $ das Stück verkauft. So entstand das noch heute gut erkennbare Schachbrettmuster von Dawson City.

Dawson City (3)
Dawson City (3)
Dawson City (4)
Dawson City (4)
Dawson City (5)
Dawson City (5)

Es ist mein zweiter Besuch in der Stadt, und mich fasziniert Dawson City nach über 30 Jahren noch genauso wie beim ersten Mal. Die Stadt hat sich trotz der heute nur noch 1.900 Einwohner ungeheuer viel Flair aus der Goldgräberzeit erhalten. Die hölzernen Gebäude mit ihren falschen Fassaden, die ebenfalls hölzernen Gehwege und die ungeteerten Straßen erzeugen eine Wild-West-Atmosphäre, die meiner Meinung nach nirgendwo sonst in einer so starken Ausprägung zu finden ist. Manche Gebäude sind hervorragend renoviert, andere stehen krumm und schief und völlig verwittert da, und einzelne Gebäude, die ich 1985 noch fotografiert habe, sind schlicht und einfach verschwunden. Dafür sind aber neue entstanden, vor allem als Hotels genutzte, die sich erstaunlich gut in das Gesamtbild einfügen.

Neuer Straßenzug in Dawson City, der sich erstaunlich gut ins Gesamtbild einfügt
Neuer Straßenzug in Dawson City, der sich erstaunlich gut ins Gesamtbild einfügt

Neben die Blockhütte des Schriftstellers Jack London, der die Goldrauschzeit miterlebt und in seinen Romanen – Lockruf des Goldes, Ruf der Wildnis, Wolfsblut, etc. – sehr anschaulich und authentisch beschrieben hat, wurde inzwischen ein kleines Museum gesetzt. Darin werden das alte Dawson, der Klondike-Goldrausch und vor allem natürlich auch das Leben Jack Londons dem Besucher anhand von zeitgenössischen Fotos und Dokumenten nahe gebracht.

Blockhütte von Jack London
Blockhütte von Jack London

Am darauffolgenden Morgen ist es mit dem bisher herrlichen Wetter vorbei. Es regnet vom Himmel hoch. Wir beschließen, den Regentag für einen Besuch der Goldminen am Bonanza Creek zu nutzen. Auf dem Weg dorthin versuchen wir, an einer Tankstelle, die auch einen großen Propan-Tank vor der Türe stehen hat, eine unserer zwei Gasflaschen auffüllen zu lassen. Wir haben nämlich durch Nachwiegen ermittelt, dass das noch vorhandene Gas nicht mehr bis zur Verschiffung in Halifax Mitte Oktober reichen wird. Allerdings rechnen wir uns keine großen Chancen aus, dass das mit dem Gas-Kauf auch klappt, denn wir haben diesbezüglich schon zu viele negative Erfahrungen gesammelt. Doch das Wunder geschieht. Wie gewünscht bekommen wir in kürzester Zeit 5 pounds Propan abgefüllt und zahlen ganze 7 Can$ dafür. Es ist der problemloseste Gas-Kauf der gesamten Reise.

Das Gelände am Klondike River und vor allem am Bonanza Creek ist komplett umgewühlt und wirkt absolut trostlos. Dieser Eindruck wird natürlich durch den strömenden Regen und den alles beherrschenden Schlamm nur unterstrichen. An etlichen Stellen stehen Wasserkanonen, Bagger und andere Bau-Fahrzeuge herum. Und zwar hochmoderne, keineswegs Museumsstücke. Denn auch heute noch sind viele Minen aktiv, und auch heute noch wird viel Gold aus dem Untergrund geholt. Es ist nur insgesamt schwieriger geworden.

Der Discovery Claim ist der Ort, an dem der Goldrausch am Klondike seinen Anfang nahm.
Der Discovery Claim ist der Ort, an dem der Goldrausch am Klondike seinen Anfang nahm.

Wir fahren zum Discovery Claim, wo George Carmack und seine beiden Kollegen 1896 das erste Gold gefunden haben, und sehen uns ganz in der Nähe die restaurierte Gold Dredge No. 4 an. Zu Beginn des Goldrauschs wurden alle Arbeiten in den Minen noch manuell erledigt, doch nach und nach kauften Minengesellschaften Schürfrechte auf und begannen, die Landschaft in großem Maßstab maschinell zu durchwühlen. Dazu wurden sogenannte Dredges eingesetzt. Wie schon am Beispiel der Dredge in Chicken, Alaska, erwähnt, sind dies Schwimm-Bagger, die sich selbst ihren Weg durch die Gegend graben, das ausgebaggerte Material nach Gold durchsuchen und den Abraum hinter sich deponieren. Sie schwimmen praktisch in einem selbst gegrabenen, wandernden See. Die Dredge No. 4 ist die größte jemals in Nordamerika eingesetzte Dredge. Sie war 46 Jahre im Einsatz und hat in dieser Zeit stolze 8 Tonnen reines Gold gefördert.

Die Gold-Dredge No. 4 förderte in 46 Jahren 8 Tonnen reines Gold.
Die Gold-Dredge No. 4 förderte in 46 Jahren 8 Tonnen reines Gold.
Funktionsweise einer Dredge
Funktionsweise einer Dredge

Den Abend verbringen wir bei Diamond Tooth Gerties. Dies ist Saloon und Kasino in Einem, im Inneren praktisch unverändert seit der Goldrausch-Zeit, als die legendäre Gertie mit dem Diamant-Zahn die Szene beherrschte. Das Etablissement besteht aus einem einzigen großen Raum, mit Spieltischen für Roulette und Black Jack, Einarmigen Banditen in der Peripherie, einer großen Bühne und natürlich der unvermeidlichen Bar. Alle Bediensteten sind kostümiert im Look von 1898. Dreimal pro Abend läuft eine jeweils gut halbstündige Show, mit Kabarett, Can-Can-Tänzerinnen, etc. Alles sehr professionell gemacht und trotzdem kostenlos. Denn Eintritt wird keiner erhoben. Das Geld wird hier anders verdient, nämlich an den Spieltischen.

Black-Jack-Spieltisch bei Diamond Tooth Gertie
Black-Jack-Spieltisch bei Diamond Tooth Gertie

Wir treffen gegen 20.30 Uhr ein und finden zwei geniale Plätze an der Theke mit vollem Blick auf die Bühne. Die Getränke sind erstaunlich preiswert. Für ein frisch gezapftes Bier und ein Glas Wein zahlen wir umgerechnet weniger als 10 Euro. Auch hier gilt, dass das Geld woanders verdient wird (s.o.). Uns gefällt es an der Theke jedenfalls ziemlich gut, und wir halten es eine ganze Zeit lang aus. In weiterhin strömendem Regen laufen wir schließlich zu unserem nur zwei Straßen entfernten Campingplatz zurück.

Bühnenshow bei Diamond Tooth Gertie (1)
Bühnenshow bei Diamond Tooth Gertie (1)
Bühnenshow bei Diamond Tooth Gertie (2)
Bühnenshow bei Diamond Tooth Gertie (2)

Am nächsten Morgen strahlt wieder die Sonne vom fast wolkenlosen Himmel. So schnell ändert sich hier die Wetterlage. Wir machen einen letzten Spaziergang durch die Stadt und ein Stück am Yukon entlang. Dann fahren wir zum Viewpoint auf dem Midnight Dome hinauf. Diese kurze Tour sollte man nicht versäumen, denn die Aussicht von oben über Dawson City, den Yukon und den in diesen einmündenden Klondike ist wirklich atemberaubend.

Die S.S. Keno, ein Schwesterschiff der in Whitehorse liegenden S.S. Klondike, am Ufer des Yukon in Dawson City
Die S.S. Keno, ein Schwesterschiff der in Whitehorse liegenden S.S. Klondike, am Ufer des Yukon in Dawson City
Die S.S. Klondike Spirit ist ein für Touristenausflüge genutzter nachgebauter kleiner Schaufelraddampfer.
Die S.S. Klondike Spirit ist ein für Touristenausflüge genutzter nachgebauter kleiner Schaufelraddampfer.
Blick über Dawson City vom Midnight Dome aus. Gut sichtbar ist das von links einströmende dunkle Wasser des Klondike, das sich zunächst nicht oder kaum mit dem viel helleren Wasser des Yukon vermischt.
Blick über Dawson City vom Midnight Dome aus. Gut sichtbar ist das von links einströmende dunkle Wasser des Klondike, das sich zunächst nicht oder kaum mit dem viel helleren Wasser des Yukon vermischt.

Die Strecke über den North Klondike Highway zurück nach Whitehorse erscheint uns für einen einzigen Fahrtag zu lang. Wir unterbrechen unsere Fahrt daher auf ungefähr halbem Wege auf dem Tatchun Government Campground in unmittelbarer Nähe der Five Finger Rapids. Dies war während der Goldrauschzeit und auch noch danach die gefährlichste Stelle auf der Flussstrecke von Whitehorse nach Dawson City, und etliche Stampeder verloren hier ihre gesamte Ausrüstung oder sogar ihr Leben. Als sicher wurde nur der östlichste Flussarm angesehen, und auch diesen sollte man nur exakt in die Mitte ansteuern. Je nach Wasserstand wurde man jedoch auch dann u.U. noch mit einer ein bis zwei Fuß hohen tückischen Schwelle konfrontiert. Die Stampeder waren in der Regel keine erfahrenen Seeleute und hatten oft nur roh zusammengezimmerte Boote oder Flöße, und viele scheiterten.

Die Five Finger Rapids des Yukon
Die Five Finger Rapids des Yukon
Aussichtsplattform unmittelbar an den Five Finger Rapids
Aussichtsplattform unmittelbar an den Five Finger Rapids

Ein Stück weiter fahren wir durch ein 1998 rund um den Fox Lake großräumig abgebranntes Gelände. Das Feuer war durch ein nicht sorgfältig genug gelöschtes Lagerfeuer entstanden. Vier Feuerwehrleute wurden von dem Feuerinferno eingeschlossen und konnten sich nur dadurch retten, dass sie viele Stunden im Wasser des Sees ausharrten. Die Wiederbesiedlung des verbrannten Geländes durch Pflanzen und Tiere wird auf Schautafeln verständlich gemacht und ist unmittelbar erlebbar. Denn es stehen zwar noch viele schwarze Baumstümpfe herum, aber ansonsten ist der Wald inzwischen mit voller Kraft zurückgekommen. Aufgrund der fortgeschrittenen Jahreszeit und der Höhenlage von immerhin etwa 1.000 m hat er bereits herbstliche Farben angenommen.

Durch Großfeuer von 1998 verbranntes Gelände am Fox Lake
Durch Großfeuer von 1998 verbranntes Gelände am Fox Lake
Herbstliche Farben am North Klondike Highway im Bereich des Fox Lakes
Herbstliche Farben am North Klondike Highway im Bereich des Fox Lakes

Feuer werden übrigens inzwischen als notwendige Ereignisse zur Erneuerung des Waldes anerkannt. Seit Jahrtausenden entstehen sie durch Blitzeinschläge, neuerdings auch oft durch Nachlässigkeiten des Menschen. Sie werden heutzutage nicht mehr grundsätzlich bekämpft. Laut Aussagen, die wir immer wieder gehört haben, nur noch dann, wenn wesentliche materielle Werte wie menschliche Ansiedlungen in Gefahr sind.

In Whitehorse fahren wir ein weiteres Mal zur Fish Ladder, wo wir vor ein paar Wochen noch keinen einzigen der erhofften Lachse angetroffen hatten. Doch mittlerweile sind die Chinook Salmons angekommen. Sie haben den tausende Kilometer langen Weg den Yukon herauf bis Whitehorse zurückgelegt und können jetzt auf dem letzten Stück Weg zu ihren Laichgründen im Glasfenster der Fischtreppenanlage bewundert werden. Um sie besser zählen zu können, wird ihnen der Weg unmittelbar am Glasfenster zeitweise durch ein Gitter versperrt. In Schüben werden sie dann hindurch gelassen. Das hat für die Besucher den angenehmen Nebeneffekt, dass praktisch immer ein paar Lachse sichtbar sind.

Die Fischtreppe von Whitehorse. Die Lachse können von oben …
Die Fischtreppe von Whitehorse. Die Lachse können von oben …
… oder von der Seite durch ein Glasfenster beobachtet werden.
… oder von der Seite durch ein Glasfenster beobachtet werden.

Nur ein paar Kilometer hinter Whitehorse übernachten wir auf dem Wolf Creek Government Campground und fahren am nächsten Tag weiter nach Watson Lake. Das Wetter ist besser als auf der Hinfahrt. Dies ermöglicht uns, unterwegs ein paar Fotomotive bei deutlich besserem Licht erneut aufzunehmen. Im Sign Post Forest vergewissern wir uns, dass das vor ein paar Wochen von uns angenagelte Nummernschild von Leoni noch da ist. Wir finden sogar das letztes Jahr von Wiffe und Irene angebrachte kleine schnuckelige Schildchen mit der Aufschrift „Heimerdingen – Autonome Region Strohgäu“.

Die längste Brücke im Verlauf des Alaska Highways bei Teslin
Die längste Brücke im Verlauf des Alaska Highways bei Teslin
Im Schilderwald von Watson Lake
Im Schilderwald von Watson Lake

Nach einer Übernachtung auf dem uns schon bekannten Watson Lake Government Campground geht es auf dem Alaska Highway weiter Richtung Südosten. Die Temperatur ist auf ganze 7 Grad am frühen Morgen gefallen, und die Dame im Visitor Center von Watson Lake hatte mit trauriger Miene festgestellt: „Heute hat der Herbst angefangen.“ Wie auch immer, das Wetter ist jedenfalls ziemlich ungemütlich. Bald verlassen wir den Yukon und sind wieder in British Columbia.

Wir haben inzwischen seit fast 2.000 km, konkret seit den beiden verlassenen jungen Elchen südlich von Anchorage, kein einziges Tier mehr gesehen, das größer war als ein Squirrel, und uns praktisch täglich über das fehlende Wildlife gewundert. Das ändert sich jetzt mit einem Male, schlagartig und nachhaltig. Neben der Straße steht unvermittelt ein riesiger Wood Buffalo Bull, ein Waldbison-Bulle, für unser geübtes Auge auf einen Blick erkennbar deutlich größer als ein Squirrel und sogar das größte Landsäugetier Nordamerikas. Nach und nach kommen weitere Büffel hinzu. Insgesamt sehen wir an diesem Tag etwa 10 Bisons, alles Bullen, und mit einer einzigen Ausnahme immer nur einzeln. Die Waldbisons wurden, nachdem sie Ende des 19. Jahrhunderts in der Region komplett ausgerottet waren, in den 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts wieder eingeführt. Sie haben sich seither gut behauptet und tauchen inzwischen regelmäßig im Bereich des Alaska Highways östlich von Watson Lake auf. Sie grasen gerne auf dem regelmäßig gemähten breiten Randstreifen, auf dem zuverlässig immer saftiges Grün sprießt. An die vorbeifahrenden Autos haben sie sich offenbar gewöhnt, etwas zu sehr sogar. Denn jährlich fallen immerhin etwa 20 Bisons Autounfällen zum Opfer, was auch damit zu tun hat, dass sie nachts gerne auf dem warmen Asphalt des Alaska Highways übernachten.

Wood Buffalo Bull (1)
Wood Buffalo Bull (1)
Wood Buffalo Bull (2)
Wood Buffalo Bull (2)
Wood Buffalo Bull (3)
Wood Buffalo Bull (3)

Wir übernachten dagegen auf dem Provincial Campground in Liard Hot Springs, wo wir immerhin 26 Can$ zahlen, was allerdings den Eintritt in die Therme einschließt. Der Aufenthalt im warmen Wasser der Naturbecken ist sehr angenehm, das Wetter ist es dagegen nicht. Am frühen Abend haben wir leichten Regen mit gelegentlichen Sturmböen bei 10 Grad Außentemperatur. Richtiges Campingwetter also.

Ein weiteres Tier oberhalb der Squirrel-Kategorie sehen wir an diesem Tag übrigens auch noch. Auf dem ein paar hundert Meter langen Holzsteg von den heißen Quellen zurück zum Campground beobachten wir eine friedlich weidende Elchkuh.

Liard Hot Springs
Liard Hot Springs

Bei der Fortsetzung unserer Fahrt am nächsten Tag werden wir erneut für das lange fehlende Wildlife entschädigt. Zuerst kommen wieder Bisons. Dieses Mal aber nicht einzelne Bullen, sondern mehrfach gemischte Herden mit dutzenden Tieren. Zum Teil lagern diese bis unmittelbar am Straßenrand.

Bisonherde unmittelbar neben dem Alaska Highway
Bisonherde unmittelbar neben dem Alaska Highway
Am Straßenrand lagernde Bisons
Am Straßenrand lagernde Bisons

Auf gewundenen Straßen führt der Alaska Highway durch die nördlichen Rocky Mountains, und wir kommen nicht besonders schnell voran, was auch an mehreren Baustellen liegt. Im Bereich des Muncho Lakes stehen plötzlich drei Karibus am Straßenrand. Ich halte an, steige aus und mache ein paar Fotos, was die Tiere erkennbar verunsichert. Sie springen in den parallel zur Straße fließenden reißenden Fluss und überqueren diesen. Und zwar durchaus mit Problemen. Ich habe ein etwas schlechtes Gewissen, weil ich sie quasi dazu veranlasst habe. Andererseits sind sie jetzt auf der anderen Seite des Flusses wesentlich sicherer.

Drei Karibus durchqueren reißenden Fluss.
Drei Karibus durchqueren reißenden Fluss.

Kurz darauf wird am Stone Mountain auf das Vorhandensein von Stone Sheep hingewiesen, die wir bisher noch nicht zu Gesicht bekommen haben. Und schon ein paar hundert Meter weiter stehen Tiere auf der Fahrbahn. Aber leider nicht die angekündigten Stone Sheep, sondern erneut Karibus.

Karibus auf der Fahrbahn
Karibus auf der Fahrbahn

Das Wetter ist schon die ganze Zeit bescheiden, und am Summit Lake auf etwa 1.200 m Höhe geraten wir dann sogar in Schnee. Dieser wird bei der Fahrt hinunter nach Fort Nelson aber bald wieder durch Regen abgelöst. Ein paar Stunden später, kurz vor unserem Übernachtungsplatz am Bucking Horse River, haben wir schließlich noch zwei weitere interessante Tierbegegnungen. Zunächst entdecken wir einen Schwarzbären am Straßenrand, der genüsslich das am Waldrand reichlich vorhandene Grünfutter verspeist. Hildegard, die gerade fährt, setzt Leoni zur Verbesserung der Sicht ein ganzes Stück zurück, und ich fotografiere ausgiebig durchs offene Fenster.

Schwarzbär am Rand des Alaska Highways
Schwarzbär am Rand des Alaska Highways

Kurz darauf, es ist schon fast 18 Uhr, läuft eine Tiergruppe von links auf die Straße, allerdings noch ein ganzes Stück vor uns. Ein größeres Tier und zwei kleine. Eins von den beiden kleinen zögert, dreht um und läuft zurück. Die beiden anderen laufen weiter. Hildegard fährt zum ungefähren Ort des Geschehens, und ich entdecke im hohen Gras einen Luchs, der stehen geblieben ist und sich gerade umdreht, offenbar, um nach seinem zurückgebliebenen Jungen zu sehen. Wir haben eine Luchsfamilie entdeckt. Leider bekomme ich kein Bild zustande.

Das Wetter ist und bleibt scheußlich. Am Abend haben wir 8 Grad und am nächsten Morgen noch ganze 5. Dazu gibt es ausgiebigen Regen, die ganze Nacht und auch am nächsten Fahrtag. Und wenn der vorangegangene Tag der Tag des Wildlifes war, ist der aktuelle der Tag der fliegenden Steine. Innerhalb von zwei Stunden erhalten wir zwei schwere Treffer in die Windschutzscheibe. Beide Male war ein entgegenkommender Lastwagen die Ursache. Und beide Male war die Gefahr nicht absehbar. Kein Gravel, keine Steine auf der Fahrbahn, nichts. Beide neuen Einschläge liegen auf der Fahrerseite dicht nebeneinander und zum Glück relativ nah am Rand. Die Scheibe hält und reißt nicht. Aber die Aussichten, sie noch einmal reparieren zu lassen, schwinden zusehends. Wahrscheinlich muss demnächst doch eine neue her.

In Dawson Creek erreichen wir den Anfang des Alaska Highways, der für uns das Ende darstellt, und machen die obligatorischen Fotos am Mile-0-Sign. Danach geht es weiter Richtung Osten. Bald erreichen wir mit der Grenze zur Provinz Alberta die schier endlose Prärie und müssen unsere Uhren erneut um eine Stunde vorstellen. Damit haben wir nur noch 8 Stunden Zeitversatz nach Deutschland. Als wir schließlich auf dem Campground des Young´s Point Provincial Parks ankommen, sind wir dem Regen erstmals seit langem ein Stück davon gefahren. Das gibt uns die Chance, noch einen ausgiebigen Spaziergang durch den Busch zu machen. Wir lassen uns dabei von den reichlich vorhandenen Mücken beißen, entdecken aber immerhin auch ein Deer und mehrere Füchse. Die Temperaturen liegen erfreulicherweise deutlich höher als zuletzt. Bei unserer Ankunft sind es 21 Grad, und am nächsten Morgen immerhin noch 12 Grad.

Anfang bzw. Ende des Alaska Highways in Dawson Creek
Anfang bzw. Ende des Alaska Highways in Dawson Creek
Deer im Young´s Point Provincial Park
Deer im Young´s Point Provincial Park

In der Nacht hat der Regen uns wieder eingeholt. Doch nach etlichen Stunden bei mehr oder weniger starkem Niederschlag fahren wir dem Regen auch an diesem Tag wieder davon. Die Sonne kommt heraus, und es wird noch ein wunderschöner Nachmittag. Wegen der vielen Baustellen und roten Ampeln ist die Durchfahrt durch die Großstadt Edmonton, die Hauptstadt Albertas, etwas zäh, aber ansonsten kommen wir ausgesprochen gut voran. Der Straßenzustand des Yellowhead Highways ist vergleichsweise gut und der Verkehr sowie die Anzahl der Ortsdurchfahrten sehr gering. Unsere Standard-Geschwindigkeit von 85 km/h führt so zu einem von uns als sehr gut bewerteten Tagesdurchschnitt von etwa 80 km/h. In Vermillion kurz vor der Grenze zur Provinz Saskatchewan übernachten wir auf dem sehr gepflegten Campground des Provincial Parks. Wir haben einen wunderschönen Stellplatz, die Sonne scheint, wir machen noch einen kleinen Spaziergang und erfreuen uns am von der untergehenden Sonne knallrot gefärbten Abendhimmel.

Auf dem Yellowhead Highway kurz vor Edmonton
Auf dem Yellowhead Highway kurz vor Edmonton

An der Grenze zu Saskatchewan werden die Uhren erneut eine Stunde vorgestellt. Es ist ein interessantes Phänomen, dass unsere Tage durch das mehrfache Vorstellen der Uhr jeweils kürzer werden, die Sonnenauf- und -untergangszeit nach der jeweils geltenden Ortszeit durch das zügige Nach-Osten-Fahren aber in etwa gleich bleibt.

Schon in Dawson Creek hat uns verwundert, dass das Getreide jetzt, Anfang September, noch komplett auf dem Feld steht. Doch nach und nach ändert sich das Bild. Wir fahren ja nicht genau nach Osten, sondern haben auch eine kräftige Süd-Komponente. Und je weiter wir nach Süden vorankommen, desto häufiger treffen wir auf Stoppelfelder und auch auf Erntemaschinen im Einsatz. Nach getaner Arbeit fahren diese zum Teil monströsen Fahrzeuge hemmungslos über den Highway, ohne irgendeine Absicherung, blockieren zwei oder mehr Fahrspuren und zwingen den Gegenverkehr auf den Randstreifen. Fassungslos staunend erleben und fotografieren wir dies mehrere Male.

Heuballen am Rande des Yellowhead Highways
Heuballen am Rande des Yellowhead Highways
Erntemaschinen fahren ohne jede Absicherung über den Highway.
Erntemaschinen fahren ohne jede Absicherung über den Highway.

Erfreulich finden wir, dass trotz der riesigen Felder und der intensiven Landwirtschaft so viele Insekten in der Luft sind, Libellen, Schmetterlinge und sonstige Insekten in großer Zahl. In Brasilien war das noch ganz anders. Dort sind wir tagelang durch geradezu unendliche Sojafelder gefahren und haben weder Insekten noch Vögel gesehen. Es war buchstäblich eine grüne Wüste. Hier in Kanada ist der Eindruck dagegen, dass Insekten und Vögeln der nötige Lebensraum zugestanden wird.

Vor der Weiterfahrt nach Manitoba übernachten wir in Lanigan auf dem Campingplatz des Lions´ Clubs. Die Fahrt durch die Prärie ist relativ eintönig, findet aber bei immerhin etwas besserem Wetter statt. Zumindest regnet es nicht mehr ununterbrochen. Ab und zu sieht man am Straßenrand noch die traditionellen und einst die Prärie prägenden markanten Getreidespeicher. Meistens wurden diese jedoch schon vor Jahren durch moderne Silos ersetzt, aus denen das Getreide direkt in die bereitstehenden Eisenbahnwaggons abgefüllt wird. Jetzt in der Erntezeit hat der Transport über die Schiene Hochsaison, und wir sehen viele extrem lange Güterzüge. Hildegard zählt bei einem von drei Lokomotiven gezogenen Zug mehr als 200 Getreidewaggons.

Traditioneller Getreidespeicher in Saltcoats, Saskatchewan, …
Traditioneller Getreidespeicher in Saltcoats, Saskatchewan, …
… und die modernere Variante in Langenburg, Saskatchewan. Davor die Waggons zum Abtransport des Getreides
… und die modernere Variante in Langenburg, Saskatchewan. Davor die Waggons zum Abtransport des Getreides

Wie in Sakatchewan übernachten wir auch in Manitoba nur genau ein einziges Mal, und zwar auf einem sehr vollen Campground kurz vor Portage la Prairie. Hier gibt es Dauercamper wie in Deutschland, mit Vorgarten, hölzernem Vor- oder Überbau, etc. Nur Gartenzwerge haben wir keine gesehen. Dafür gibt es reichlich Schwalben und Kolibris. Wir fühlen uns bei angenehmen Temperaturen fast wie in den Tropen.

Auf der Weiterfahrt nach Winnipeg holt uns dann jedoch der Regen wieder ein. Es schüttet wie aus Eimern. Wir fahren an der Stadt vorbei und machen anschließend einen scharfen Schwenk nach Süden Richtung US-Grenze. Unmittelbar vor den Abfertigungsgebäuden halten wir Mittagsrast und essen u.a. das restliche Obst auf, dessen Einfuhr in die USA, wie wir gelernt haben, strikt verboten ist.

Der junge blonde US-Grenzer mit deutschem Namen ist nicht besonders freundlich. Aber das entspricht nach unserer Erfahrung bei US-Grenzern quasi dem Standard. Wir fragen uns ernsthaft, ob sie in ihrer Ausbildung beigebracht bekommen, möglichst unfreundlich aufzutreten. Er fragt, wo wir unseren Wohnsitz haben, ob wir Obst und Gemüse an Bord haben, wohin wir das Auto verschifft haben, was wir beruflich machen, wie lange wir in den USA bleiben wollen. Aussteigen brauchen wir nicht. Und kontrolliert wird nichts.

Somit sind wir in North Dakota, USA. In Grand Forks füllen wir unsere fast auf Null geschrumpften Vorräte wieder auf, freuen uns über die deutlich geringeren Preise als in Kanada, fahren dann noch eine Stunde in strömendem Regen weiter und übernachten kurz vor Fargo auf einem RV-Park direkt neben der Interstate 29. Am späten Abend erleben wir hier ein Unwetter der besonderen Art. Es blitzt und donnert stundenlang wie bei einem Weltuntergang. Und es regnet wieder wie aus Eimern. An Schlafen ist dabei zunächst nicht zu denken. Aber immerhin liegen wir warm und trocken.

In Minnesota wollen wir einen Pausentag einlegen. Den können wir nämlich gut gebrauchen. Immerhin sind wir seit Dawson City praktisch ununterbrochen unterwegs und haben dabei eine riesige Entfernung zurückgelegt. Unsere Wahl fällt auf den Two Rivers Campground, der unmittelbar am Zusammenfluss von Mississippi und Platte River, leider aber auch gute 40 km nördlich unseres Highways liegt. Aber dieser kleine Umweg lohnt sich. Die Lage des Campgrounds ist nämlich absolut phantastisch. Ein alter Baumbestand säumt das Ufer des Mississippi, darunter wächst dichtes Gras, und das Ganze wirkt wie eine Parklandschaft. Der Platte River begrenzt den Platz auf der anderen Seite, bevor er einen scharfen Knick macht und in den Mississippi einmündet.

Herrlicher Stellplatz am Mississippi
Herrlicher Stellplatz am Mississippi

Es ist Labour Day, der erste Montag im September, und somit das Ende eines der beliebten langen Wochenenden. Aber alle Gäste sind bereits abgereist, auch weil die Sommerferien zu Ende gehen und am nächsten Tag die Schule wieder beginnt. Der riesige Platz ist so gut wie leer. Wir dürfen unseren Stellplatz frei wählen und platzieren Leoni 10 m vom Ufer des Mississippi und vielleicht 30 oder 40 m vom Platte River entfernt. Als wir ankommen, fliegt gerade ein Weißkopfseeadler dicht an uns vorbei. Hier lässt es sich wirklich gut aushalten. Dazu trägt auch der große Swimming Pool bei, den wir am Abend ganz für uns allein haben. Leider wird er am nächsten Morgen geleert und für den Winter vorbereitet. Internet gibt es natürlich auch, was wir dazu nutzen, für Anfang Januar die Verschiffung von Leoni von Bremerhaven nach Australien zu buchen.

Unser nächstes festes Ziel ist St. Joseph in Michigan, wo wir Uwe und Angelika, alte Freunde aus Aachener Zeit, besuchen wollen, die vor knapp 20 Jahren beruflich bedingt nach Amerika umgezogen sind. Wir haben uns erst zum Wochenende angemeldet, was uns die Chance gibt, vorher in Wisconsin noch einen weiteren Pausentag einzulegen. Dieser Bundesstaat ist stark von deutschen Einwanderern geprägt und erinnert uns auch von der Landschaft her an Deutschland. Wir einigen uns darauf, dass diese so ähnlich aussieht wie in Hohenlohe. In Wisconsin Dells checken wir für zwei Nächte auf dem sehr gut ausgestatteten, aber mit knapp 52 $ auch sehr teuren Stand Stone Campground ein. Es ist unser bisher teuerster Übernachtungsplatz, noch etwas teurer als der in Fairbanks, Alaska.

Bis St. Joseph sind es noch knapp 500 km, was uns aber keine Kopfschmerzen bereitet. Denn die geplanten Tagesstrecken sind in der Regel immer gut einzuhalten. Wie schon in der Prärie in Kanada fahren wir auch in USA stundenlang mit konstanter Geschwindigkeit von 85 km/h. Die oft genannten und kritisierten Geschwindigkeitsbegrenzungen stören uns überhaupt nicht. Im Gegenteil, wir werden ununterbrochen überholt. Von allem, was Räder hat, natürlich auch von schweren Lastwagen. Denn für diese gelten i.d.R. die gleichen Speed Limits wie für PKWs. Es gibt nur selten Abstufungen wie in Deutschland. Da die Geschwindigkeitsbegrenzung auf den Highways oft 70 Meilen/h beträgt, brettern also auch die schwersten Laster mit 112 km/h an uns vorbei, was sehr gewöhnungsbedürftig ist. Wir selber haben dagegen, soweit ich mich erinnern kann, seit Dawson City, und das ist immerhin knapp zwei Wochen her, nicht ein einziges Mal ein anderes Fahrzeug überholt, von ein paar Erntemaschinen einmal abgesehen.

Unsere Route führt mitten durch Chicago.
Unsere Route führt mitten durch Chicago.

Auf der Strecke nach Chicago und weiter nach St. Joseph fahren wir fast ununterbrochen durch Baustellen und werden auch immer wieder von einer ganzen Reihe von Mautstellen aufgehalten, was unseren Schnitt dann doch etwas drückt. Zum Glück können wir immer mit Bargeld bezahlen und müssen nicht den von uns sehr ungeliebten Weg über Internetzahlung gehen. Einige glücklicherweise von uns nicht benutzte Abfahrten sind unbesetzt, und wer keine „Dauerkarte“ hat und nicht passendes Kleingeld in einen bereitstehenden Trichter werfen kann, wird aufgefordert, innerhalb einer Woche per Internet zu bezahlen. Diesen Fall haben wir vor Monaten in Kalifornien einmal durchexerzieren müssen, und das ganze Procedere hat uns ziemlich viele Nerven gekostet.

Bei Uwe und Angelika werden wir mit offenen Armen empfangen, und in der Folge verbringen wir mit den Beiden ein sehr schönes Wochenende. Am Ankunftstag treffen wir uns mit Freunden der Beiden, sehen uns dann gemeinsam die Gegend an, grillen dicke Steaks und genießen den großen Garten mit Pool.

Die Kleinstadt St. Joseph liegt am Ufer des Michigan-Sees, nur etwas mehr als eine Fahrstunde von Chicago entfernt. Der wunderschöne weiße Sandstrand wirkt auf uns wie ein Meeresstrand, und die erstaunlich starke Brandung unterstützt diesen Eindruck in hohem Maße. Chicago liegt am anderen Ufer genau gegenüber, wenn auch deutlich hinter dem Horizont. Denn der Michigan-See hat enorme Ausmaße. Und er ist auch nicht ungefährlich. Wie wir erfahren, ertrinken in unmittelbarer Nähe von St. Joseph immer wieder Menschen. Häufig sind Jugendliche die Opfer, die ihre Fähigkeiten bei sogenannten Mutproben überschätzen.

Am Strand von St. Joseph
Am Strand von St. Joseph
Mit Uwe und Angelika am Ufer des Lake Michigan
Mit Uwe und Angelika am Ufer des Lake Michigan
Im Garten von Uwe und Angelika kann man es gut aushalten.
Im Garten von Uwe und Angelika kann man es gut aushalten.

Zu Beginn der neuen Woche verabschieden wir uns von Uwe und Angelika und machen uns auf den Weg zur 400 km entfernten kanadischen Grenze, die wir nördlich von Detroit überqueren wollen.

Ein Kommentar

  1. Renate & Walter Hussenöder said:

    Hallo Hildegard, hallo Franz!
    Wollten euch eben spontan eine Mail, bzw. eine WhatsApp- Nachricht schicken, da haben wir gemerkt, dass wir ja gar keine mail-Adresse bzw. Handynummer von euch (dabei) haben. Wo seid ihr denn zur Zeit? Endlich wieder daheim oder schon wieder unterwegs zu neuen Abenteuern?
    Ganz liebe Grüße aus Heimsheim
    von
    Renate & Walter

    17. Januar 2017
    Reply

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