Sardinien

Am 3. November 2016 holen wir Leoni im Hamburger Hafen ab. Sie hat die Schiffspassage von Halifax in Ost-Kanada nach Hamburg gut überstanden. Allerdings sind die beiden Fahrzeug-Batterien komplett entladen, wahrscheinlich weil die Zündung vom Hafenpersonal in Halifax nicht korrekt ausgeschaltet wurde. Mit Hilfe eines Boosters springt Leoni dann jedoch wieder an.

In den folgenden Monaten wird Leoni wieder fit gemacht und verbringt längere Zeit in der Toyota-Werkstatt und beim Kabinenbauer. Denn die zwei Jahre auf der Panamericana haben durchaus ihren Tribut gefordert. Es ist einiges kaputt gegangen bzw. renovierungsbedürftig geworden. Das fängt bei neuen Reifen, Bremsen und Federungen an und hört beim Kühlschrank noch lange nicht auf.

Auch Hildegard und ich werden mit ein paar OPs gewissermaßen „runderneuert“. Schließlich werden wir beide auch langsam älter. Doch schon bald steht die nächste Reise an. Am 6. April 2017 starten wir in Richtung Sardinien. Wir wollen diese schöne Insel unbedingt besuchen, bevor die Touristen im Sommer in Scharen einfallen und auch bevor die Blüte der Macchia im Frühjahr wieder vorbei ist. Für mich ist Sardinien Neuland, während Hildegard die Insel in ihrer Studentenzeit bereits zweimal bereist hat.

Da Leoni immerhin vier Tonnen schwer ist, brauchen wir für die Fahrt durch Österreich eine sogenannte Go-Box und legen dafür an einer Tankstelle kurz hinter dem Fernpass 95 Euro auf den Tisch. Die Go-Box kleben wir von innen an die Windschutzscheibe, und nach und nach wird von ihr die Maut abgebucht. Auf der Rückfahrt sollen wir dann ein eventuelles Restguthaben zurück bekommen.

Nach einer Zwischenübernachtung am Gardasee erreichen wir den Hafen von Livorno. Auf dem Weg dorthin müssen wir uns an die hohen italienischen Dieselpreise gewöhnen. Unter 1,37 Euro pro Liter geht gar nichts. Der von uns registrierte Spitzenwert der ganzen Reise liegt bei 1,82 Euro. Wir zahlen in der Regel 1,45 bis 1,50 Euro pro Liter, während der Preis in Deutschland und Österreich bei nur 1,10 Euro liegt.

Die Zufahrt zum Hafen von Livorno ist extrem schlecht beschildert. Wir finden sie erst nach mehreren Versuchen. Anderen Touristen, mit denen wir sprechen, ging es genauso. Es ist offenbar sehr schwierig, ein paar geeignete Schilder aufzustellen. Um 19 Uhr werden wir als allererstes Fahrzeug auf die Sardegna Regina gewunken und beziehen eine komfortable Kabine.

Flagge von Sardinien

Am nächsten Morgen gegen 7 Uhr erreichen wir Sardinien und fahren in Golfo Aranci an Land. Nur ein paar Kilometer weiter südlich finden wir dann am Capo Coda Caballo, dem Pferdeschwanz, einen ersten schönen Stellplatz direkt am Strand. Wild Campen ist zwar verboten, aber jetzt in der Vorsaison interessiert das noch keinen. Hier verbringen wir bei herrlichem Wetter die ersten zwei Tage auf Sardinien. Landschaft und Küstenlinie sind wunderschön, alles grünt und blüht, wobei die Farbe Gelb dominiert. Schon beim allerersten kurzen Marsch durch die Macchia rutsche ich allerdings aus, falle hart auf den Hintern und stütze mich im Fallen mit der linken Hand ab, die anschließend voller Stacheln und Risse ist. Na ja, shit happens.

Küste am Capo Coda Caballo
Aragonesischer Sarazenen-Turm bei San Giovanni
Küste bei Cala Gonone

Die Ostküste Sardiniens, an der wir in den nächsten Tagen in südlicher Richtung entlang fahren, ist sehr abwechslungsreich. Auf lange Sandstrände folgen bald mehr und mehr spektakuläre Steilküstenabschnitte, die nur hin und wieder von kleinen Badebuchten unterbrochen werden.

In Serra Orrios, ein paar Kilometer im Landesinnern, treffen wir zum ersten Mal auf Nuraghen-Architektur. Die Nuragher, über die man nur wenig Konkretes weiß, bauten ihre Dörfer, eindrucksvollen Brunnenheiligtümer, Gräber und Wehrtürme vor allem in der mittleren und späten Bronzezeit, also Mitte des zweiten bis Anfang des ersten vorchristlichen Jahrtausends. Besonders die mit riesigen Steinen erbauten Wehrtürme sind außerordentlich eindrucksvoll. Es soll mehr als 10.000 davon auf Sardinien gegeben haben, von denen noch etwa 7.000 sichtbar bzw. erhalten sind. Die Blütezeit der Nuragher endete mit der Ankunft der Phönizier um 800 v. Chr.

Nuragher-Siedlung Serra Orrios
Nuraghisches sogenanntes Giganten-Grab von Sa Ena E Tomes
Übernachtungsplatz am Rande des Parco Nazionale del Golfo di Orosei e del Gennargentu
Wanderung zur Gorropu-Schlucht

Zur spektakulären und tief eingeschnittenen Gorropu-Schlucht im Parco Nazionale del Golfo di Orosei e del Gennargentu führt ein schöner, wenn auch stark frequentierter Wanderweg. Um uns herum ist dichter Wald, der sich auf beiden Seiten eines langgezogenen Tales den Berg hinauf zieht. Von menschlichen Einflüssen ist mit Ausnahme des Wanderwegs nichts zu erkennen. So viel unberührte Natur hatte ich auf Sardinien nicht erwartet. Es ist ziemlich warm, der stundenlange Marsch durchaus schweißtreibend und das abschließende erfrischende Bad im Fluss Flumineddu umso schöner.

Eine weitere schöne und ausgiebige Wanderung, auf der wir zur Abwechslung keiner einzigen Menschenseele begegnen, führt uns ein paar Tage später auf den 1.323 m hohen Pizzu Margiani Pobusa, von dem man einen weiten Blick über die menschenleere Landschaft des Inselinneren hat. Beim Aufstieg entdecken wir eine sardische Hirschkuh, das einzige Wildlife unserer gesamten Sardinien-Tour, das größer als ein Eichhörnchen ist. Doch die reichlich auftretenden Pillendreher, die ihre Kotkugeln durch die Gegend rollen, entschädigen ein bisschen dafür. Immer wieder können wir diese kleinen Kerle beobachten und wundern uns über die Hartnäckigkeit, mit der sie schier unüberwindliche Hindernisse bewältigen. Bei der Flora erfreuen wir uns an den vielen wilden Alpenveilchen und gelegentlichen Pfingstrosen und Narzissen.

Aufstieg zum Pizzu Margiani Pobusa
Pillendreher in Aktion
Wilde Alpenveilchen …
… und Pfingstrosen

Um von Osini in der Provinz Ogliastra auf die angrenzende Hochebene und zur Nuraghe Serbissi zu kommen, müssen wir eine sehr steile Serpentinenstraße hoch zur Scala di San Giorgio bewältigen. Der Wendekreis von Leoni reicht mehrfach nicht aus, um die Spitzkehren in einem Anlauf zu schaffen. Oben gibt es dann tolle Aussichtspunkte, Wanderwege und auch einen ruhigen Übernachtungsplatz.

Landschaft an der Scala di San Giorgio oberhalb Osini
Nuraghe Serbissi
Weinabfüllung mit Zapfpistole

Nach mehreren Tagen im Landesinneren zieht es uns wieder ans Meer. In Jerzu machen wir einen kurzen Stopp auf einem Weingut, wo wir mit einer Zapfpistole Rotwein in mitgebrachte Wasserflaschen abfüllen. Eine durchaus ungewöhnliche Methode, wie wir finden. Natürlich müssen wir unseren Kühlschrank ab und zu auch mit anderen Dingen füllen und sind immer wieder überrascht, wie günstig wir in den sardischen Supermärkten einkaufen können. Wir schätzen, dass die Preise um vielleicht 30% niedriger liegen als in Deutschland.

Küste südlich von Arbatax
Nuraghisches Brunnen-Heiligtum von Santa Vittoria

Südlich von Arbatax verbringen wir ein paar Tage am Strand, bevor wir uns von der Ostküste verabschieden und nach Westen wenden. Unser nächstes Ziel ist die Giara di Gesturi, eine 4.300 ha große, 16 km lange und bis zu 5 km breite Hochebene, die rundherum steil abfällt, also ziemlich unzugänglich ist. Wir fahren eine schmale Straße hoch und nehmen mit dem Einverständnis des diensthabenden Rangers einen schönen Übernachtungsplatz auf dem geräumigen Parkplatz ein. Am späten Nachmittag bringt hier dann ein kurzes Gewitter den ersten Regen unserer Sardinien-Tour.

Der nächste Morgen erfreut uns dann aber schon wieder mit dem gewohnt blauen Himmel. Auf den Bergen in einiger Entfernung liegt frischer Schnee. Und die Temperaturen sind mit zunächst nur 3 – 4 Grad ziemlich erfrischend. Wir mieten zwei Fahrräder und starten mit einem kleinen Picknick-Paket ausgestattet zur Erkundung der Giara di Gesturi. Weite Teile der Hochebene sind von eindrucksvollen Korkeichenwäldern bedeckt. Manche Bereiche sind frisch geschält, andere nicht. Mehrere flache Seen, sogenannte Pauli, sorgen für Abwechslung. Auch einzelne Gehöfte liegen im Gelände verstreut. Die große Attraktion ist jedoch eine wild lebende Pferdeherde. Diese ist zurzeit ca. 600 Köpfe stark und geht auf die Phönizier zurück, welche die Pferde vor fast dreitausend Jahren mitgebracht haben sollen. Ursprünglich war diese Pferderasse auf ganz Sardinien verbreitet, wurde dann aber auf die unzugängliche Giara di Gesturi zurückgedrängt und stand vor 50 Jahren kurz vor der Ausrottung. Erst dann eingeführte Schutzmaßnahmen sicherten ihr Überleben. Die steilen Wände der Hochebene machen übrigens Zäune überflüssig. Die Pferde können nicht weglaufen.

Fahrrad-Tour auf der Giara di Gesturi (1)
Fahrrad-Tour auf der Giara di Gesturi (2)
Korkeichen
Wildpferde auf der Giara di Gesturi (1)
Wildpferde auf der Giara di Gesturi (2)
Orchidee
Blick hinunter von der Giara di Gesturi

Es ist eine wunderschöne Rad-Tour, auch wenn die Drahtesel nicht ganz unseren Ansprüchen genügen. Wir genießen die Landschaft, die herrlichen Korkeichenwälder und Seen, und stoßen immer wieder auf Pferde. Meistens sind es kleinere Gruppen, und häufig sind Fohlen dabei. Auch eine riesige Ziegenherde von vielen hundert Tieren kreuzt unseren Weg. An manchen Stellen wimmelt es geradezu von verschiedenen Orchideen-Arten. Immer wieder machen wir kurze Stopps. Nach 5 Stunden sind wir zurück bei Leoni.

Ganz in der Nähe der Giara di Gesturi liegt die Nuraghe Su Nuraxi. Eine Besichtigung ist nur mit Führer möglich. Wir haben Glück und bekommen eine Exklusiv-Führung durch eine sehr gut informierte und sehr gut englisch sprechende Festland-Italienerin. Su Nuraxi ist die wahrscheinlich imposanteste Nuraghe von Sardinien und wirklich einsame Spitze. In mehreren Schritten wurde die Festung gebaut, zuerst der 19 m hohe Hauptturm mit drei Etagen (in Tholos-Bauart, d.h. mit falschem Gewölbe), der dann in der späteren Bronzezeit 1.300 – 1.100 v. Chr. mit vier weiteren Türmen überbaut und erweitert wurde. Es ist eine außerordentlich imposante Anlage, gebaut mit Riesensteinen und perfekt durchdachten Wendeltreppen, die ins Mauerwerk des Zentralturms integriert sind. Su Nuraxi galt jahrhundertelang als uneinnehmbar, bis es schließlich doch von den Puniern / Karthagern um 600 v. Chr. nach langer Belagerung eingenommen wurde.

Su Nuraxi, die wohl imposanteste aller Nuraghen
Im Inneren von Su Nuraxi
Mittagsblumen an der Costa Verde
Wunderschöner Übernachtungsplatz an der Costa Verde
Dünenlandschaft an der Costa Verde

Von Su Nuraxi aus fahren wir weiter zur Costa Verde an der Westküste Sardiniens. Südlich von Marina di Arbus finden wir dort einen Traumübernachtungsplatz inmitten von Mittagsblumen direkt am Meer. Das Wetter ist weiterhin herrlich, und abends erleben wir bilderbuchmäßige Sonnenuntergänge. Ganz in der Nähe liegt ein Gebiet mit Sahara-ähnlichen Sanddünen, das uns eine schöne Halbtages-Wanderung ermöglicht.

Unser weiterer Weg führt uns an der Küste entlang nach Norden. In San Giovanni de Sinis treffen wir auf eine schöne alte Kirche byzantinischen Ursprungs. Sardinien ist nicht nur sehr gut bestückt mit Nuraghen, sondern auch mit eindrucksvollen, wenn auch nicht ganz so alten Kirchen, die von den verschiedenen Besatzern im Laufe der Jahrhunderte gebaut wurden, von Pisanern, Genuesen und Aragonesen. Immer wieder fahren wir diese gezielt an und sind überwältigt von der Vielzahl der Baustile sowie der prächtigen äußeren und inneren Gestaltung.

Byzantinische Kirche in San Giovanni de Sinis
Imposante Nuraghe Losa
Im Inneren der Nuraghe Losa

Die sehr gut erhaltenen römischen Thermen von Fondogiánus werden wie schon vor zweitausend Jahren immer noch von heißem Quellwasser gespeist. Aus den Badebecken fließt das heiße Wasser wie eh und je in den nur ein paar Meter entfernten kalten Rio Tirso. Seit ein paar Jahren ist das Gelände der Thermen eingezäunt. Man kann es aber sehr gut von außen durch den Zaun in Augenschein nehmen, ohne eine Eintrittskarte erwerben zu müssen.

Kurz nach uns trifft eine holländische Familie mit ihrem Wohnmobil ein, und wir beschließen, gemeinsam am Fahrweg zwischen römischen Thermen und Rio Tirso zu übernachten. Bald liegen wir alle miteinander im Fluss, wo sich das heiße Wasser aus den Thermen mit dem kalten Flusswasser vermischt. Durch Öffnen und Schließen von schon vorhandenen Steinwällen wird die Wassertemperatur in verschiedenen abgegrenzten Becken von den Badenden reguliert. In Summe bleibt das Wasser aber ziemlich heiß, und wir sind nach einiger Zeit alle krebsrot.

Bad im Rio Tirso unterhalb der römischen Thermen von Fondogiánus (1)
Bad im Rio Tirso unterhalb der römischen Thermen von Fondogiánus (2)

Auf der Weiterfahrt nach Bosa steht der erste Tankstopp auf Sardinien an. Ich zahle stolze 180 Euro für 120 Liter Diesel, bei einem Literpreis von 1,499 Euro. So viel habe ich im ganzen Leben noch nie fürs Tanken ausgegeben. Zwei Kilometer außerhalb von Bosa richten wir uns hinter der romanischen Kirche San Pietro Extramuros häuslich ein und laufen zur Besichtigung in die Stadt.

Romanische Kirche San Pietro Extramuros in Bosa
Küstenlandschaft beim Torre Argentina (1)
Küstenlandschaft beim Torre Argentina (2)

In einem unserer Reiseführer ist nördlich von Bosa beim Torre Argentina, einem der vielen aragonesischen Wachtürme, die zur Abwehr sarazenischer Seeräuber gebaut wurden, ein attraktiver Stellplatz beschrieben. Leider finden wir das Zugangstor verschlossen vor, können jedoch immerhin das wunderschöne Gelände ausgiebig zu Fuß erkunden.

Der weitere Verlauf der Küstenstraße nach Alghero erinnert ein bisschen an den weltberühmten Pacific Coast Highway CA1 in Kalifornien zwischen Los Angeles und San Francisco. Nach längerer Zeit mit wildem Campen checken wir mal wieder auf einem richtigen Campingplatz ein, dem etwa drei Kilometer nördlich von Alghero direkt am Strand liegenden Camping Mariposa. Leider macht das Wetter an diesem Tag nicht so richtig mit. Es ist bewölkt und nur 14 Grad „warm“. Bei unserem Fußmarsch nach Alghero kommen daher erstmals unsere Anoraks zum Einsatz. Die Stadt ist ganz nett, aber auch sehr touristisch, obwohl sich die Touristenscharen jetzt in der Vorsaison noch im Rahmen halten.

Stadtbefestigung von Alghero
Treppe zur Grotte de Nettuno
In der Grotte de Nettuno

Das steil aufragende Capo Caccia 20 km weiter beeindruckt uns viel stärker. Wir richten uns auf dem Parkplatz an der Cala d´Inferno ein, wo wir die nächsten zwei Nächte verbringen. Von hier geht es bei wieder herrlichem Wetter zunächst zu Fuß hoch zum Beginn einer spektakulären Treppe, die in einer fast senkrechten Felswand 568 Stufen hinunter zur Grotte de Nettuno führt, einer riesigen und sehr eindrucksvollen Tropfsteinhöhle. Nach der Besichtigung müssen wir wieder die endlos lange Treppe hinauf. Doch das geht besser als befürchtet.

Malerische Bucht von Porto Conte am Capo Caccia
Auf der Wanderung zum Torre della Pegna
Am Sarazenen-Turm Torre della Pegna

Am nächsten Morgen machen wir uns kurz nach 9 Uhr mit Wanderschuhen und -stöcken ausgestattet auf die Tour zum Torre della Pegna, einem der vielen Sarazenen-Türme aus der Zeit der aragonesischen Besatzung. Riesige Wagenkolonnen kommen nach und nach auf unserem vorher völlig einsamen Parkplatz an. Fast alle Autos sind mit 4 – 5 Personen gut gefüllt. Und alle fangen an, Wanderschuhe anzuziehen. Nach einiger Zeit sehen wir, dass riesige Menschenmassen unseren Spuren folgen. Eine nicht enden wollende Kette von Wanderern zieht sich wie ein Bandwurm hinter uns den Berg hinauf. Das Ganze erinnert uns massiv an unsere Besteigung des Kilimandjaro vor 10 Jahren. Nach gut zweieinhalb Stunden zum Teil anstrengenden Kletterns über große Felsbrocken kommen wir am Torre della Pegna an. Die uns umgebende Küstenlandschaft ist absolut grandios. Zunächst sind wir völlig allein und ungestört. Was sich dann aber schlagartig ändert. Denn plötzlich wimmelt es von Menschen. Eine Frau, offenbar die Anführerin, erzählt uns von 150 bis 160 Personen in ihrem Schlepptau. Viele junge Schwarzafrikaner sind dabei, aber auch Behinderte und sogar Blinde. Es ist eine ganz erstaunliche Gruppe. Wir verstehen nicht genau die Hintergründe, aber irgendwie hängt das Ganze mit dem Ende der Osterzeit zusammen.

Wir erreichen die Nordküste und machen Halt am Strand sowie an verschiedenen Sehenswürdigkeiten wie der pisanischen Kirche Santissima Trinità di Saccargia, der bizarren Felsformation des Elefante, dem versteinerten Wald bei Martis und der Therme von Casteldoria.

Pisanische Kirche Santissima Trinità di Saccargia
Bizarre Felsskulptur des Elefante
Wanderung in den Limbara-Bergen

In den Limbara-Bergen liegt auf 1.000 m Höhe ein im Reiseführer hochgelobter Super-Wohnmobil-Stellplatz. Ein nicht zu übersehendes Schild weist darauf hin, dass er mit EU-Geldern gebaut wurde. Es ist eine hochmoderne Anlage mit allen Schikanen der Wohnmobil-Ver- und Entsorgung. Und alles liegt in Trümmern. Nichts funktioniert mehr, wirklich nichts. Es ist das Gleiche, was wir immer wieder in Lateinamerika beklagt haben. Irgendjemand stellt eine tolle Anlage hin, niemand kümmert sich um den Erhalt, und in kürzester Zeit sind nur noch vergammelte Reste zu bewundern.

Immerhin können wir von diesem Stellplatz aus eine ausgedehnte Wanderung durch herrliche Granit-Fels-Landschaft machen. Es geht hoch bis auf 1.315 m. Nach 5 anstrengenden Stunden sind wir zurück.

Ganz in der Nähe von San Teresa di Gallura, von wo aus die Fähren nach Korsika abgehen, liegt das Capo Testa mit der tollen Steinlandschaft des Valle della Luna. Solche Mondtäler gibt es also nicht nur reichlich in Lateinamerika, sondern auch auf Sardinien. Und das am Capo Testa ist wirklich toll. Wir schlagen uns durch die dichte blühende Macchia und genießen die bizarre Landschaft.

Valle della Luna am Capo Testa (1)
Valle della Luna am Capo Testa (2)
Valle della Luna am Capo Testa (3)

Die beiden letzten Nächte auf Sardinien verbringen wir auf dem angeblich schönsten Campingplatz der Insel in der Nähe von Cannigione. Der Platz ist von Lage und Ausstattung her wirklich toll, schlägt dafür aber auch mit 40 Euro pro Nacht zu Buche. In der Hauptsaison ziehen die Preise, wie übrigens auf allen Campingplätzen Sardiniens, noch einmal kräftig an. Hier treffe ich völlig überraschend auf einen ehemaligen Mitarbeiter, den ich mehr als ein Jahrzehnt nicht mehr gesehen habe und der hier mit Frau und Kindern Urlaub macht. Die Radrennfahrer des in Alghero gestarteten Giro d´Italia rauschen in unmittelbarer Nähe des Campingplatzes vorbei. Doch da schwimme ich zu einem ausgiebigen Bad gerade ein Stück weit ins Meer hinaus. Radrennen finde ich nicht gar so spannend.

Vor der Rückfahrt mit der Fähre zum italienischen Festland besuchen wir noch den bizarren Rocca d´Orso, den Bärenfelsen, sowie ein Gigantengrab und eine letzte Nuraghe in der Nähe von Arzachena. Dann sagen wir der schönen und außerordentlich attraktiven Insel Sardinien Adé und erreichen nach einer stürmischen Nacht mit starkem Seegang den Hafen von Livorno.

Am Kalterer See in Südtirol, der Hildegard von mehreren Pfingsturlauben in bester Erinnerung ist, unterbrechen wir unseren Heimweg für ein paar Tage. Auf dem Campingplatz Gretl am See bekommen wir einen Stellplatz in unmittelbarer Ufernähe. Das Wetter ist auch in Südtirol herrlich, und so tauche ich regelmäßig ein in die erfrischenden Fluten des angeblich wärmsten Badesees des gesamten Alpenraums. Wir verbringen ein paar Tage mit ausgiebigen Wanderungen durch die Weinberge und Wälder und genießen Südtiroler Küche und Wein.

Kaltern in Südtirol
In den Weinbergen am Kalterer See (1)
In den Weinbergen am Kalterer See (2)
Hoch über dem Kalterer See
In den Weinbergen unterwegs

Im österreichischen Nassereith kurz vor der deutschen Grenze geben wir schließlich die Go-Box zurück und bekommen problemlos das Restgeld von ca. 27 Euro zurück. Die Fahrt über Innsbruck zum Brenner und zurück schlug also mit ungefähr 68 Euro zu Buche.

Ein paar hundert Meter hinter der deutschen Grenze wird der Verkehr von der Autobahn über einen Parkplatz geleitet. Die Polizei macht Gesichtskontrollen, winkt uns aber freundlich durch. Offenbar sind wir nicht verdächtig. Und bald darauf sind wir wieder zu Hause, wo wir Leoni in den nächsten Wochen für die Verschiffung nach Australien vorbereiten müssen.

2 Comments

  1. Bernd said:

    Hallo Leoni-Team,
    oh ja. Kann mich gut anhand der Bilder an Sardinien erinnern. Viele Aufnahmen sind fast identisch zu meinen Fotos. Wir waren zur selben Zeit dort.
    Könnt ihr den doppelten Boden von Leoni mit Wein aus der Zapfpistole für die Globetrotter-Zeltnacht füllen?
    Gruß

    13. Juni 2017
    Reply
  2. Andreas Nobis said:

    … und ich dachte immer, Sardinien sei ein mehr oder weniger ödes Eiland! Nach eurem Bericht muss ich meine Meinung völlig revidieren! Offenbar ist das – zur richtigen Jahreszeit – ein attraktives Reiseziel! Vielen Dank für euren Bericht!
    Gruß
    Andreas

    15. Juni 2017
    Reply

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